Veganer Nagellack: Inhaltsstoffe und Hersteller

Veganer Nagellack: Inhaltsstoffe und Hersteller
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash.com

Fischschuppen und Läuse: Auch in Nagellack finden sich tierische Inhaltsstoffe. Hier erfährst du, worauf du bei veganem Nagellack achten solltest und welche zertifizierten Hersteller es gibt – von Benecos, über Sante bis Sparitual.

Ein veganer Lebensstil hört längst nicht bei dem Verzicht auf Eier, Milchprodukte und andere tierische Lebensmittel auf. Viele Veganer legen zudem Wert darauf, sämtliche Materialien zu meiden, für die Tiere in irgendeiner Weise genutzt werden – wie Leder, Seide oder Wolle. Auch bei der Kosmetik sind Tierversuche und tierische Inhaltsstoffe für Veganer ein Tabu. Neben offensichtlichen nicht-veganen Bestandteilen wie Bienenwachs verstecken sich in Kosmetika allerdings auch einige Stoffe, die erst auf den zweiten Blick entlarvt werden können.

Was ist an Nagellack nicht vegan?

Bei Nagellack sind es vor allem die Farb- und Effektpigmente, die oft nicht vegan sind. Rote Nagellackfarbe wird oft mithilfe von Karmin hergestellt (auf der Verpackung auch oft unter „Cochenille“ oder „CI 75470“ zu finden). Um dieses rote Pigment zu gewinnen, werden Schildläuse gequetscht. Für 450 Gramm Karmin müssen circa 70.000 Schildläuse sterben. Nun einfach auf roten Lack zu verzichten, löst das Problem allerdings noch nicht, denn die Schildläuse-Farbe findet sich nicht nur in klassischem Rot, sondern auch in Pink, Rosa, Violett, Braun und allen Farben, für die es Rot braucht.

Bei Effektpigmenten wird meistens Guanin verwendet, das macht den Nagellack schön schimmernd. Guanin wird allerdings aus Fischschuppen gewonnen. Die vegane Alternative zu Guanin ist oft Mica, in der Inhaltsstoff-Liste auch als „CI 77019“ gekennzeichnet. Dieses Glimmermineral wird zu feinen Pigmenten vermahlen – so schimmert Mica dann zum Beispiel in Mineral-Make-Up, Gesichtspuder, Lippenstiften, Lidschatten und eben auch Nagellacken.

Was natürlich auch alles andere als vegan ist: Nagellack, der in Tierversuchen getestet wird. Um diese zu meiden, helfen Zertifikate wie Cruelty Free oder Leaping Bunny – Produkte mit diesen Siegeln sind garantiert tierversuchsfrei. Nagellack ist deshalb hier eine schwierige Angelegenheit, weil auch bei zertifizierten Herstellern die Lacke oft nicht mit-zertifziert sind. Ein zweiter Blick lohnt sich also.

Naturkosmetik bedeutet nicht gleich vegan

Wer Nagellack von Naturkosmetik-Herstellern kauft, tut seiner Gesundheit und der Umwelt schon einmal einen Gefallen – vegan sind die Produkte allerdings meist nicht. Auch viele Naturkosmetik-Pflegelacke und Pflegeöle enthalten beispielsweise Keratin, das aus Haaren, Hörnern oder Hufen gewonnen wird. Bisher gibt es nur einen als Naturkosmetik zertifzierten Nagellack überhaupt (von Logona) – dieser ist allerdings nicht vegan.

Veganer Nagellack: Inhaltsstoffe und Hersteller

Zuerst einmal ist es wichtig, die Bezeichnungen „3-free“, „5-free“ und „7-free“ zu kennen. Sogenannte „Free“-Nagellacke sind der Versuch, Nagellacke weniger giftig zu machen. Sie sind also frei von bestimmten Substanzen, wobei der Hersteller entscheidet, welche das sind: Nagellacke, die sich „3-free“ nennen, verzichten meistens auf Phtalate, Formaldehyd und Toluol, „4-free“ und „5-free“-Lacke kommen in der Regel zusätzlich ohne Kampfer, Formaldehyd-Harze und/oder Kolophonium aus. Einige Hersteller bieten „7-free“-Lack an, wie zum Beispiel das Münchner Label OZN.

