Waschpulver, Baukasten oder Flüssigwaschmittel: Was ist am nachhaltigsten?

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Waschpulver, Flüssigwaschmittel oder doch ein Baukasten-System? Was ist nachhaltiger? Und wo liegt überhaupt der Unterschied? Wir zeigen dir, welche Mittel die Umwelt am wenigsten belasten – und deine Wäsche trotzdem gründlich säubern.

Etwa 630.00 Tonnen Waschmittel werden laut Umweltbundesamt jährlich in Deutschland verbraucht – das sind fast 8 Kilo pro Einwohner. Konventionelle Waschmittel enthalten oft Tenside auf Erdölbasis, Duftstoffe und optische Aufheller, die das Abwasser belasten und unserer Gesundheit schaden. Natürlich sind Waschmittel für saubere Kleidung unentbehrlich – aber welche Sorte ist am verträglichsten für die Umwelt?

Waschpulver: Klassiker mit klaren Vorteilen

Das Umweltbundesamt sagt klar: Ein umweltfreundliches Waschmittel gibt es nicht. Trotzdem kann man mit einigen Öko-Waschpulvern schon viel richtig machen: Sie enthalten Inhaltsstoffe aus pflanzlichen und mineralischen Rohstoffen, die sich meist leichter abbauen lassen und die Haut nicht so schnell reizen. (Empfehlenswerte Marken findest du zum Beispiel hier: Waschmittel: Ökologisch Wäsche waschen.)

Waschpulver an sich hat außerdem einige entscheidende Vorteile: Es ist meist in Pappboxen erhältlich – eine besonders umweltfreundliche Verpackung. Außerdem lässt es sich mit einem Messbecher genau dosieren: So kannst du nur so viel verwenden, wie du für die Größe deiner Waschladung und den Grad der Verschmutzung brauchst. Wenn du das Pulver genau abmisst, bleiben auch keine Waschmittelrückstände auf deiner Kleidung zurück. Das trockene Pulver benötigt außerdem keine schwer abbaubaren Konservierungsstoffe.

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Waschpulver lässt sich genau dosieren. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de)

Beim Waschpulver-Kauf solltest du außerdem auf folgendes achten:

  • Kaufe keine Waschmittel, die umweltschädliche Wasserenthärter enthalten. Die Stoffe sorgen zwar dafür, dass du bei hartem Wasser weniger Pulver verwenden musst – einige sind aber extrem umweltschädlich. Phosphate können zum Beispiel dazu führen, dass Gewässer „umkippen“ – sie sind heute nur noch in sehr geringen Mengen erlaubt. Andere gängige Enthärter lassen sich nur schwer abbauen. „Grünere“ Waschmittel enthalten häufig Zeolith A, Citrat oder Silikate – diese Stoffe belasten die Umwelt weniger.
  • Vermeide außerdem Waschpulver mit optischen Aufhellern. Sie tragen nichts zur Waschwirkung bei. Die Partikel wirken eher wie UV-Filter, die blaues Licht erzeugen und vergilbte Wäsche so weißer erscheinen lassen. Außerdem belasten sie unsere Gewässer, da sie nur sehr schwer abbaubar sind.
  • Worauf du sonst noch achten solltest, erfährst du in diesem Artikel: Die schlimmsten Inhaltsstoffe in Reinigungsmitteln 

Flüssigwaschmittel: Mehr Tenside und Konservierungsstoffe

Viele Leute schwören auf Flüssigwaschmittel, weil es keine weißen Rückstände auf der Wäsche hinterlässt. Das liegt daran, dass es meist keine Wasserenthärter oder Bleichmittel enthält – anders als Waschpulver. Außerdem lässt es sich unkompliziert dosieren und ist in handlichen Mengen erhältlich.

In anderen Punkten kann Flüssigwaschmittel mit normalem Waschpulver aber nicht mithalten: Es erzielt nicht die gleiche Waschleistung – in der Regel braucht man größere Mengen an Waschmittel, um das gleiche Ergebnis zu erzielen. Auch Obst-, Kaffee- und Rotweinflecken lassen sich zum Beispiel viel schwieriger entfernen.

