Solmove Solarstraßen: neue Wege statt dreckiger Pfade

Foto © Solmove

Geht es nach dem Potsdamer Start-Up Solmove, dann liegt ein entscheidender Beitrag zur Energiewende (ausgerechnet!) auf unseren Straßen.

Während sich die einen auf technologischen Auslaufmodellen ausruhen und Wälder für eine Energiegewinnung opfern wollen, die allen Klimazielen widerspricht, versuchen andere umzudenken und tüfteln an einer Alternative, die uns mit nachhaltiger Energie versorgen soll – ganz ohne zusätzlichen Flächenbedarf.

Es sei noch nicht alles perfekt, aber man stehe ja auch am Anfang der Entwicklung, meinte Donald Müller-Judex. Mit seinem Unternehmen Solmove will er Strom erzeugen und zwar mit Solarzellen auf Straßen und Radwegen.

Wie die meisten guten Ideen, wurde auch Solmove aus der Not geboren. Erste Gedanken zur „Straße der Zukunft“ kamen dem gebürtiger Inninger, als er im Allgäu ein freies Dach als Fläche für eine Photovoltaikanlage suchte – und scheiterte: Auf jeder Scheune waren bereits Solarzellen installiert worden – man brauchte alternative Fläche, wollte man nicht unberührten Grund verbauen.

Solmove: „Eine normale Straße kostet Geld, eine Solarstraße verdient Geld.“

Aus Straßen Kraftwerke machen? Kein einfaches Unterfangen. Dennoch war Müller-Judex von Beginn an vom Gelingen überzeugt. Für ihn bergen Solarstraßen die Chance, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Solarstraßen könnten zur Ladestation für Elektroautos und -räder werden – im besten Fall kabellos durch Induktion. Noch futuristischer ist das Kleingedruckte, denn Solarstraßen sollen Lärm absorbieren, im Dunkeln den Weg leuchten, im Winter eisfrei bleiben und am besten durch Datennutzung z. B. Ampelanlagen effizienter steuern.

Hinzu kommt ein ökonomischer Aspekt: Nach Berechnung von Solmove erwirtschaftet eine Solarstraße mit einer Lebensdauer von 25 Jahren den Kommunen jährlich rund fünf bis acht Euro pro Quadratmeter (nach Abzug der Investitionskosten), während sich die Kosten für die Instandhaltung asphaltierter Straßen auf einen Euro pro Quadratmeter und Jahr belaufen.

„Mit einem Kilometer Landstraße könnte man etwa 150 Haushalte mit Strom versorgen.“

Betonmodule, Solarpanele und rutschfestes Sicherheitsglas. Der Aufbau des flexiblen Solarteppichs mag überraschend simpel klingen, da der Teufel jedoch im Detail steckt, sind an der Entwicklung und Verwirklichung unter anderem zwei Fraunhofer Institute, die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule sowie ein Spezialglashersteller aus dem Bayerischen Wald beteiligt.

Das meiste Kopfzerbrechen bereitete die sehr spezielle Oberfläche, denn diese müsse nicht nur leicht installierbar und absolut bruch- sowie rutschfest sein, sondern den größten Kritikpunkt des Unterfangens lösen: die nicht ideale Sonneneinstrahlung auf horizontale Flächen. Dass es jedoch genau darum geht – aus Sonne Strom gewinnen –, scheint den Kritikern ein unüberwindbares Paradox, vor allem da die Module vergleichsweise teuer sind.

Aus diesem Grund sei, laut Solmove, zwar nicht jede Straße gleichermaßen geeignet, dennoch könnten horizontale Solaranlagen pro Quadratmeter rund 100 kWh Strom jährlich produzieren. Ein Kilometer Solar-Landstraße könne so rund 150 Haushalte mit Strom versorgen. Ein erster Test, ein 70 Meter langer Solarradweg in den Niederlanden, übertraf sogar Erwartungen seiner Erfinder von SolaRoad und bescherte der Technologie weltweite Aufmerksamkeit.

Die Eröffnung steht bevor: Erster Solarradweg bei Köln

Kein Wunder, dass auch bei Solmove die Nachfrage nach dem Solarteppich riesig ist. Projekte in Berlin, Hannover und zu den olympischen Spielen 2022 in China sind geplant. Der erste Solarradweg Deutschlands, mit einer Fläche von etwa 240 Quadratmetern, soll im Oktober in Erftstadt bei Köln eröffnet werden.

Dass immer mehr Unternehmen, wie Solar Roadways in den USA, SolaRoad in den Niederlanden und Colas Wattway in Frankreich, daran arbeiten, Kraftwerke unter Straßen und Radwege zu installieren, ist für Müller-Judex ein Zeichen für das Potenzial der Technologie.

Trotzdem mögen geplante Solarradwege für den ein oder anderen Radfahrer angesichts der in vielen Städten noch immer katastrophalen Radwegsituation einen fahlen Beigeschmack haben. Die Frage, ob mit den Investitionen in Solarradwege nicht der zweite vor dem ersten Schritt gegangen wird, ob das Geld nicht sinnvoller in einem konsequenten Ausbau der Radinfrastruktur angelegt wäre, ist sicher nicht unberechtigt.

Doch vielleicht geht es bei dem Projekt um mehr. Vielleicht sind Solarstraßen auch das Signal, das viele Menschen angesichts eines zu oft noch rückgewandten Klimakurses (siehe Hambacher Forst) brauchen, um den Glauben an ein Gelingen der Klimawende nicht zu verlieren.

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