Das Zero-Waste-Baby: 6 einfache Tipps

Baby krabbelt / Tipps Eltern
Foto "9 mes_132" von Valentina Yachichurova unter CC BY-SA 2.0

Ein Kind verändert das Leben der Eltern komplett. Kaum ist das Baby da, stehen sie vor vielen neuen Entscheidungen: Sind Stoffwindeln besser als normale? Was muss man bei der Babykleidung beachten? Wo findet man besseres Kinderspielzeug? Wir haben uns Tipps von einer zweifachen Mama geholt, die sich im „grünen Kinderzimmer“ bestens auskennt.

1. Die Babyhaut: bitte nicht überpflegen

Weniger ist mehr und das besonders bei der Babyhautpflege, erklärt Tabea Börner. Die 30-Jährige ist nicht erst seit der Geburt ihrer zwei kleinen Kinder auf eine nachhaltige und umweltbewusste Lebensweise bedacht. Sie rät dazu, die Körperpflege der Kinder aufs Geringste zu reduzieren: Oliven- oder Kokosöl reicht aus, um die zarte Babyhaut zu versorgen. „Dazu braucht man keine in Plastik abgefüllten Lotions mit Duftstoffen.“

Feuchttücher stellt sie aus Stoffresten, alten Bettlaken und Handtüchern selbst her. Eingetunkt in Kokosöl reinigen sie den Babypo – und werden gleichzeitig upgecycelt. Ein weiteres Plus: Die selbst gemachten Feuchttücher sind waschbar und somit wiederverwendbar.

Feuchttücher selbst machen
Selbst gemachte Feuchttücher (Foto "Make your own wipes: Baby wipes, make-up removing wipes, and cleaning wipes" von Abi Porter unter CC BY 2.0)

Nicht nur Feuchttücher kann man kostengünstig und umweltfreundlich selbst herstellen. Aus Seife und Waschsoda lässt sich beispielsweise Waschmittel selber machen.

Finde in einem anderen Utopia-Artikel noch viele weitere Alltagsdinge, die du ganz einfach selber machen kannst.

2. Stoffwindeln statt Müllberg

Kinder verbrauchen im Schnitt 5.000 Windeln, bis sie aufs Töpfchen gehen. Dabei entsteht eine enorme Menge Müll – waschbare Stoffwindeln sind eine Möglichkeit dem entgegenzuwirken. Diese machen zwar deutlich mehr Arbeit, inzwischen gibt es aber verschiedene Stoffwindel-Systeme, die es vereinfachen, sein Baby „ökologisch“ zu wickeln.

Tabea hat sehr gute Erfahrungen mit All-In-One-Windeln mit Bambus-Saugkern gemacht (zum Beispiel von TotsBots, erhältlich bei** GreenAvenue oder Amazon). Ein eingelegtes dünnes Windelflies nimmt den groben Dreck auf, alles andere wandert komplett in die Waschmaschine. An der Außenhülle der Windel sind Druckknöpfe angebracht – wächst das Kind, kann man auch die Größe der Windel anpassen. Die Windeln sind somit von Geburt bis Ende der Wickelzeit nutzbar. „Außerdem sehen sie cool aus, wir wurden oft darauf von anderen Eltern angesprochen“, berichtet die zweifache Mama.

Tabea empfiehlt einen Vorrat von ungefähr 20 Stoffwindeln. Bei einem Verbrauch von fünf bis sechs Windeln am Tag reiche diese Menge aus, um nicht die ganze Zeit waschen zu müssen.

Liste: Die besten Öko-Windeln

3. Babynahrung: Kürbis im Herbst

„Stillen ist natürlich No-Waste pur“, sagt Tabea lachend. Später füttern Eltern ihre Kinder oft mit Babybrei aus dem Supermarktregal. Brei als Babynahrung kann man aber auch ganz einfach und kostengünstig aus ungewürztem Gemüse selbst herstellen. „Am besten andünsten statt kochen, dann halten die Vitamine besser.“

Saisonal schmeckt natürlich auch den Kindern gut: Im Herbst gibt es zum Beispiel grob gestampften Kürbis (Utopia Saisonkalender).

