Regional einkaufen: so geht’s!

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Regional einkaufen? Alles andere als einfach! Denn unter der regionalen Flagge bekommen bewusste Konsumenten nicht selten Mogelpackungen angedreht. Utopia erklärt, worauf es bei Regionalität ankommt – und wo man sie finden kann.

Die Entwicklungen am Lebensmittelmarkt sind widersprüchlich: Einerseits wollen Kunden regional einkaufen, suchen daher mehr regionale Produkte und Lebensmittel. Andererseits kaufen sie mehr denn je ihr Essen bei großen Supermarkt-Ketten und Discountern.

Doch die deutschlandweiten Vertriebsnetze von Supermärkten und Discountern vertragen sich schwer mit regionalem Konsum – trotz sichtbarer Bemühungen, es besser zu machen. Bei regionalen Produkten ist zuweilen viel weniger Region drin, als versprochen wird.

Regional einkaufen: Mogelpackungen verhindern es

Mehrfach deckten Verbraucherschützer auf, dass regional Einkaufen zuweilen Schwindelei ist:

  • Das Verbrauchermagazin Öko-Test hatte 2011  53 regionale Lebensmittel aus ganz Deutschland unter die Lupe genommen. Nur 14 wurden von den Testern als „echtes Regionalprodukt“ befunden.
  • Die Verbraucherzentrale kritisierte 2015 falsche Angaben bei der Herkunft und fand beispielsweise Wurst mit der Angabe „aus maximal 30 Kilometer Umkreis“, die aber in einem 130 Kilometer entfernten Fleischwerk hergestellt wurde. Besser als aus Brasilien, ja, aber das Problem bleibt, dass „regional“ einfach unsauber definiert ist.
  • 2016 waren bei Ökotest dann 26 von 106 Produkten regional. Geschwindelt wurde teils im kleinen, wenn etwa die Zutaten für Bratkartoffeln nur 79% oder für Kräuterquark nur zu 66% aus dem Norden stammen, obwohl das Produkt mit „Unser Norden – aus der Region für die Region“ wirbt. Doch ein ähnlich ausgeworbenes Produkt („Frühstücksplatte“) kam überhaupt nicht aus dem Norden – hier darf man schon von Verbrauchertäuschung sprechen.
  • 2018 wollte es auch das ZDF mal wissen und fand gerade bei industriell verarbeiteten Supermarktprodukten zum einen Zwiebeln aus den USA und Knoblauch aus China – in bayerischem Frischkäse, obwohl es diese Zutaten auch aus heimischem Anbau gegeben hätte. Und: Von 64 Herstellern, die sie nach der Herkunft ihrer Zutaten fragten, geben zwei Drittel keine Antwort.

Zwei besonders drastische Beispiele: Unter den Labeln „Unser Norden“ und „Das Beste aus Bayern“ wurden ausgerechnet Kaffee und Bananensaft als regionale Produkte im Supermarkt angeboten. Ist es mit dem Klimawandel etwa schon so weit, dass hierzulande solch exotische Pflanzen wachsen?

Was sind wirklich regionale Produkte?

Regional einkaufen ist schwer: Oft werden die Lebensmittel zwar in der Herkunftsregion der Rohstoffe verarbeitet, dann aber bundesweit vermarktet. Oder sie wurden tatsächlich regional hergestellt und angeboten – aber die Rohstoffe kamen nicht aus der Region.

Der Gesetzgeber macht es der Lebensmittelindustrie zu einfach, mit regionalen Lebensmitteln zu schwindeln, weil nicht gesetzlich geregelt ist, was Regionalität bei Produkten bedeutet. Auch das Konzept „Region“ hat keine eindeutigen Grenzen.

Dennoch gibt es drei Haupt-Kriterien, auf die sich echte regionale Produkte stützen können:

  • geographische Grenzen,
  • Anteil der regionalen Zutaten und
  • regionale Wertschöpfung.

Geographische Grenzen

In Umfragen und bereits existierenden Initiativen erwies sich ein Radius von ca. 50 Kilometern als sinnvolle und praktikable Eingrenzung für regionale Produkte. Es kommt aber nicht auf eine starre Umzäunung an, sondern auf die Sicherstellung kurzer Produktionswege. Wenn z.B. ein Produzent seine Rohstoffe fünf Kilometer entfernt, schon leicht außerhalb des Umkreises, beziehen kann, dann ist das sinnvoller als der Einkauf bei einem Lieferanten am anderen Ende der Region.

Anteil der regionalen Zutaten

Oft benötigt ein eigentlich regionales Produkt ein paar Zutaten, die nicht örtlich zu beziehen sind. Ist beispielsweise ein Gewürzkäse nicht regional, nur weil einige der Gewürze nicht aus dem Umland stammen? Bei anderen Produkten wie Bier sind es gerade die prozentual schwachen Zutaten, die den Charakter ausmachen. In Anlehnung an das Bio-Siegel wäre ein Prozentsatz von 95% regionalen Erzeugnissen wünschenswert.

Regionale Wertschöpfung

Dass der oben erwähnte Kaffee kein deutsches, regionales Produkt sein kann, sollte jedem einleuchten. Trotzdem versuchen Hersteller, damit zu argumentieren, dass die Ware beispielsweise in der Region verpackt oder zusammengestellt wurde. Ein wirklich regionales Produkt sollte hingegen von Anfang bis Ende regional sein, Regionalität betrifft den gesamten Wertschöpfungsprozess.

Regional kaufen: Super vs Markt

Regional einkaufen ohne Supermarkt

Wer die Umwelt durch kurze Transportwege schonen und die lokale Wirtschaft stärken möchte, sollte sein Geld am besten im Hofladen oder auf dem guten alten Markt ausgeben. Dort steht im Zweifel auch der Erzeuger selbst Rede und Antwort zu Anbaumethoden und Qualität. Biokisten oder Initiativen für Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) sind weitere interessante und absolut empfehlenswerte Alternativen.

