So kann bewusster Konsum die Welt verändern

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Bewusster Konsum soll die Welt verändern können? Für einige schwer zu glauben. Aber: Konsum verändert bereits die Welt – oft zum Schlechten. Wer heute bei sich anfängt, kann mit bewusstem Konsum den Markt beeinflussen – und ihn damit auch verändern. Hier ein paar Beispiele, was man besser machen kann.

Markt funktioniert so: Hier gibt es Angebote, dort gibt es eine Nachfrage, und irgendwo dazwischen treffen sich Konsumenten und Produzenten. Die Macht des bewussten Konsumenten liegt vor allem darin, Nein zu sagen zu schlechten Angeboten, dafür ausdrücklich Ja zu sagen zu besseren, also nachhaltigeren, umweltfreundlicheren oder ethischeren Angeboten.

Das Schöne daran: Da kann jeder ganz problemlos mitmachen, ohne gleich die ganze Welt verändern zu müssen. Denn Konsumentscheidungen fällen wir ohnehin täglich – es kostet nur ein paar Gedanken mehr, sie bewusst zu treffen. Hier einige Beispiele:

1. Bewusster Konsum = weniger Lebensmittel wegwerfen

Was Restaurants an einem einzelnen Abend wegwerfen, davon könnten viele satt werden. Das zu ändern ist schwer. Doch die meisten Lebensmittel werden ohnehin in privaten Haushalten weggeworfen: Wir kaufen zu viel, zu planlos ein, weil Angebote uns im Supermarkt verführen.

Das zu ändern ist ganz leicht: Bewusster Konsum heisst hier, einfach besser zu planen, was gekocht und zubereitet werden soll. Und Angeboten aus dem Weg gehen, dabei stets die Frage stellen: Brauche ich das wirklich?

Tipp: Ab und zu mal ganz bewusst gar nichts kaufen: Dann kann man kreativ Reste kochen und muss weniger wegwerfen.

2. Bio-Waren kaufen

Die ökologische Landwirtschaft will Landwirtschaft so betreiben, dass sie ohne Raubbau an der Natur nachhaltig funktioniert und sich ökonomisch rechnet. Dazu werden im Bio-Anbau unter anderem weniger Pestizide eingesetzt. Nein, Bio-Lebensmittel schmecken deswegen nicht besser: Doch die Produktion von Bio-Lebensmitteln schädigt die Umwelt weniger als konventionelle Landwirtschaft.

Wie Landwirte arbeiten, können wir nicht direkt ändern. Was wir aber können ist, uns beim bewussten Konsum für Produkte mit EU-Bio-Siegel oder besser noch mit den Siegeln der Bio-Anbauverbände Demeter, Bioland, Naturland entscheiden und so dauerhaft die Struktur der Landwirtschaft verändern.

3. Leitungswasser trinken statt Mineralwasser

Fast überall in Deutschland ist das Leitungswasser von hervorragender Qualität. Es wird sorgfältiger geprüft als Mineralwasser aus der Flasche. Dass wir mit diesem perfekten Trinkwasser unsere Klos spülen – das kann der einzelne nicht ändern.

Was aber jeder anders machen kann: Leitungswasser trinken statt Mineralwasser aus der Plastikflasche. Denn Mineralwasser ist oft absurd, viel teuer, wird aufwendig verpackt und mit viel Spritverbrauch Tausende von Kilometer durch die Gegend gekarrt. Bewusster Konsum meidet diesen Unsinn.

4. Bewusste Konsumenten meiden Plastik

Unsere Meere schwimmen in Plastik. Es gibt so viel davon, dass Algen sich daran ansiedeln, Meerestiere das Gemenge essen und am Ende so viel Plastik im Magen haben, dass sie daran qualvoll verenden. Schuld ist der Umstand, dass Plastik sich nicht zersetzt, sondern nur zerkleinert. Und natürlich die Tatsache, dass wir Plastik zu häufig auf zu unsinnige Weise einsetzen, ohne je untersucht zu haben, welche Folgen das haben könnte.

Dabei gibt es einfache Möglichkeiten, im Alltag auf Plastik zu verzichten: Indem man zum Einkaufen eine Mehrweg-Tasche mitnimmt, Wasser aus der Leitung trinkt oder Gemüse unverpackt auf dem Wochenmarkt kauft.

