Nach Shitstorm aus der Milchlobby: Bayerischer Rundfunk entschuldigt sich für harmlosen Tipp

Foto: CC0 Public Domain / Pixabay und Screenshot Verband der Milcherzeuger in Bayern (VMB)

Der Radiosender Bayern 3 wollte seinen Follower:innen auf Facebook ein paar Tipps für nachhaltigeren Kaffee geben – zog damit allerdings einen inszenierten Shitstorm von Landwirt:innen auf sich. Bayern 3 löschte seinen Post daraufhin. In letzter Zeit versucht die Milchindustrie immer wieder, mit solchen Aktionen Kritik zu verhindern.

Bio-Kaffee kaufen, eigenen Becher statt To-go-Becher verwenden und Pflanzendrink statt Kuhmilch dazugeben: eigentlich drei harmlose Vorschläge, die Bayern 3 in einem Facebook-Post Mitte März machte. Die Milchlobby sah das jedoch anders – und fühlte sich wegen der Empfehlung zu Pflanzenmilch offenbar ungerecht behandelt.

Wie der „Verband der Milcherzeuger in Bayern“ (VMB) berichtet, hinterließen kurz nach der Sendung „nicht nur Milchbauern und Milchbauernkinder“ wütende Posts auf der Facebook-Seite von Bayern 3. Auch der „ein oder andere Anruf“ sei bei dem Sender eingegangen. „Die Verbraucher*innen können gerne trinken und essen, was ihnen schmeckt und beliebt“, heißt es beim VMB. „Aber nicht angeleitet oder verleitet von solchen plumpen Tipps.“

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Der Post von Bayern 3. (Screenshot Verband der Milcherzeuger in Bayern (VMB))

Bayern 3 entschuldigt sich für „stark verkürzte Darstellung“

Es sieht danach aus, als hätte einer der Milchindustrieverbände seine Mitglieder dazu aufgerufen, gegen den Sender zu protestieren. Der Shitstorm hatte Wirkung: Laut dem VMB löschte Bayern 3 seinen Post zu nachhaltigerem Kaffee nur wenige Stunden später.

Außerdem folgte eine Entschuldigung, von der der Verband einen Screenshot veröffentlichte. Darin heißt es: „Es war nicht unsere Absicht, die wertvolle Arbeit, die in der Landwirtschaft geleistet wird, zu kritisieren. Und wir wollten auch nicht dazu aufrufen, landwirtschaftliche Produkte zu boykottieren. Es tut uns leid, wenn das durch die stark verkürzte Darstellung auf dem Bildpost so rüberkam.“ Der Post mit den drei Empfehlungen zu nachhaltigerem Kaffee sei nicht der richtige Weg gewesen, sich mit dem „absolut wichtigen Thema ‚Nachhaltigkeit‘“ zu beschäftigen.

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Bayern 3 entschuldigt sich für den Post. (Screenshot Verband der Milcherzeuger in Bayern (VMB))

Die Milchlobby fühlt sich bestätigt

Der VMB wertete den Rückzieher von Bayern 3 als „großen Erfolg“ und Zeichen dafür, dass sich Protest lohne. Die Taktik, Shitstorms zu inszenieren, verfolgen Industrieverbände schon seit einiger Zeit: So erlebte beispielsweise ein Kinderbuchverlag ein Shitstorm wegen eines Buches, in dem Bio-Schweinezucht mit konventioneller Tierhaltung verglichen wird. Gegen einen Werbespot für vegane Schokolade von Süßwarenhersteller Katjes legten Bauernverbände sogar Beschwerde beim Deutschen Werberat ein.

Utopia meint: Im Fall von Bayern 3 ist die Protestaktion der Milchlobby besonders absurd. Der Radiosender rief weder zum generellen Boykott von Kuhmilch auf, noch übte er explizit Kritik an tierischer Milch. Dass Bayern 3 einen eigentlich sinnvollen Post zurückzog und sich sogar dafür entschuldigte, ist schwach – und wird die Milchindustrie dazu ermutigen, noch mehr solcher Shitstorms zu inszenieren. Dabei ist eine kritische Betrachtung von Milch, insbesondere aus industrieller Massenproduktion, absolut angebracht. Vergleicht man CO2-Emissionen, Wasser- und Landverbrauch und Tierleid bei der Produktion von tierischer und pflanzlicher Milch, schneiden Pflanzendrinks deutlich besser ab.

Ökobilanz Pflanzenmilch vs. Kuhmilch, CO2-Emissionen
Die Produktion von Pflanzenmilch verursacht deutlich weniger CO2-Emissionen.
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