Von wegen verpackungsfrei: dieser Real-Markt veräppelt seine Kunden

Real: unverpackte Kirschen sind verpackt in Plastik
Foto: © real GmbH / Facebook Kay Castlemaker

Ein Real-Markt in Düsseldorf hat den Sinn unverpackter Lebensmittel leider überhaupt nicht verstanden: Mitten im Markt hat ein Kunde beobachtet, wie ein Mitarbeiter als „verpackungsfrei“ deklarierte Kirschen vom Plastik befreit.  

Wenn Supermärkte Obst und Gemüse ohne Plastikverpackung anbieten, ist das eigentlich eine tolle Sache. Problematisch wird es, wenn die Supermärkte den Sinn und Zweck unverpackter Lebensmittel nicht begreifen – wie dieses Beispiel vom letzten Monat aus einer Düsseldorfer Filiale der Supermarktkette Real zeigt.

Mitarbeiter packt „verpackungsfreie“ Kirschen aus unzähligen Plastikschalen

Ein Kunde postete Mitte Juli ein Bild auf die Facebook-Seite von Real. Zu sehen ist, wie ein Mitarbeiter Kirschen nach und nach aus einzelnen Plastikschalen packt und in die Auslage schüttet. Hinter ihm türmt sich ein riesiger Plastikmüll-Berg auf.

Hier ist das komplette Bild zu sehen:

Das perfide daran: Deklariert waren diese Kirschen im Markt laut dem Kunden als verpackungsfrei (zu erkennen ist das auf dem Bild leider nicht – wurde aber später von Real bestätigt). Kunden, denen Plastikvermeidung wichtig ist, wurden also absichtlich hinters Licht geführt – und kauften unwissentlich doch die Plastik-Kirschen.

Shitstorm auf Facebook: Kunden machen ihrem Ärger Luft

Auf Facebook schreibt der Kunde zu dem Bild „So sieht das aus, wenn real,- auf den ‚Verpackungsfreien Lebensmittel Zug’ aufspringt. […] Liebe real,-Menschen, was denkt Ihr Euch eigentlich dabei? Ist Euch das alles scheißegal – Hauptsache die Kohle stimmt?“

Das Bild wurde bis jetzt schon 1.877 Mal geteilt, etliche Nutzer haben kommentiert. So schrieb ein Nutzer entrüstet: „Da hat ja die Verwaltung von dem Laden mal wieder richtig Köpfchen bewiesen… ohne Worte… die haben das mit dem ‚Verpackungsfrei‘ jedenfalls NICHT verstanden.“ Ein anderer meint: „Es geht nur ums Geld, was mit dem Verbraucher ist, interessiert null. Das ist übrigens bei allen großen Konzernen so. Egal wo oder was du einkaufst, der Kunde wird bewusst verarscht!“

Die Reaktion von Real ist ziemlich fragwürdig

Die negativen Kommentare lässt Real nicht auf sich sitzen – und reagiert direkt unter dem Post auf die Kommentare. Die Erklärung macht das Ganze nur leider nicht besser: „Da nicht genügend lose Kirschen ausgeliefert wurden, wurde […] aufgrund der hohen Nachfrage die […] Ware lose angeboten. Es wurden hier eine preislich höhere Ware zum Preis der losen Waren angeboten.“

Die Erklärung kann man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Der Umwelt zuliebe wollte Real Kirschen ohne Verpackung anbieten – weil das nicht ging, hat das Unternehmen sich einfach dafür entschieden, in Plastik verpackte Kirschen auszupacken und anzubieten. Dass sich real dann noch damit brüstet, dass die verpackten Waren teurer gewesen sind als die unverpackten, macht die Sache nicht besser.

Die Krone setzt dem Ganzen aber eine weitere Erklärung auf, die Real einen Tag später lieferte: Problem sei gewesen, dass die lose gelieferten Kirschen „enorme Qualitätsmängel“ aufgewiesen hätten. Das Unternehmen habe deshalb auf einen anderen Lieferanten ausweichen müssen, der aber nur verpackte Kirschen hatte.

Bewusster Konsum geht anders

Zusammengefasst redet sich Real dreist aus der Misere und gibt dem Lieferanten die Schuld an allem: Der soll jetzt nicht mehr nur zu wenig, sondern auch noch schlechte Ware geliefert haben. Real hat mit seiner theoretisch lobenswerten Reaktion nicht nur den Kunden veräppelt, sondern auch seine Lieferanten bloßgestellt und schließlich auf Kosten der Umwelt gehandelt.

Das Problem: Bewusster Konsum funktioniert nur, wenn alle ehrlich und transparent miteinander umgehen. Wenn Kunden unverpackte Kirschen haben wollen, Real aber keine mehr anbieten kann – dann sollten sie das zugeben und eben auch keine mehr verkaufen – und an ihre Lieferanten weitergeben, dass Bedarf an weniger verpackter Ware besteht. Denn nur so kann der Konsumentenwunsch an die Produzenten weitergegeben werden. Kaufen wir hingegen das übliche hochverpackte Obst, das für uns nur heimlich  ausgepackt wurde – dann ändert sich am Problem selbst rein gar nichts.

Verpackungsfreie Läden zeigen, wie es geht

Verpackungsfreie Supermärkte oder sogenannte „Unverpackt-Läden“ kommen ohne Einweg-Verpackungen und vor allem ohne Plastikverpackungen aus. Sie achten darauf, dass ihre Ware in Großpackungen angeliefert werden, die bestenfalls wiederverwendbar sind – und schlechtestenfalls aus recycelbarem Material. So sparen sie Verpackungsmüll und helfen zudem dabei, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren: Weil der Kunde nur so viel kaufen kann, wie er auch wirklich braucht.

Eine Liste verpackungsfreier Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz findet ihr hier: Verpackungsfreier Supermarkt: einkaufen ohne Verpackung.

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(1) Kommentar

  1. Außerdem muß man sich auch mal fragen, ob immer alles und überall zur Verfügung stehen muß. Unsere Konsumgesellschaft hat ein sehr hohes Anspruchsdenken. Wenn es keine Kirschen gibt, dann gibt’s halt keine.

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