5. Fair Trade–Waren kaufen

Die Produktion von Kaffee, Kakao und Tee, aber auch von Bananen oder Ananas liegt oft in der Hand kleinbäuerlicher Strukturen, die Probleme haben, gegenüber Handelskonzernen ihre Preise durchzusetzen. Die Folge ist, dass zum Beispiel bei Kaffee und Kakao die Bauern kaum von ihrer Ernte leben können.

Fair-Trade-Organisationen versuchen, das zu ändern. Sie sind dabei nicht perfekt und haben oft Schwierigkeiten, unsere Vorstellungen von Gerechtigkeit in Ländern umzusetzen, in denen politisch völlig andere Strukturen herrschen.

Aber sie probieren es wenigstens. Und jeder Konsument kann ihre Anliegen unterstützen, indem er Schokolade, Kaffee, Tee, Bananen und andere Produkte mit Siegel wie etwa „Fairtrade“, „Gepa+“, „Naturland fair“ kauft.

6. Zu Ökostrom wechseln statt bei Kohle zu bleiben

Niemand auf der Welt weiß, wie wir den Jahrtausende strahlenden Atommüll sicher aufbewahren können. Und mit Kohlekraftwerken verwandeln wir unseren Planeten langsam in ein Treibhaus. Der Ausweg sind regenerative Energien, also Wasserkraft, Sonnenenergie, Biomasse und andere Systeme.

Für Erneuerbare Energien muss sich der Konsument aber bewusst entscheiden, indem er zu einem echten Ökostromanbieter wechselt – einem, der nichts anbietet außer 100% Ökostrom und der seine Einnahmen in den Ausbau erneuerbarer Energien steckt.

Laufen den traditionellen Energiekonzernen die Kunden weg, werden sie ihre Geschäftsmodelle überdenken.

7. Faire Slow-Fashion tragen

Irgendwann wurde „Kleidung“ zur „Mode“. Das hatte zur Folge, dass wir sie nicht mehr tragen wollen, sobald sie nicht mehr modisch ist. Das wiederum hat dazu geführt, dass große Modeketten ständig neue Kollektionen herausbringen: Fast Fashion.

Damit sich möglichst viele Menschen die ständig wechselnde Fast Fashion noch leisten können, müssen diese Klamotten billig produziert werden. Wegen des Preisdrucks wird unsere Kleidung daher heute oft unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert, zugleich wird die wasserverschlingende Baumwollproduktion zum Umweltproblem.

Was tun? Eine wachsende Zahl von alternativen Labels verwendet Bio-Baumwolle oder fair gehandelte Rohstoffe. Wir müssen nur zugreifen und sie auch tragen – allerdings länger als die Wegwerfmode.

8. Leihen statt besitzen

Unsere Wirtschaften produzieren wie wild Konsumgüter, obwohl wir viele davon selten benötigen. Wir könnten Autos, Bohrmaschinen, Bücher und so weiter einfach gegenseitig verleihen, statt dass jeder von uns sie kauft. Das reduziert den Gesamtverbrauch, kommt uns alle billiger und sorgt dafür, dass wir nicht voreilig zum Billig-Werkzeug aus dem Baumarkt greifen, nur weil wir ein Loch bohren müssen.

Möglich machen das Leih- und Tausch-Webseiten und -Apps, bei Autos zum Beispiel Carsharing-Plattformen.

9. Weniger tierische Produkte essen

Massentierhaltung ist nicht nur ein ethisches, sondern auch ein Umweltproblem. Denn der meiste Soja in der Welt wird dort produziert, wo eigentlich Regenwälder wachsen müssten – aber nicht etwa für Sojaschnitzel, sondern für Tierfutter.

Zugleich gehört dieser Bereich zu den Dingen, die wir am leichtesten ändern können: Indem wir weniger tierische Produkte verzehren. Niemand muss Veganer werden – aber ein fleischloser Tag pro Woche wäre ein Schritt, den jeder schaffen kann.

10. Konsumenten haben die Macht

Was die Politik zum Beispiel auf Klimakonferenzen beschließt, das können wir kaum beeinflussen. Doch Geld regiert die Welt, und indem wir etwas kaufen, unterstützen wir das Anliegen des Produzenten. Der eine Hersteller will vor allem Umsatz machen und Aktionäre befriedigen, der andere eben nachhaltig handeln, die Umwelt schützen und seine Lieferanten und Mitarbeiter gerecht bezahlen.

Unsere Kaufentscheidung bestimmt, welches Unternehmen erfolgreicher ist. Und diese Entscheidungen haben wir täglich selbst in der Hand. Und so kann am Ende unser bewusster Konsum eben doch die Welt verändern.

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