Sammeln ARD & ZDF fragwürdige Spenden?

Foto: Unsplash; utopia.de/lw

Gespendet werden darf nicht nur an Weihnachten. Die Öffentlich-Rechtlichen rufen ihre Zuschauer ganzjährig dazu auf, für Katastrophenopfer oder Entwicklungshilfe in die Tasche zu greifen.

Mit der „Aktion Deutsch­land Hilft“, dem „Bündnis Entwick­lung Hilft“ sowie dem „Aktionsbündnis Katastrophenhilfe“ haben ARD & ZDF einflussreiche Organisationen geschaffen, in denen sich jeweils viele Hilfsorganisationen sammeln. Wer Geld auf das Konto eines der öffentlich-rechtlichen Spendenbündnisse überweist, darf davon ausgehen, dass es an eine dieser Hilfsorganisationen weitergereicht wird. Die es wiederum an Partner vor Ort ausschüttet.

Da sich ein Spender darauf verlassen muss, dass sein Geld auch an der richtigen Stelle ankommt, ist es besonders wichtig, dass alle Teile der Spendenkette transparent arbeiten.

Spenden: Eines von drei Bündnissen fällt durch

Doch wie zuverlässig sind die Stiftungen, Partner und Hilfswerke wirklich, mit denen die Bündnisse von ARD & ZDF zusammenarbeiten? Die Zeitschrift Finanztest hat in ihrer aktuellen Ausgabe untersucht, an welche Organisationen die Gelder fließen, die Fernsehzuschauer lockermachen.

Die Untersuchung ernüchtert. Nur zwei von drei Spendenbündnissen, die den Zuschauern angepriesen werden, erhalten eine klare Empfehlung: „Bündnis Entwicklung Hilft“ (ARD) sowie „Aktionsbündnis Katastrophenhilfe“ (ZDF).

Alle Mitglieder der beiden Bündnisse sind mit dem Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) ausgezeichnet, das streng überprüft, ob Spenden transparent und effizient vergeben werden.

Ausgerechnet beim dritten Bündnis, „Aktion Deutschland Hilft“, lassen laut Stiftung Warentest nur 4 von 13 Mitglieds-Organisationen vom DZI garantieren, wie sie mit erhaltenen Geldern umgehen. Zu den Hilfswerken, die kein entsprechendes Siegel haben, gehören so bekannte Namen wie der Arbeiter-Samariter-Bund, der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband oder der Malteser Hilfsdienst.

Allerdings hat sich Aktion Deutschland Hilft inzwischen gegen die Vorwürfe gewehrt – mit guten Argumenten.

Keine Spenden mehr für die ARD?

Ganz so dramatisch, wie sie Finanztest darstellt, ist die Lage allerdings nicht. Auch wenn die meisten Organisationen, die von „Aktion Deutschland Hilft“ vertreten werden, kein DZI-Siegel führen, so sind sie sich doch beispielsweise Mitglied des Deutschen Spendenrats e.V. – also keineswegs schwarze Schafe. Der Deutsche Spendenrat verlangt unter anderem, dass seine Mitglieder ihre Finanzen von zwei unabhängigen Wirtschaftsprüfern durchleuchten lassen.

Fazit: Spenden für die drei Bündnisse von ARD & ZDF sind nach wie vor unbedenklich. Die Wahrscheinlichkeit, dass Geld veruntreut wird, ist sehr gering. Generell ist es jedoch besser, direkt an einzelne Organisationen zu spenden, denen du vertraust, und mit denen du gute Erfahrungen gemacht hast. Das können natürlich auch Hilfswerke sein, die in den öffentlich-rechtlichen Bündnissen vertreten sind.

„Aktion Deutschland Hilft“ kritisiert Stiftung Warentest

„Die Berichterstattung im Finanztest ist äußerst lückenhaft, unvollständig und mithin tendenziös“, beklagte sich Manuela Roßbach, geschäftsführender Vorstand von „Aktion Deutschland Hilft“, in einer Mitteilung vom 21.11.2018.

„Den Lesern werden wichtige Informationen vorenthalten.“ So kritisiere der Beitrag im Finanztest die Anzahl der 27 hauptamtlichen Mitarbeiter, ohne jedoch die Zahl der bei den anderen Bündnissen tätigen Mitarbeiter zu nennen oder diese in Relation zur Größe der Organisationen zu setzen: Gemessen am Spendenvolumen sei „Aktion Deutschland Hilft“ mit knapp 43 Millionen eingenommenen Spenden im vergangenen Jahr das größte der drei Bündnisse in Deutschland.

Auch würde im Bericht bemängelt, dass lediglich rund ein Drittel Mitgliedsorganisationen über das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) verfügen. Die Stiftung erhebt das DZI-Siegel zum alleinigen Qualitätsmerkmal für Spendentransparenz. „Das ist schlichtweg falsch“, sagt Roßbach. „Unser Bündnis und unsere Mitgliedsorganisationen weisen auf zahlreiche andere Arten nach, was mit den Spenden geschieht.“

Der Finanztest-Redakteur lasse unerwähnt, dass „Aktion Deutschland Hilft“ ebenso wie viele der Organisationen im Bündnis vom Deutschen Spendenrat e.V. (DSR) zertifiziert ist. „Über die Verwendung jedes Euros geben wir außerdem seit Jahren detailliert Auskunft in unseren Geschäftsberichten, die wir selbstverständlich veröffentlichen“, erläutert Roßbach.

Schließlich verschweigt die Zeitschrift Finanztest den Lesern eine weitere wichtige Information: Der Redaktionsleiter für Geldanlage, Altersvorsorge, Kredite und Steuern der Stiftung Warentest, Stephan Kühnlenz, sei auch Mitglied im Stiftungsbeirat des Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen in Berlin – also eben jener Organisation, die das DZI-Siegel vergibt. Gerade im Licht der im Artikel geforderten Transparenz hätte die Zeitschrift auf diese Verbindung zumindest hinweisen können. „Die sehr einseitige Erhebung des DZI-Siegels als zentrales Kriterium für transparente Spendenbündnisse bekommt damit einen recht schalen Beigeschmack“, so Roßbach.

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(1) Kommentar

  1. Das wundert mich so gar nicht, dass der Arbeiter Samariter Bund, der Paritätische und die Malteser unter den schwarzen Schafen sind.
    Man braucht bloß mal reinzuschnuppern bei denen, da gibts Hackordnung, Mobbing und alles was dazu gehört. Und in den Verwaltungen jede Menge Gemütlichkeit und Ignoranz. Für die meisten ist das nur ein Arbeitsplatz und so verhalten sie sich auch.
    Wer mit idealistischen Vorstellungen ankommt und gerne was Gutes leisten will, der wird komisch angesehen und ist nicht gerne gesehen.
    Das mag von Ortsstelle zu Ortsstelle auch vereinzelt anders sein, aber es sind immer diese Leute, die sich gerne das Soziale auf die Fahnen schreiben und sich dann eigentlich nur um „ihren“ Platz sorgen, die nur an einer Karriere innerhalb einer Organisation interessiert sind. Es sind ganz eklige Strukturen und wer da erst mal Fuß gefasst hat, der ist da auch kaum mehr wegzubekommen.
    Sie kommen alle nicht sehr vertrauenswürdig rüber, und wenn man dann noch sieht, wie die „Chefs“ mit dicken Autos vom Hof fahren, dann weiß man ja, wem solche Organisationen zuallererst einmal dienen.

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