Außerdem haben Flüssigwaschmittel einen höheren Tensid-Gehalt. Dadurch gelangen mehr Schadstoffe pro Waschgang in den Wasserkreislauf. Kläranlagen können Tenside, Phosphate, Duftstoffe und weitere schädliche Zusätze nämlich nicht gut herausfiltern und leiten sie in Gewässer weiter. Die meisten dieser Inhaltsstoffe sind außerdem nur schwer biologisch abbaubar.

Des weiteren enthalten flüssige Waschmittel Konservierungsstoffe: Das flüssige Waschmittel braucht sie, um ähnlich lange haltbar zu bleiben wie Waschpulver. Für die Umwelt sind diese Stoffe besonders problematisch: Viele Konservierungsstoffe können Allergien auslösen – einige Mittel enthalten sogar geringe Mengen an Formaldehyd, welches Kopfschmerzen, Schleimhautreizungen, Übelkeit, Atemprobleme sowie Asthma auslösen kann und im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Außerdem sind die Verbindungen schwer abbaubar und reichern sich in der Umwelt an – für viele Wasserorganismen sind sie giftig.

Schließlich ist flüssiges Waschmittel meist in Plastik verpackt. Dadurch, dass viele Sorten in kleineren Mengen abgefüllt werden, entsteht mehr Plastikmüll – viele Container kannst du aber zum Beispiel in Unverpackt-Läden wieder auffüllen.

Waschmittel-Konzentrat: Kompakt und nachhaltig

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Je konzentrierter das Waschmittel, desto ergiebiger ist es – davon profitiert auch die Umwelt. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de)

Generell gilt: Je höher ein Waschmittel konzentriert ist, desto ergiebiger ist es auch. Wenn du pro Waschgang weniger Mittel benutzen musst, sparst du Geld, Verpackung und schonst in den meisten Fällen die Umwelt. Denn sogenannte Superkompaktate enthalten auch weniger Zusatzstoffe. So gelangen pro Waschgang weniger Chemikalien ins Wasser. Laut BR werden sie außerdem unter geringerem Energieaufwand hergestellt.

Oft werden Waschmittel-Konzentrate konkret als solche beworben. Wenn du dir unsicher bist, reicht ein Blick auf die Bedienungsanweisung: Je weniger Mittel du pro Waschgang verwenden solltest, desto konzentrierter ist es. Die meisten kompakten Waschmittel sind etwas teurer als Konkurrenzprodukte ­– dafür reicht die gleiche Menge aber auch für mehr Waschgänge.

Baukasten-Waschmittel: DIY-Set für saubere Wäsche

Mit Baukastensystemen kannst du dein Waschmittel den Anforderungen jedes Waschgangs genau anpassen – indem du es selbst zusammenstellst. Die Sets bestehen aus einem Basis-Waschmittel, einem Wasserenthärter und Bleichmittel – die einzelnen Zutaten kombinierst du erst kurz vor dem Waschen miteinander. Wenn deine Gegend über weiches Wasser verfügst, was immerhin auf 20 Prozent der deutschen Haushalte zutrifft, kannst du den Enthärter ganz weglassen. Wenn deine Wäsche keine hartnäckigen Flecken aufweist, brauchst du kein aggressives Bleichmittel.

Kurz gesagt: Du kannst nur so viel der einzelnen Bausteine verwenden, wie du benötigst – und so die Umweltbelastung minimieren. Dabei reichen die drei Bestandteile völlig aus, um alle Flecken zu bekämpfen – vor allem, wenn du schwierige Verschmutzungen wie gewohnt vorbehandelst. Die einzelnen Komponenten kannst du einfach nachkaufen – viele ökologische Waschmittel-Hersteller wie zum Beispiel Sonett bieten die Systeme bereits an.

Achtung: Die meisten Bleichmittel sind für die Umwelt nur schwer verträglich – sie belasten unsere Gewässer mit schwer abbaubaren Halogenverbindungen oder vergiften Wasserorganismen mit Borsalzen. Verwende sie deshalb sparsam.

Waschnüsse: Wasch-Trend aus Indien – mit Schattenseiten

Dieses traditionelle Waschmittel aus Indien hat in Deutschland in den vergangenen Jahren einen regelrechten Hype ausgelöst – auch wegen seiner einfachen Anwendung: Knacke die Nuss, stecke Teile in ein Baumwollsäckchen und lege dieses in die Waschmaschine – und das war‘s. Keine Chemie. Keine Umweltschäden. Wenn du deine Waschmaschine auf unter 60 Grad einstellst, reichen fünf bis sieben halbe Walnussschalen sogar für mehrere Waschgänge.