Regional einkaufen im Supermarkt

Auch die regionalen Eigenmarken und Produkte regionaler Anbauverbände im qualitätsbewussten Einzelhandel (Rewe, Edeka, Tegut) sind zu empfehlen. Wer dort Obst und Gemüse aus der Region kauft, erhält üblicherweise das, was ihm die Verpackung verspricht. Die Verpackung selbst besteht allerdings häufig aus Plastik und das ist ein großes Manko regionaler Supermarkt-Produkte.

Aufpassen sollte man bei verarbeiteten Lebensmitteln mit mehreren Zutaten. Unterschiedliche Bestimmungen für den Anteil regionaler Zutaten erlauben es, Produkte als „regional“ anzubieten, deren Regionalität fragwürdig ist. Laut Trägerverein des Herkunftszeichens Regionalfenster, das Rewe, Edeka und Tegut seit 2014 als freiwilliges Siegel nutzen, muss die jeweilige Hauptzutat zwar zu 100 Prozent aus der Region kommen; wenn diese weniger als 51 Prozent am Produktgewicht ausmacht, müssen auch weitere Zutaten aus der Region stammen – aber nur bis insgesamt 51 Prozent erreicht sind.

Abzuraten ist von regionalen Marken in Discounter-Märkten wie Aldi und Lidl. Deren aggressive Preispolitik widerspricht der Idee einer nachhaltigen Regionalität.

Unökologisch regional einkaufen ist unökologisch einkaufen

Mit Regionalität allein ist aber noch nicht alles gewonnen: Auch regionale Ware kann Pestizide enthalten oder chemisch gedüngt worden sein. Kurze Transportwege und regionale Vermarktung stehen nicht automatisch für umweltfreundliche und gesunde Produkte.

Deswegen sollte man beim regionalen Einkaufen immer auch auf Bio achten – und umgekehrt bei Bio immer auch regionale Herkunft. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass beispielsweise hierzulande im Frühjahr keine Äpfel reifen. Unser Saisonkalender hilft, Produkte nicht nur regional, sondern auch saisonal zu kaufen.

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(23) Kommentare

  1. Da zeigt sich wieder, dass man „regional“ wirklich nur von seinem Erzeuger des Vertrauens direkt in der Nähe bekommt. Positive Beispiele sind aber auch regionale Produkte wie man sie ab und zu bei Rewe oder Edeka findet. Bei einem Rewe in meiner Nähe gibt es auch Eis von einem nahe gelegenen Bauernhof. Klar kann man da argumentieren, das die verwendete Vanille wahrscheinlich nicht aus der Nähe kommt, aber sollte man da wirklich so penibel sein? Ich denke solang der Hauptbestandteil „regional“ ist, sollte es sich auch „regional“ nennen dürfen. Toll finde ich auch, dass es erste Onlineshops gibt, die auf den „Regional-Zug“ aufspringen.

    Bei mir im Odenwald gibt es z.B einen Anbieter ( http://www.genussreich-odenwald.de/ ) der nur handgemachte Produkte von Odenwälder Erzeugern verkauft. Finde es sollte mehr solcher Shops geben, damit „regionale“-Produkte sich weiter verbreiten können. Aber wahrscheinlich führt das auch die Bezeichnung regional zuwider, wenn ich mir in Süddeutschland ein „regionales“ Produkt aus Hamburg bestelle.

  2. Wir haben und im letzten Jahr der solidarischen Landwirtschaft angeschlossen und bekommen jetzt jede Woche von unserem Demeter Bauern in der Nähe. Das ist super, das Gemüse frisch, saisonal und wir wissen vor allem, wie es angebaut wurde. Einfach klasse – kann ich nur empfehlen.

  3. Ich fahre mit dem Fahrrad 5 km zu meinem nächsten Biohof und zücke das Messer. Alles was da auf dem Acker steht ist regional. Wenn keiner da ist, wiege ich mir das Ganze selbst ab und packe das Geld in eine Holzkiste.

  4. Leider muss ich einem Punkt in der Bildgalerie „ein Wegweiser zu regionalen Lebensmitteln“ widersprechen. Unser Bioladen im Ort (ich wohne in Idstein) cheint überhaupt nicht auf Regionalität zu achten. Dort finde ich mehr Bioprodukte aus Übersee als in unserem Edeka, zum Beispiel Honig aus Mexiko. Das hat mich dann doch recht enttäuscht.

  5. Ich kaufe lieber ein echtes regionales Produkt aus dem konventionellen Anbau – im Hofladen – statt einem Bio-Produkt z.B. aus Israel oder Ägypten.

  6. Vielen Dank! So etwas wollte ich auch gerade schreiben. Ich mag es nicht, wenn Bio immer unreflektiert als „besser“ dargestellt wird. Auch im Bioanbau wird gedüngt und Pflanzenschutz betrieben. Teilweise muss sogar mehr „draufgekippt“ werden, weil die für Bioanbau zugelassenen Stoffe eben nicht so spezifisch wirken, wie die für konventionellen Anbau.

  7. ich achte sehr darauf, regional und wenn möglich, Bio zu kaufen…letztens ist es mir aber schwer gefallen…da waren die Blaubeeren regional, aber nicht bio – und gleich daneben Bio aber nicht regional…zum gleichen Preis..habe mich dann für Bio entschieden…aber mit einem unguten Gefühl. Wie würdet ihr euch entscheiden? PS: die Bio kamen aus Polen, also sind sie gar nicht so eine große Reise gefahren.

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