Stiftung Warentest Light-Lebensmittel: Manchmal gut, meistens schlecht

Light-Produkte Stiftung Warentest
Foto: © Stiftung Warentest

Weniger Zucker, weniger Fett, weniger Kalorien: Light-Produkte locken mit dem Versprechen für „unbeschwerten Genuss“. Stiftung Warentest hat sich 77 dieser Lebensmittel genauer angeschaut – und einige Schwachstellen entlarvt.

Luftige Schriftzüge und hellblaue Etiketten künden von Gesundheit und einer schlanken Figur: Rund 40 Prozent der Bundesbürger kaufen Umfragen zufolge Light-Produkte, schreibt Stiftung Warentest in ihrem aktuellen Test. Aber Lebensmittel, bei denen wahlweise Fett, Zucker, Kohlenhydrate oder Kalorien reduziert sind, enthalten oft Zusatzstoffe oder gleichen auf andere Weise aus, was fehlt.

Die Tester kauften 77 Light-Lebensmittel aus verschiedenen Kategorien ein und prüften die Deklaration von nährwertbezogenen Angaben. Dann verglichen sie die angegebenen Nährstoffe mit denen herkömmlicher Produkte – verkostet und im Labor analysiert wurde allerdings nicht. Auf der Website von Stiftung Warentest kannst du den vollständigen Test lesen.

Light-Produkte bei Stiftung Warentest: Meist ein schlechter Deal

Stiftung Warentest kritisiert, dass Etikette auf Light-Produkten teils verwirrend sind: Manchmal ist für Verbraucher*innen nur schwer zu erkennen, worauf sich eine Angabe wie „41 Prozent weniger Fett“ bezieht. Im Vergleich wozu? Und wie viel Fett enthält der Käse nun tatsächlich?

Abgesehen davon lautet die wichtigste Erkenntnis: Light-Produkte halten in gewisser Weise, was sie versprechen. Denn sie enthalten tatsächlich weniger Fett oder Zucker und helfen dabei, Kalorien einzusparen. Das große Aber dabei: An anderer Stelle kommen oft ungünstige Nähr- und Zusatzstoffe hinzu, was im Schnitt meist ein schlechter Deal ist.

Wann Light-Lebensmittel keine gute Wahl sind

Die Warentester haben unter anderem Milchprodukte, Wurst, Müsli und Ketchup in den Einkaufskorb gepackt, darunter viele bekannte Marken.

Besondere Vorsicht ist laut Stiftung Warentest unter anderem bei diesen Light-Versionen von Lebensmitteln geboten:

  • Joghurts und Milchdrinks: Sie mögen zwar so gut wie kein Fett enthalten, dafür steckt etwa genauso viel Zucker drin wie in herkömmlichen Produkten – bis zu 14 Gramm pro 100 Gramm. Darin sieht Stiftung Warentest das „eigentliche Übel“ dieser Produkte.
  • Salatdressings: In zwei von vier getesteten Dressings wurde fehlendes Fett mit mehr Zucker kompensiert, dazu war in allen weniger des wertvollen Rapsöls enthalten.
  • Sauerrahm: „Crème légère“ ist zwar wesentlich fett- und kalorienärmer als „Crème fraîche“, die Konsistenz bekommt sie aber nur Dank Zusatzstoffen wie modifizierter Stärke oder Gelatine.
  • Cremes zum Kochen: Der Schlagsahne-Ersatz enthält zwar deutlich weniger Fett, aber das hat einen hohen Preis: bis zu 15 Prozent Palmöl (das nicht nur viele gesättigte Fettsäuren enthält, sondern auch für die Umwelt problematisch ist), dazu Stabilisatoren, Farb- und Aromastoffe.
  • Konfitüren und Ketchup: Hier wird der zugesetzte Zucker in der Regel durch Süßstoffe ersetzt.
Light-Produkte Stiftung Warentest Joghurt
Light ist nicht immer leicht: Fettreduzierter Joghurt hat genauso viel Zucker wie herkömmlicher. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - StockSnap)

Wann Light-Lebensmittel sich lohnen können

Laut Stiftung Warentest gibt es aber auch ein paar Fälle, in denen Zucker und Fett reduziert wird, ohne dass Verbraucher*innen dafür etwas Schlechtes bekommen. Bei folgenden Lebensmitteln kann sich demnach die Light-Variante lohnen:

  • Müsli: Die Tester haben festgestellt, dass bei Müsli mit weniger Zucker stattdessen Mandeln statt Krokant, weniger Schokolade oder mehr Vollkornhaferflocken drinstecken – und damit wertvolle Ballaststoffe und komplexe Kohlenhydrate. Weniger Kalorien hat das Müsli dadurch allerdings kaum.
  • Frikadellen, Salami, Schnitt- und Weichkäse (teils auch Frischkäse) und Halbfettmargarine: Hier werden nach Angaben von Stiftung Warentest tatsächlich Fett und Kalorien eingespart, ohne dass mit anderen Zusätzen gearbeitet wird – das gelingt etwa durch magereres Fleisch, mehr Wasser oder fettärmere Milch.

Wichtig: Nährwerte vergleichen und vor allem frisch kochen

Stiftung Warentest rät grundsätzlich dazu, von Natur aus Zucker- und Fettarmes wie frisches Gemüse, Joghurt pur, Magerquark oder Schicken zu bevorzugen und Nährwerttabellen und Zutatenlisten zu checken. Diese Empfehlung ist nicht neu: Auch die Verbraucherzentrale Bayern etwa betont, man solle die Angaben stets genau lesen und mit herkömmlichen Produkten vergleichen. (Lies auch: Diese 6 Lebensmittel sind am schlimmsten fürs Klima)

Was die Tester nicht berücksichtigten: Die meisten der untersuchten Lebensmittel sind sowohl in der herkömmlichen Variante als auch in der Light-Version problematisch. Fleisch- und Milchprodukte haben eine schlechte Klimabilanz und sollten nur in Maßen verzehrt werden. (Halb-)fertige Lebensmittel verursachen außerdem jede Menge Verpackungsmüll. (Lies auch: Verpackung vermeiden im Supermarkt: 15 Tipps)

Die meisten Artikel aus der Liste sind sowieso keine gute Idee

Hinzukommt, dass Stiftung Warentest so gut wie keine Bio-Produkte getestet hat – dafür jede Menge Billig-Fleisch und -wurst vom Discounter und andere Lebensmittel aus konventioneller Produktion. Gerade bei tierischen Produkten ist es jedoch besonders wichtig, Bio zu kaufen. Schon allein aus diesem Grund sind die meisten Artikel aus der Liste keine gute Idee. (Mehr dazu: Tierqual für Fleisch und Milch – was kann ich tun?)

Durch die Auswahl der Produktgruppen sollte klar sein, dass Light-Lebensmittel nicht unbedingt dazu führen, dass wir uns gesünder ernähren. Das lobenswerte Ziel, weniger Fett und Zucker zu konsumieren, um Übergewicht (und seinen möglichen Folgeerkrankungen) vorzubeugen oder es loszuwerden, lässt sich auch anders erreichen: mit genügend Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung.

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