Rentner rettet Lebensmittel aus Supermarkt-Müll – und wird verurteilt

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Foto: CC0 Public Domain / Pixabay

Viele Supermärkte werfen tagtäglich Lebensmittel weg – die Produkte aus den Müllcontainern zu holen, ist jedoch verboten. Ein 76-jähriger Rentner hat es trotzdem getan und wurde nun wegen Diebstahls verurteilt.

Viele der Nahrungsmittel, die Supermärkte wegschmeißen, sind eigentlich noch genießbar – immer wieder holen Menschen die Lebensmittel daher aus den Containern. So auch ein 76-jähriger Rentner aus Köln: Er hatte vergangenes Jahr auf dem Gelände eines Real-Supermarkts Kaffee in Mülltonnen entdeckt und 35 Packungen im Wert von 200 Euro mitgenommen.

Ein Angestellter des Kaufhauses beobachtete ihn jedoch dabei und verständigte die Polizei. Anfang dieser Woche hat das Amtsgericht Köln den Rentner nun wegen Diebstahls verurteilt. Die Strafe: 300 Euro auf Bewährung.

Der Vorwurf: „besonders schwerer Diebstahl“

Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich wegen „besonders schweren Diebstahls“ geklagt, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger. Ein Diebstahl gelte als „besonders schwer“, wenn der Täter sich Zugang zu einem geschlossenen Raum verschafft. In der Anklage hieß es, der 76-jährige sei mithilfe einer Leiter über einen Metallzaun geklettert, um an die Container mit dem Kaffee zu gelangen.

Der Rentner erklärte vor Gericht hingegen, dass in dem Metallzaun bereits eine Lücke klaffte. Zwei Jugendliche hätten ihn vor Ort auf die gefüllten Container aufmerksam gemacht. Als er die Kaffeepackungen im Müll entdeckte, griff er zu. Da die Vakuumverpackungen schon durchstochen waren, hielt der Mann sie für Müll, zitiert der Kölner Stadt-Anzeiger die Verteidigerin.

Lebensmittelverschwendung in Deutschland

Der Kaffee war tatsächlich ausrangierte Ware – trotzdem aber noch Eigentum des Supermarkts, erklärte der Richter. Er verurteilte den Rentner letztendlich aber „nur“ wegen einfachen Diebstahls. Die 300 Euro auf Bewährung sind eine vergleichsweise milde Strafe. Der Rentner muss das Geld nur bezahlen, falls er nochmal straffällig wird.

Trotzdem ist das Urteil paradox: Lebensmittelverschwendung ist ein großes Problem in unserer Gesellschaft: Fast ein Drittel aller produzierten Lebensmittel landen in Deutschland im Müll. Die Nahrungsmittel werden aufwendig produziert, verpackt und transportiert – für nichts. Eigentlich sollte es im Sinne aller sein, wenn ausrangierte Lebensmittel verwertet werden. Stattdessen ist es eine Straftat, Nahrungsmittel aus dem Müll zu holen.

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(5) Kommentare

  1. Zitat: „Der Kaffee war tatsächlich ausrangierte Ware – trotzdem aber noch Eigentum des Supermarkts, erklärte der Richter. “
    Ist entsorgte Ware durch Auflösung des Vakuums (Stich) wirklich noch brauchbarer „Müll“ ?
    Wenn noch verwendbar, warum wurde die vermutlich im Ablaufen begriffene Ware ohne Beschädigung nicht zeitgerecht sozial verteilt ?
    Geiz ist doch geil – odr ?

  2. In welcher Welt lebt dieser Staatsanwalt eigentlich?
    Anstatt die Perversion anzuklagen, dass Lebensmittel im großen Stil vernichtet werden in diesem Land (wegen eines Stempels auf der Ware), hat dieser weltfremde, überbezahlte Staatsanwalt nichts anderes zu tun, als sich an einem Rentner zu vergreifen?

    Kann man eigentlich auch Leute wegen mangelndem, gesunden Menschenverstand verklagen oder fällt das unter den Einstein-Spruch:
    „Es gibt nur zwei Dinge, die unendlich sind: Das Universum und die menschlicihe Dummheit! Beim Universum bin ich mir allerdings nicht sicher!“

  3. Verurteilt hat ihn nicht der Staatsanwalt, verurteilt hat ihn der Richter.
    Und für die Rücknahme und Entsorgung von Lebensmitteln gibt es ganz klare Regelungen, über die sich Staatsanwaltschaft und Gericht nicht einfach hinwegsetzen können, egal ob diese Regelungen nun sinnvoll sind oder nicht. Schließlich ist die Justiz unabhängig (Stichwort: Gewaltenteilung) und hat diese Regeln nicht festgelegt.
    Die Justiz muß in der Bewertung zwischen moralische Verfehlung und strafrechtlich relevanten Verhalten unterscheiden. Und es ist nun mal so, daß nicht jede moralische Verfehlung eine Straftat ist und umgekehrt nicht jede Straftat eine moralische Verfehlung.

  4. Staatsanwälte klagen an und dann kommen ihre Anklagen vor Gericht.
    Du als angeblicher juristischer -was weiß ich, solltest das ja eigentlich wissen!
    NIrgends habe ich etwas von Verurteilung geschrieben!

    Lass es einfach mal sein, hier dauernd Leute zu maßregeln für ihre Kommentare, nachdem du diese noch nicht mal richtig gelesen oder verstanden hast oder beides!

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