OZNnagellack-vegan-z-ozn-160427-250x250

  • alle Nagellacke sind Made in Germany
  • „7-free“: ohne Formaldehyd, Toluol, DBP (Dibutylphthalat), Silikon, Mineralöl, Aceton, Phthalat, Kampfer und Colophonium
  • Zertifikate: Cruelty Free, also ohne Tierversuche
  • zu kaufen in München, Augsburg und Berlin oder im Onlineshop
  • um 16 Euro

ZAOnagellack-vegan-z-zao-160427-250x350

  • „7-free“: ohne Toluol, Formaldehyd, Kolophonium, synthetischen Kampfer, Dibutylphthalate, Parabene und Xylene
  • außer der Farbe „650 karminrot“ sind alle Lacke vegan
  • nachhaltige Verpackung: Glasfläschchen mit Bambus-Deckel
  • Zertifikate: Cruelty Free, Vegan Society
  • erhältlich bei najoba**, Amazon** oder Douglas
  • um 13 Euro

Treat Collectionnagellack-vegan-z-treat-collection-160427-250x368

  • „5-free“: ohne Formaldehyd, Formaldehydharz, Toluol, Dibuthylphtalat und Kampfer
  • tierversuchsfrei
  • Berliner Label, die Produkte werden allerdings in den USA hergestellt
  • erhältlich bei Greenglam oder Amazon**
  • um 19 Euro
Sparitual

  • „5-free“: ohne DBP, Toluol, Kampfer, Formaldehyd und Formaldehydresin
  • Zertifikate: Cruelty Free, Leaping Bunny, Vegan Society
  • für die schimmernden Lacke wird Mica anstelle von Guanin verwendet
  • erhältlich in einer Drogerie (z.B. Müller) in deiner Nähe, im Onlineshop oder Amazon**
  • um 17 Euro


Intensae

  • „5-free“: frei von Formaldehyd, Dibuthylphtalat (DBP), Kampfer, Formaldehydharz und Toluol
  • erhältlich über Greenglam
  • um 17 Euro

Benecos

  • „5-free“: ohne Formaldehyd, Toluol, Phthalate, Kampfer und Kolophonium
  • Zertifikate: Benecos ist BDIH-zertifziert, die Lacke allerdings nicht
  • erhältlich in einigen Bioläden, im Onlineshop, bei Avocadostore**, Ecco Verde** oder Amazon**
  • um 4 Euro

Sante

  • offiziell „3-free“: ohne Formaldehyd, Toluol und Kolophonium, in der Praxis verzichtet Sante aber zudem auf Kampfer, Formaldehydharz und Dibutylphtalat
  • Zertifikate: die Nagellacke sind vegan, allerdings nicht als Naturkosmetik zertifiziert
  • erhältlich in Bioläden, im Onlineshop, bei Bio-Naturel**, Avocadostore** oder Amazon**
  • ab 9 Euro

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(6) Kommentare

  1. Ich habe zum ersten mal den Benecos Lack getestet und bin überzeugt. Die Farbe
    ( french lavender ) ist glänzend, deckend und vom Halt vergleichbar mit anderen Lacken im günstigeren Preisrahmen. Dafür aber mit weniger ungesunden Inhaltsstoffen. Eine gute Alternative für kleinen Geldbeutel!

  2. Interessant. Aber ich persönlich versuche eher Mica wie die Pest zu meiden. 60% des Micas wird in Indien, zum Großteil von Kindern unter unregulierten Verhältnissen abgebaut. Natürlich gibt es in der Fischindustrie auch ein Sklavereiproblem. Aber grundsätzlich ist es mir lieber, dass Fischschuppen in meinen Kosmetika stecken als Kinderarbeit. Ohne Impact geht eben nichts.
    Lush (die meines Wissens aber keinen Nagellack produzieren) hat deshalb zum Beispiel komplett aus den Produkten eliminiert: http://www.theguardian.com/sustainable-business/india-child-labour-mica-mineral-cosmetics

  3. Bei Rossmann hab ich jetzt entdeckt, dass der Alterra Nagellack vegan und 5-free ist. Hält auch ziemlich lange und war recht günstig (3,50eu etwa)

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