Unverpackt-Laden trollt Werbung von Netto – und wird im Netz gefeiert

Foto: Screenshot Facebook / Füllbar - verpackungsfrei einkaufen

„Spar nicht beim Friseur / beim Optiker“ und zig andere Varianten liest man auf quietschgelben Werbeplakaten von Netto – mit der Aufforderung, lieber beim Discounter zu sparen. Jetzt hat ein Unverpackt-Laden die Kampagne für sich gekapert.

Es dürfte kaum jemanden geben, dem die Werbebanner noch nicht aufgefallen sind: Eine Frau mit völlig verhunztem Haarschnitt, ein Mann mit hässlicher Brille auf der Nase, ein frisch Tätowierter mit einem krakeligen, dicken Tiger auf dem Oberarm. Die Message: „Spar nicht bei XY. Spar bei Netto!“

Wer möglichst nachhaltig und bewusst einkauft, kann darüber nur müde lächeln. Besonders, weil auf dem Bild, repräsentativ für die „über 5.000 Artikel zu Discountpreisen“ Dinge wie Mineralwasser, Öl, Nudeln und Käse in Plastikverpackungen gezeigt werden. Die sind mit Sicherheit billig, aber umweltfreundlich wohl kaum.

„Spar nicht beim Discounter. Spar bei der Verpackung!“

Nun hat sich ein Unverpackt-Laden die Popularität der Kampagne zunutze gemacht – und hält mit seiner eigenen Version dagegen. Auf dem Plakat der „Füllbar“ in Witten ist auf der linken Seite eine fast identische Produktauswahl zu sehen wie bei Netto. Auf der rechten Bildhälfte dagegen eine Auswahl an plastikfreien Alternativen: Lebensmittel sind in Glasbehälter gefüllt, Tomaten kullern aus einem Stoffbeutel.

Ihre Botschaft lautet: „Spar nicht beim Discounter. Spar bei der Verpackung!“ Wer verpackungsfrei einkaufen will, solle lieber zur Füllbar gehen. In den sozialen Netzwerken sorgt die Werbung für viel Zuspruch: „Super Konter!“ und „Genau nach meinem Geschmack“ lauten Kommentare bei Facebook und Instagram.

Fuellbar Unverpackt verpackungsfreier Supermarkt Werbung Netto
Die Werbebotschaft des Unverpackt-Ladens ist eindeutig. (Foto: Screenshot Facebook / Füllbar - verpackungsfrei einkaufen)

Das Kaufargument beschränkt sich auf den billigen Preis

Mit der Original-Werbung erregt Netto zwar Aufmerksamkeit. Sein Slogan könnte aber tatsächlich den Puls der Zeit verfehlen: Gerade erst hat das „Handelsblatt“ berichtet, dass die Discounter in Deutschland dieses Jahr um 1,9 Prozent wachsen. Die selbstständigen Kaufleute bei Rewe dagegen haben 2018 um 9,1 Prozent zugelegt. Alleine der billige Preis reicht oftmals nicht mehr aus, um Kunden anzulocken – genau darauf beschränkt sich aber das Kaufargument von Netto in der aktuellen Kampagne.

Wie andere Discounter hat Netto zwar auch in Sachen Nachhaltigkeit Fortschritte gemacht: Unter anderem zeugen das Bio-, Fair-Trade- und Mehrweg-Sortiment, der Vertrieb vieler regionaler Produkte oder Verkaufsaktionen mit krummem Gemüse gegen Lebensmittelverschwendung von den Bemühungen des Edeka-Tochterunternehmens.

Die bessere Wahl: verpackungsfreie Supermärkte

Dass es auf seiner Website schreibt: „Nachhaltig einkaufen? Dann geh doch zu Netto“ mutet jedoch paradox an, wenn sich Nettos Werbebotschaft zugleich nur um Schleuderpreise dreht. Jeder Discounter und jeder Supermarkt hat neben einigen besseren Produkten auch eine ganze Reihe an Artikeln im Angebot, die nicht nachhaltig sind – allein schon wegen ihrer Plastikverpackung.

Die beste Methode, um etwas dagegen zu tun, ist deshalb der Einkauf auf Wochenmärkten, in „Unverpackt-Läden“ oder verpackungsfreien Supermärkten. Eine Karte und vollständige Liste mit allen uns derzeit bekannten Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz findest du hier: Verpackungsfreier Supermarkt: einkaufen ohne Verpackung

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(2) Kommentare

  1. Billig einkaufen zu welchem Preis?
    Ich möchte nichts essen, was in Plastik verpackt wurde und das Problem Müll möchte ich auch nicht an die Umwelt abschieben.
    What goes around, comes around.

  2. Für den Fall, dass irgendjemand sich bei dem Haufen Werbung noch die Kommentare anguckt – Utopia ist schon lange nicht mehr, was es mal war! – auch die Unverpacktläden produzieren Müll!

    Nudeln zB werden meist in 5kg Gastrogebinden aus Kunststoff geliefert – Hygieneverordnung der EU. Auch die Müslis etc. kommen nicht unverpackt in die Läden.

    Die Müllproblematik wird damit m.E. wohl eher verlagert (aus den Augen, aus dem Sinn), aber nicht wirklich gelöst.

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