Möhre Kürbis in Eiswürfelschale
Einfrieren und bei Bedarf auftauen: gestampfter Kürbis und Karotten. (Foto "Flavors of the Day: Carrot & Pumpkin" von Jan unter CC BY 2.0)

Beim zweiten Kind setzten Tabea und ihr Mann auf das sogenannte Baby-Led-Weaning (BLW), die Baby-geführte Entwöhnung von der Milchernährung. Bei dieser Methode fängt das Kind an zu essen, wann es will. Statt das Baby per Hand mit Brei zu füttern, bieten die Eltern dem Kind feste Nahrung wie kleine Gemüsestückchen an. Das Kind greift selbstständig zu und entdeckt und erforscht auf diese Weise sein Essen.

4. Kinderspielzeug: weniger ist mehr

Babys erkunden ihre Welt mit allen Sinnen. Jeden Tag lernen sie neue Formen, Farben, Gerüche und Geräusche kennen. Ein vollgestopftes Kinderzimmer mit dem neuesten Kinderspielzeug überfordert eher, als dass es die Sinne anregt. „Aus Stöcken und Steinen, welche die Kinder unterwegs finden, bauen die Kleinen ihre eigene Welt“, stimmt Tabea zu.

Ansonsten ist naturbelassenes Kinderspielzeug auf jeden Fall die richtige Wahl. Das können Bauklötze aus Holz und Kuscheltiere aus Bio-Baumwolle sein. Auf jeden Fall gilt: Kinderspielzeug, das komisch und nach Chemie riecht, gehört nicht in die Nähe oder an den Körper eines Kindes. Für Erwachsene gilt übrigens das Gleiche.

5. Babykleidung: zweite Hand ist die bessere Wahl

Draußen ist es kalt, im Geschäft schwitzt man – dieses Problem haben nicht nur Erwachsene. Was also den Kindern anziehen? Bei Babykleidung ist Tabea begeistert von den natürlichen Eigenschaften der Schurwolle: Sie trocknet schnell, ist atmungsaktiv und Flecken kann man leicht aus ihr entfernen. „Im Sommer kühlt sie die Kinder und im Winter wärmt sie, einfach perfekt!“ Mittlerweile sammelt Tabea Schurwolle-Kleidung aus zweiter Hand und näht sie für die Kinder um. In kleiner Auflage verkauft sie Hosen und Pullis unter ihrem Label Forschur.

Naturtextilien aus Bio-Hanf oder Bio-Baumwolle schützen die zarte Babyhaut ebenfalls. Das Material eignet sich daher sehr gut für Babykleidung (gibt es zum Beispiel bei Bio4Baby oder Babylotta**).

Lila Baby Hose von hinten / Tipps Eltern
Fair und nachhaltig produzierte Kinderkleidung: Hose aus Bio-Schurwolle (© Forschur)

Upcycling und Second Hand lohnt sich in jedem Fall bei Babykleidung, denn die Ausgaben dafür können ganz schön ins Geld gehen. Wer mehrere Kinder hat, kann die getragene Kleidung an die jeweils jüngeren weitergeben oder im Freundeskreis herumreichen.

6. Unterwegs mit Baby: bloß keine Quetschies

Damit Babys und Kleinkinder unterwegs gut versorgt sind, gehört eine Trinkflasche und gesunde Snacks mit in die Tasche. Frei von BPA, hormonaktiven Substanzen und Plastik sollte die Flasche im Idealfall sein. Die Trinkflasche von Pura Kiki (online erhältlich z. B. bei** Avocado Store, Amazon) beispielsweise erfüllt diese Kriterien und wächst mit – dank der auswechselbaren Aufsätze vom Baby bis zum Teenager.

In puncto Snacks fallen Obstbreis in Tüten, die sogenannten Quetschies, negativ auf. Quetschies enthalten nicht nur zu viel Zucker, sondern machen auch eine Menge Müll. Klein geschnittene Äpfel oder Brothappen mit Honig (frühestens ab dem ersten Lebensjahr) und Kokosöl sind eine gute Alternative zu Fruchtriegeln und Quetschies.

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(15) Kommentare

  1. Stoffwindeln werden perfekt von Windelfrei ergänzt – das Baby einfach „abhalten“, zB über ein Töpfchen oder die Toilette, wenn es mal muss.

    Das große Geschäft wird ja von vielen erkannt. Und wenn das in der Toilette statt in der Windel landet, muss auch weniger gewaschen werden. Auch Windelflies wird keines benötigt.

