„Unlogisch“: Laschet gibt Vollgas gegen das Tempolimit – doch seine Argumente machen keinen Sinn

Autobahn: Elektoauto aufladen
Foto: CCO Public Domain / Pixabay / bpeter

Ein Tempolimit? In Deutschland? Das findet Armin Laschet unlogisch. Der Kanzlerkandidat der Union fürchtet, das Verbot würde auch Elektroautos betreffen – und die sind doch ohnehin nachhaltig. Dabei gibt es gute Gründe für eine umfassende Geschwindigkeitsbegrenzung.

Egal wie hoch das Risiko und egal, was es kostet – die Deutschen sind vernarrt in schnelles Fahren. Auf gerader Strecke senkt sich der Fuß auf das Gaspedal, das Herz beginnt heftig zu klopfen, die Hände werden nass. Ekstase.

Aber: „Wer die Autobahnen sicherer und den Verkehr fließender machen will, kommt am Tempolimit nicht vorbei.“ So argumentieren Parteien wie die Grünen schon seit Jahren. Inzwischen sind sogar die Mehrheit der Mitglieder des ADAC für eine Geschwindigkeitsbegrenzung.

Ganz anders Armin Laschet (CDU). Der Parteivorsitzende der CDU erklärte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Warum soll ein Elektro-Fahrzeug, das keine CO2-Emissionen verursacht, nicht schneller als 130 fahren dürfen? Das ist unlogisch.“ Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen führte auch an, dass auf den deutschen Autobahnen die durchschnittliche Geschwindigkeit bei Tempo 117 liege. „Zentral ist es, die Technologien zu verbessern, anstatt unsinnige Debatten wie die über ein pauschales Tempolimit zu führen.“

Seit Jahren wird zu einem Tempolimit auf deutschen Autobahnen diskutiert, nun bringt Laschet die Frage wieder auf den Tisch: Brauchen wir ein Geschwindigkeitslimit? Oder wollen da nur irgendwelche „Bremser“ anderen was wegnehmen?

Nein, darum geht es nicht. Denn die Befürworter:innen haben verdammt gute – und logische – Gründe.

Was uns das „Recht des Schnelleren“ kostet

Manche tun ja so, als wäre das Autofahren in Deutschland ohnehin schon stark reguliert. Das Gegenteil ist der Fall: Auf ganzen 70 Prozent der Autobahnen gibt es gar kein Tempolimit (Zahlen von 2015). Anders gesagt: Hier gilt noch das Gesetz des Dschungels. Porsche, Audi und Ferrari befinden sich an der Spitze der Nahrungskette, Toyota, Mitsubishi und Co. weiter unten. Auf langen graden Strecken erwachen in Jaguar und Co. die Urinstinkte. Sie jagen die Straßen entlang. Und wer im Weg steht, den können nur ein waches Auge und schnelle Reflexe retten.

Deutschland ist übrigens das einzige Land Europas – und die einzige Industrienation der Welt – das noch sinnloses Rasen ermöglicht. In Europa hat jeder Staat eine eigene Geschwindigkeitsgrenze definiert: In Polen liegt das Tempolimit bei 140, in Norwegen bei 100 km/h.

Komplett sinnlos, findet Armin Laschet. Denn: Unter den gezügelten Karossen befinden sich ja auch solche, die gar keine klimaschädlichen Gase ausstoßen, sondern elektrisch fahren. Wieso sollte man diesen das Rasen verbieten?

Weil auch ein rasendes E-Auto gefährlich ist. Und die Raserei auf Autobahnen kostet jährlich viele Leben: 2019 wurden 32.272 Menschen verletzt, 356 kamen ums Leben. Und einige dieser Unfälle entstanden dadurch, dass jemand nicht Tempo 117 einhielt – weil das eben nur ein Durchschnittswert ist. Was für einen Unterschied eine Geschwindigkeitsbegrenzung machen kann, zeigt das Beispiel der Autobahn A24. Hier gilt seit Dezember 2002 zwischen dem Autobahndreiecken Havelland und Wittstock/Dosse ein Tempolimit. Bereits im Jahr 2007 hatte sich die Zahl der Unfälle halbiert.

Dazu kommt: Auch in Ländern mit Tempolimit kommt man von A nach B. Mit Tempolimit aber besser: Weniger zu rasen kann Unfälle vermeiden und führt zu weniger Stau – eigentlich logisch.

Wäre ein Tempolimit gut fürs Klima?

Ein Elektroauto hat keinen Auspuff, der klimaschädliche Abgase in der Umwelt verteilt. Aber auch E-Autos brauchen Energie, um zu fahren. Und der muss irgendwo herkommen: In Deutschland stammt er zu 59 Prozent aus konventionellen Quellen wie Kohlekraftwerken (29 Prozent) oder unökologischen Atomstrom (12 Prozent). Und je schneller ein elektrisches Auto fährt, desto mehr Strom verbraucht es.

Klar: Bei Elektoautos ist der Effekt auf die Umwelt kleiner als bei Verbrennern. Doch das Tempolimit deshalb als unlogisch abzutun, entbehrt jeder Logik, wenn man bedenkt: Nur 1,2 Prozent der zugelassenen Fahrzeuge in Deutschland fahren rein elektrisch.

Würden die übrigen 98,8 Prozent der Fahrzeuge dazu angehalten, von Raserei abzusehen, hätte das einen gewaltigen Effekt auf das Klima. Studien belegen, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung bei 130 km/h die CO2-Emissionen des jährlichen Auto-Verkehrs in Deutschland um 1,9 Millionen Tonnen senken würde. Zum Vergleich: Auf einem Flug zwischen München und Berlin entstehen nur etwa 0,143 Tonnen CO2. (Rechner: MyClimate) Und was müsste man für weniger CO2-Ausstoß auf Straßen tun? Keine Steuern erheben, keine neue Technologie entwickeln, sondern lediglich Schilder aufstellen. Scheint ein logischer Vorschlag…

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