Mit der Waschleistung gewöhnlicher Waschmittel sind die Nüsse jedoch nicht zu vergleichen – das zeigten auch Untersuchungen des Verbraucherportals Öko-Test. Sie bewerteten die Nüsse als „alles andere als überzeugend“. Außerdem berichtet die Süddeutsche Zeitung, dass die starke Nachfrage aus Europa zu einer „Preisexplosion“ im Herkunftsland Indien geführt hat. Allein zwischen 2003 und 2010 habe sich der Preis versechsfacht – für viele Inder würden die Nüsse dadurch unerschwinglich.

Tipp: Auch aus den bei uns heimischen Kastanien kannst du Waschmittel herstellen – eine einfache Anleitung findest du hier: Waschmittel selber machen – aus Kastanien

Nachhaltig Wäsche waschen: Auch das kannst du tun

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Belade deine Waschmaschine immer voll – so sparst du Waschmittel und Energie. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de)

Nicht nur die Waschmittel-Sorte ist ausschlaggebend. Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, wie du beim Wäschewaschen die Umwelt schonen kannst:

  • Von Marke zu Marke unterscheiden sich Waschmittel stark – vor allem, was ihre Umweltbilanz angeht. Produkte mit möglichst umweltschonenden Inhaltsstoffen findest du zum Beispiel auf unserer Waschmittel-Bestenliste.
  • Belade deine Waschmaschine möglichst voll. So musst du weniger Waschmittel verwenden und sparst auch Wasser und Energie.
  • Wasche deine Wäsche immer bei möglichst niedrigen Temperaturen – wieso 60 Grad, wenn es 40 auch tun? So sparst du Energie.
  • Kaufe nicht die billigste Waschmaschine – das sind häufig echte Stromschleudern! Wirf stattdessen einen Blick auf diese sparsamen Modelle: Die energieeffizientesten Waschmaschinen

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(2) Kommentare

  1. Ich nutze Waschmittel verschiedener Marken, mit Ecover & Frosch habe ich bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Flüssiges Waschmittel verwende ich bevorzugt, Pulver finde ich aber auch nicht schlecht. Ich muss aber zugeben, dass ich nicht zu 100 % konsequent bin & auch andere Marken verwende. Vielleicht sollte ich mich auch mal mit dem Thema „Waschmittel selbst herstellen“ beschäftigen.

  2. Vom Herbst bis ins Frühjahr waschen wir viel mit Kastanienmehl aus Rosskastanien und dann nur noch gelegentlich mit gewöhnlichem Waschpulver. Gegen Januar Februar geht uns dann das Pulver aus und wir waschen nur noch mit gewöhnlichem Pulver. Das klappt erstaunlich gut und man wird alle Gerüche los (zum Glück auch den der Kastanien).
    Vorteil an Rosskastanien: Es gibt sie ohne Ende – Sie sind kostenlos – Sie sind nachhaltig und (vermutlich) umweltschonend.
    Nachteil an Rosskastanien: Oft reicht es nur eine Weile – Man muss für Weißwäsche die Schale aufwendig entfernen, sonst vergilbt das Weiß – Wenn man das Kastanienmehl im Ofen trocknet, stinken die echt wiederlich (Geruch bleibt nicht an der Wäsche).

    Achtung: Es geht nur mit Rosskastanien, da Die Rosskastanie NICHT mit den anderen Kastanien verwandt ist und – ich glaube – nicht einmal eine echte Kastanie ist.

    Die Rosskastanie gehört zur Gattung der Seifenbaumgewächse und enthält Saponine, Inhaltsstoffe, welche Detergenzeigenschaften haben. Sie wirken also wie Tenside.

    Lustig: Rosskastanien enthalten auch Aesculin. Deswegen kann man ein lustiges Experiment mit ihren Ästen machen. Sammelt im Herbst ein paar abgefallenen Äste ein, zerbrecht sie zu Hause, steckt sie in heißes evtl. aufgekochtes Wasser, schaltet das Licht aus und haltet die UV-Lampe auf das Glas mit Wasser und Ästen.
    Das Aesculin tritt aus und der Ast „blutet“ in grellen Neonfarben.

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