    Und mit Windelfrei spart man sich und der Umwelt auch die Feuchttücher: Über Toilette fürs Geschäft halten, unterm Wasserhahn sauber machen (ist fast nicht mehr nötig), abtrocknen, fertig. Und in der Natur reicht zB ein Stofftaschentuch und Wasser aus der Flasche oder etwas „Muttispucke“ 😉

    Mehr Infos zB hier: http://www.bewusste-elternschaft.eu oder http://www.Windelfrei.de

  2. Man kann sein (Stoff-) Windelverbrauch noch einmal stark reduzieren, in dem man windelfrei/ Ausscheidungskommunikation macht. Auch sehr schön bei Windelwissen beschrieben 🙂

  3. Wer doch gerne Quetschies mag (liegen bei vielen Kids ja hoch im Kurs) kann sie sich auch selbst befüllen: wiederverwendbar von fill ’n squeeze. Und um ein Spielzeugsammelsurium zu umgehen lohnt sich vielleicht der Blick auf meinespielzeugkiste.de, die testen wir auch gerade aus.

  4. Ein sehr interessanter Artikel, der es auf den Punkt bringt! Um die WWW kamen wir mit unseren Mädels am Ende doch nicht drumrum. Irgendwie waren sie für uns wahnsinnig praktisch…und wir fingen vor 2 Jahren an, an einer biologisch abbaubaren Wegwerfwindel zu tüfteln. Für uns und alle Familien, die Stoff nicht nutzen können oder wollen bzw. ein Backup suchen: http://www.fairwindel.de

  5. Das gefällt mir.
    Ich liege ja etwas über dem Alter der Zielgruppe, aber vielleicht müßt Ihr gleich noch die Senioren als Zielgruppe mit durchdenken. 😉
    Viel Erfolg!

  6. Meine vier Kinder sind jetzt alle aus dem Windelalter raus, ich verschenke meine Stoffwindeln (verschiedene Systeme, Kletthöschen mit Einlage, italienische Bindewindel, Gummihöschen, etc.). Wir wohnen in der Nähe von Dortmund, bei Interesse einfach mal melden unter [E-MAIL-ADRESSE GELÖSCHT ZUM SCHUTZ DES NUTZERS].

  7. Hi zusammen,

    ich habe zum Thema Stoffwindeln vs. Einwegwindeln auch noch mal einen interessanten Beitrag gefunden: https://goonbaby.de/nachrichten/der-vergleich-stoffwindeln-vs-wegwerfwindeln-goonbaby-de/

    Hier wird auch der Punkt „Waschen und Reinigen“ von Stoffwindeln noch einmal thematisiert, den man häufig nicht so wirklich beachtet. Auch hier sorgt man nicht unbedingt für eine „Schonung der Umwelt“. Ich habe bei meiner Maus am Anfang auf Einwegwindeln gesetzt, wollte die „Umweltfreundlichere Variante“ dann auch mal ausprobiern und musste für uns persönlich feststellen, es muss wirklich viel gewaschen werden (Wasser und Waschmittelverbrauch), gerade unterwegs ist es sehr unpraktisch, wenn die dreckige Stoffwindeln mit nach Hause genommen und nicht einfach entsorgt werden kann, und auch das Reinigen der Windeln ist nicht unbedingt das Highlight. Wir sind deshalb wieder bei den Einwegwindeln und damit sehr zufrieden.

  8. Das stimmt. Man muss die Stoffwindeln natürlich waschen und wäscht dadurch öfter als wenn man www benutzt. Allerdings ist der Wasserverbrauch trotzdem geringen als der von www, weil viel Wasser gebraucht wird um die www zu produzieren.

  9. sinnvolle Tipps, ich kann nur zustimmen. Zu den Stoffwindeln: Wie hast Deine All-in-One-Windeln denn getrocknet?
    Jetzt im Winter bemerke ich, wie wichtig es ist, dass Stoffwindeln gut und schnell trocknen. Denn einen Trockner zu benutzen führt den ganzen Umweltgedanken ja ad absurdum. Wir haben nur einen kalten Trockenraum und nur selten „Wäschetrockenwetter“ draußen. Für diese Situation sind All-In-One-Windeln ja nicht gut geeignet, aufgrund der Dicke trocknen sie sehr sehr langsam. Am Besten funktionieren gerade die klassischen Bindewindeln mit Mullwindel-Einlage. Alles lässt sich minimal dünn auseinanderfalten und trocknet im Vergleich turboschnell.

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