Vegane Handtaschen: Bedenklich für Umwelt und Gesundheit

Foto: © boing / photocase.com

Öko-Test fand in veganen Handtaschen aus Kunstleder Schadstoffe wie PAK, Schwermetalle und Weichmacher. Das ist nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Gesundheit äußerst bedenklich.

Gegen Handtaschen aus echtem Leder gibt es gute Argumente: Es werden dafür Tiere getötet, die Arbeitsumstände, unter denen Menschen in der Lederproduktion schuften, sind oft unwürdig. Man kennt die Bilder von Arbeitern, die in Gerbereien in Bangladesch Tag für Tag mit ätzenden Substanzen zu tun haben. Auch für die Umwelt kann die Ledergewinnung problematisch sein: die chemische Brühe aus den Gerbereien in Asien läuft oft ungefiltert in die dortigen Gewässer.

Vegane Handtaschen aus Kunstleder liegen im Trend

Bei vielen Veganern hört die Lebensweise nicht bei der Ernährung auf – sie achten auch darauf, keine Materialien tierischen Ursprungs zu tragen. Hier sind vegane Taschen natürlich ein großer Verkaufsschlager. Aber auch bei Nicht-Veganern liegen Kunstleder-Handtaschen im Trend. Zum einen, um eben diesen grausamen Produktionsbedingungen entgegenzuwirken und zum anderen auch aus gesundheitlichen Gründen – niemand möchte ständig Hautkontakt mit einer Tasche haben, die mit Chemikalien belastet ist. Doch Kunstledertaschen sind vor allem auch deshalb beliebt, weil sie oft deutlich billiger zu haben sind, als Echtleder-Produkte.

Zudem macht es heute rein optisch kaum noch einen Unterschied, denn Kunstledertaschen sehen oft täuschend echt aus. Und das kommt an – laut dem Fachmagazin Textilwirtschaft, das 2015 ein Studie zu Handtaschen durchführte, greifen immer mehr Kundinnen zu Lederimitaten. In der Hoffnung, sich und der Umwelt damit etwas Gutes zu tun. Das ist leider ein Irrtum, denn Lederimitat besteht in der Regel aus Polyester, beschichtet mit Polyurethan. Das sind Kunststoffe auf Erdölbasis, deren Verarbeitung ebenfalls problematische Substanzen erzeugen kann – bedenklich für die Umwelt und die eigene Gesundheit.

So hat Öko-Test getestet

Insgesamt 15 Exemplare beliebter Marken kaufte Öko-Test für die Labortests ein. Mit dabei: Handtaschen von H&M, Tamaris, Esprit, Gabor, Guess, Garry Weber und Matt & Nat im Wert von 39,90 bis 129,95 Euro. Untersucht wurde auf bedenkliche Substanzen, die sich häufig in Kunststoffprodukten befinden, wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), zinnorganische und phosphororganische Verbindungen, Formaldehyd, Schwermetalle und Weichmacher.

Das Ergebnis: Neun Modelle, also beinahe zwei Drittel der getesteten Taschen, fielen aufgrund der hohen Schadstoffmengen mit einem „ungenügend“ durch, drei weitere schnitten mit „mangelhaft“ ab. Lediglich zwei Exemplare schafften es auf „befriedigend“, eines auf „ausreichend“.

Erhöhte Werte von PAK und Zinn

PAK sind eine Gruppe von Substanzen, die bei Verbrennungsprozessen entstehen können. Einige davon gelten als krebserregend, andere werden zumindest als krebsverdächtig eingestuft. Öko-Test konnte in ausnahmslos jeder der Handtaschen mindestens einen erhöhten Gehalt von PAK nachweisen. Stark erhöhte Werte fanden sich in den Handtaschen von H&M, Suri Frey und dem Tamaris Modell „Romina“.

Ebenfalls in allen Taschen nachweisbar waren Spuren zinnorganischer Verbindungen. Die mit Abstand höchsten Konzentrationen fanden sich in der Handtasche der Marke Anna Field, darunter auch das bedenkliche Dioktylzinn. Dieses gilt als sehr giftig und ist in der Umwelt meist nur schwer abbaubar. Bereits sehr kleine Mengen von Dioktylzinn genügen, um das Immun- und Hormonsystem von Tieren und vermutlich auch das des Menschen zu beeinträchtigen.

Chrom und Nickel

Die Chromwerte in den Handtaschen von L.Credi, Gerry Weber, Guess und Tom Tailor ließen die Tester von Öko-Test zunächst vermuten, dass es sich gar nicht um Kunstleder, sondern um mit Chrom VI belastetes echtes Leder handelte. Nach weiteren Tests konnte hier Entwarnung gegeben werden – die Chromwerte aber bleiben bedenklich.

Nicht weniger problematisch waren die Mengen an Blei und Cadmium sowie des löslichen Halbmetalls Antimon, die gefunden wurden – Antimon kann zu Hautreizungen führen, die giftigen Schwermetalle Blei und Cadmium werden spätestens im Moment der Entsorgung zum Umweltproblem.

Vor allem für Allergiker bedenklich war, dass sich aus verschiedenen Metallteilen wie Ösen oder Druckknöpfen an der Tasche Nickel löste. Nickel ist eines der häufigsten Kontaktallergene und kann bei sensibilisierten Menschen heftige Immunreaktionen auslösen. Einige der nachgewiesenen Nickelgehalte überschritten dabei den zulässigen Grenzwert für Teile mit Hautkontakt um ein Vielfaches.

Kunstleder ist auch schädlich für die Umwelt

Gesundheitlich ist Kunstleder also nicht gerade unbedenklich, ökologisch auch nicht besser. Öko-Test fand in neun der 15 Taschen PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen. Daraus lässt sich schließen: Wer die Umweltverschmutzung der Lederproduktion kritisiert, kann sich auch bei Kunstlederhandtaschen leider nicht entspannt zurücklehnen. Diese Verbindungen bilden in der Müllverbrennung gesundheitsschädliche Dioxine und belasten die Umwelt sowohl bei der Herstellung, als auch bei der Entsorgung.

Nachhaltigere Alternativen können Handtaschen aus (Bio-)Baumwolle oder Recycling-Materialien sein.

Mehr Details und alle getesteten Modelle findest du im Testbericht von Öko-Test.

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(1) Kommentar

  1. Leider kann man allerdings bei konventionellen Handtaschen aus echtem Leder auch nicht davon ausgehen, dass diese – als Naturprodukt – weniger schädliche Substanzen enthalten. Zusätzlich zum Tierleid ist das Leder heutzutage mit so vielen Chemikalien belastet (aus den Gerbprozessen, Farbstoffe, Imprägnierungen, Flammschutz etc.), dass auch diese Produkte bei Ökotest regelmäßig abgewertet werden. Ich erinnere mich an einen Test mit Echtlederschuhen für Kinder, die so stark mit giftigen Substanzen belastet waren, dass sie eigentlich gar nicht verkehrsfähig waren.

    Es ist also in jedem Fall leider ein Dilemma.

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