Wozu brauchen wir Mikroplastik?

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Plastikfreies Zähneputzen – dank eines Forschungsprojekt des IMWS wird Mikroplastik überflüssig. In zweijähriger Arbeit fanden die Forscher heraus: aus Hafer, Buchenholz und Mais kann der perfekte Ersatz gewonnen werden.

Mikroplastik – eine beinahe unsichtbare Gefahr. Da die Teilchen so winzig sind, können sie sich auch durch Filter- und Kläranlage einen Weg in die Meere bahnen. Und dort schwimmen sie dann, ziehen Schadstoffe an, die sich an der Wasseroberfläche befinden und werden von Tieren wie Muscheln, Würmern und Fischen aufgenommen. So gelangen sie in die Nahrungskette. Bevor sie irgendwann abgebaut werden, vergeht eine lange Zeit – denn Plastik gehört nun einmal nicht in den biologischen Kreislauf.

Warum kommt es trotzdem in unzähligen Kosmetikprodukten zum Einsatz – von der Zahnpasta bis zur Sonnencreme? Was macht die kleinen, umweltschädlichen Plastikkügelchen für die Hersteller überhaupt attraktiv?

Zum einen sind sie farb-, geruchs-, und geschmacksneutral und werden damit zu einem beliebten, billigen Füllmittel. Außerdem funktionieren sie als „Abrasiva“, als eine Art Schleifmittel. Jeder der schon einmal ein Körperpeeling benutzt hat, kennt den angenehmen, durchblutenden Effekt, den die Peelingkörner auf der Haut haben. Hierfür gibt es bereits natürliche Alternativen, die beispielsweise auf Zucker- oder Meersalzbasis hergestellt werden.

Bei den Kosmetikfirmen ist Mikroplastik beliebt – da es sich als günstiger Zusatzstoff eignet

Doch nicht in allen Produkten lassen sich die Mikroplastikpartikel so einfach ersetzen. Sowie in der Zahncreme: Um die Zähne optimal zu reinigen, ohne dabei den Zahnschmelz zu zerstören, ist eine ganz bestimmte Struktur der Mikroteilchen erforderlich.

Deswegen hat das Fraunhofer IMWS, das Insitut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen, ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen, zusammen mit der CFF GbmH, die sich seit 40 Jahren mit der Herstellung von Cellulosefasern befassen sowie der Skinomics GmbH, die auf die Entwicklung von Produkten zur dermalen Anwendung spezialisiert ist. Gemeinsam forschten die Projektpartner an einem Material, das alle Anforderungen in puncto Reinigungsleistung erfüllt und gleichzeitig kostengünstig in der Herstellung ist.

Mit Erfolg: In zweijähriger Arbeit entwickelten die Forscher biologisch abbaubare Cellulosepartikel aus Buchenholz, Hafer, Weizen und Mais.

Um alle gewünschten Eigenschaften zu erlangen, musste das neue Material speziell modifiziert werden. Jetzt kann es problemlos für die Zahnpflege verwendet werden:

„Eine Testzahnpasta mit den optimierten Buchenholz-Cellulosepartikeln zeichnet sich durch eine geringe Abrasionswirkung, aber dennoch gute Reinigungsleistung aus“, sagt Dr. Sandra Sarembe, Projektkoordinatorin am Fraunhofer IMWS.

Plaque, Essensrückstände und Zahnverfärbungen werden zuverlässig entfernt, ohne dass dabei der Zahnschmelz angegriffen wird.

Der neue Mikroplastik-Ersatz kann vielfältig zum Einsatz kommen

Viele Zahnpasta-Hersteller haben den Einsatz von Mikroplastik in ihren Produkten allerdings schon seit längerer Zeit beendet. Dem BUND zufolge ist auf dem deutschen Markt momentan sogar nur noch ein einziges Produkt bekannt, das die chemischen Mikrokügelchen enthält.

Können wir von den Forschungsergebnissen des IMWS trotzdem profitieren?

„Die von uns entwickelten Cellulose-Partikel sind nicht nur für Zahncremes geeignet. Sie können beispielsweise auch in Duschgels, Peelings oder als Füllstoff in Aluminium-freien Deodorants eingesetzt werden. Perspektivisch ist auch eine Anwendung in der dekorativen Kosmetik für Mascara, Puder oder Lippenstift angedacht“, sagt Michael Kraft, der Leiter der Presseabteilung des IMWS. Sogar in der Medizin sollen sie verwendet werden können.

Die neuen biologisch abbaubaren Cellulosepartikel auf pflanzlicher Basis stehen der herkömmlichen Mikroplastik in nichts nach, was die kostengünstige Herstellung angeht und gleichen ihr in Form, Härte und Oberflächenstruktur. Da die verschiedenen Cellulos -Typen mischbar sind, entsteht ein großes Potenzial für neue Produktentwicklungen. Für viele Unternehmen sicher eine gute Nachricht, denn während das Bewusstsein über die Risiken von Mikroplastik immer mehr wächst, wird auch der Bedarf an Alternativen für viele Hersteller dringender, vor allem in Ländern wie England und Neuseeland, in denen Mikroplastik bereits mit offiziellen Gesetzen aus der Produktion verbannt wurde. Auch Konsumenten wünschen sich zunehmend Kosmetik, mit der sie sich guten Gewissens verschönern und verwöhnen können.

 

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Text: Pia Wagner

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(2) Kommentare

  1. Es sollte in verständlichem Deutsch auf den Verpackungen drauf stehen, welche Inhaltsstoffe das Produkt enthält. Dieses ganze englische Chemozeug unter der Inhaltsstoffauflistung verstehen nur Fachleute oder Allergiker, die sich die Begriffe gemerkt haben, die sie umschiffen müssen. Es kann doch nicht sein, dass kein normaler Mensch diese langen Auflistungen versteht, sondern die Begriffe alle erst nachschlagen müsste. Der umwelt- und gesundheitsbewusste Einkauf wird damit sehr erschwert (was wohl auch so gewollt ist). Was bei Medizinprodukten inzwischen Pflicht ist (nämlich eine allgemein verständliche Ausdrucksweise), sollte auch für Hygieneprodukte und Kosmetika gelten. Dann wären Kunststoffe ruckzuck als solche enttarnt. Und bitte, keine Aussagen a la: „Aber das muss international verständlich sein!“. Der komplette Rest des Etiketts ist in Deutsch gehalten, warum also nicht auch die Inhaltsstoffliste?

  2. Ich kann mich Tina67 nur anschließen! Wer zum einkaufen keine Lupe mitnimmt und nicht im Chemie Leistungskurs war ist im Drogeriemarkt aufgeschmissen.
    Warum wird Mikroplastik überflüssig? Dass war es doch schon immer!