Zahnpasta-Test von Öko-Test: Die Hälfte der 400 Zahncremes fällt durch

Foto: © Öko-Test

Es ist der bislang umfassendste Zahnpasta-Test überhaupt: Öko-Test hat 400 Zahncremes untersucht – und die Ergebnisse gratis zur Verfügung gestellt. Im Test enttäuscht vor allem Naturkosmetik.

Zahnpasta benutzen wir mindestens zweimal täglich – umso wichtiger, dass sie keine kritischen Inhaltsstoffe enthält und die Zähne gut reinigt. Das Verbraucherschutzmagazin Öko-Test hat sich die beliebtesten Zahnpasten auf dem deutschen Markt genauer angesehen und 400 Produkte bewertet.

Mit dabei war Universal-Zahnpasta, Sensitiv-Produkte, Zahncreme für weißere Zähne und für Milchzähne. Auch 65 Naturkosmetik-Zahnpasten hat Öko-Test untersucht. Die Ergebnisse im Überblick:

  • 116 Zahnpasten sind „sehr gut“
  • 27 Produkte erhalten die Note „gut“
  • 58 Zahncremes sind „befriedigend“ oder „ausreichend“
  • Fast die Hälfte aller Zahnpasten enttäuscht: 199 Produkte sind „mangelhaft“ oder „ungenügend“

Kritische Inhaltsstoffe im Zahnpasta-Test

Zahnpasta ist oft mit Fluorid angereichert
Zahnpasta-Test: Viele Produkte enthalten kritische Inhaltsstoffe (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de)

Dass fast die Hälfte der Zahnpasten mit mangelhaft oder ungenügend durchfallen, liegt an mehreren Inhaltsstoffen. Rund jede vierte Zahnpasta enthält Natriumlaurylsulfat. Die Substanz bringt die Zahnpasta im Mund zum Schäumen. Allerdings ist Natriumlaurylsulfat Öko-Test zufolge vergleichsweise aggressiv und kann die Schleimhäute reizen.

Weitere problematische Inhaltsstoff sind Polyethylenglykole und PEG. Sie stecken in 91 Zahnpasten. Die Stoffe können die Schleimhäute durchlässiger für Fremdstoffe machen. Besonders kritisch ist außerdem der Wirkstoff „Triclosan“, den Öko-Test in vier Produkten fand. Triclosan kann Bakterien resistent gegen Antibiotika machen.

Öko-Test bewertet Zahnpasta ohne Fluorid im Test schlechter

Mikroplastik in Zahnpasta & Co.
Im Zahnpasta-Test fallen Zahncremes ohne Fluorid durch. (Foto: © complize / photocase.com)

Das Hauptproblem im Test war jedoch Fluorid: In 85 Zahnpasten für Erwachsene steckte kein Fluorid – 51 davon waren Naturkosmetik-Produkte. Sie alle bewertete Öko-Test deshalb bestenfalls mit „mangelhaft“. Die Begründung: Die Zahnmedizin-Leitlinie empfehele Erwachsenen fluoridhaltige Zahnpasta, um gegen Karies vorzubeugen.

Allerdings gibt es auch Menschen, die sich bewusst gegen Fluorid in der Zahnpasta entscheiden. Kritiker befürchten, dass Fluorid eine toxische Wirkung hat womöglich sogar mit Schilddrüsenerkrankungen oder Nierenleiden in Verbindung steht. Belastbare Studien zur negativen Auswirkung von fluoridhaltger Zahnpasta gibt es unseres Wissens aber nicht. Die Menge von Fluorid in Zahnpasta ist indes so gering, dass man mehrere Tuben essen müsste, um sich zu vergiften.

Ebenfalls weit verbreitet ist die Meinung, dass Fluorid in Zahnpasta schlichtweg unnötig ist, weil wir den Stoff schon über die Nahrung aufnehmen. Auch auf unseren Social-Media-Kanälen melden sich immer wieder Leser, die berichten, dass sie keine flouridhaltige Zahnpasta benutzen und trotzdem gesunde Zähne haben.

Das sagen Naturkosmetik-Hersteller zu Fluorid

Einige Naturkosmetikhersteller wie etwa Weleda oder Dr. Hauschka verzichten auf Fluorid in Zahnpasta. Wir haben bei Weleda nachgefragt, warum das so ist. Die Antwort von Weleda: „Da Fluoride von Natur aus in verschiedenen Nahrungsmitteln wie z.B. Fisch, Getreide, Milch, Nüssen (vor allem Walnüssen) und in Wasser (z.B. Mineralwasser) enthalten sind, ist oft die individuell benötigte Dosis an Fluorid durch die Nahrung bereits erreicht. […] Eine Fluoridgabe als therapeutische Maßnahme kann bei Mangelerscheinungen angezeigt sein, sollte aber unserer Ansicht nach mit einem Arzt besprochen werden. […]

Dr. Hauschka sagt: „Aus unserer Sicht ist eine standardisierte Gabe von Fluoriden über Zahncremes nicht notwendig. Vielmehr sollte eine Ergänzung durch Fluorid immer im Einzelfall vom Zahnarzt geprüft werden, denn der Bereich der optimalen Fluoridkonzentration ist sehr schmal. […]“ Würde man kontinuierlich zu viel Fluorid aufnehmen, steige das Risiko für eine Störung der Zahnschmelzbildung und bleibender Verfärbungen des Zahnschmelzes, erklärt der Naturkosmetikhersteller. Eine zusätzliche Supplementierung von Fluorid durch Zahnpflegeprodukte ist demnach nicht generell notwendig und sollte erst dann erfolgen, wenn eine tatsächliche Unterversorgung mit Fluorid ärztlich festgestellt wurde.“

Ob man durch Lebensmittel und Wasser tatsächlich ausreichend Fluorid zu sich nimmt, ist umstritten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt als Richtwert 3,1 bis 3,8 Milligramm Fluorid an, die ein Erwachsener täglich aufnehmen sollte. Öko-Test zufolge nehmen wir über die Nahrung täglich etwa 0,4 und 1,5 Milligramm zu uns. Letztlich liegt die Entscheidung bei dir, ob du Zahnpasta mit oder ohne Fluorid kaufen möchtest. Viele Naturkosmetikhersteller bieten beides an.

Zahnpasta-Test: Naturkosmetik ohne bedenkliche Inhaltsstoffe

Abgesehen von dem fehlenden Fluorid hatte Öko-Test an den Naturkosmetik-Produkten wenig zu kritisieren. Nur zwei Pasten enthielten kritische Inhaltsstoffe: In einer Marke steckte Natriumlaurylsulfat, in einer anderen Silbersulfat. Bei allen anderen Produkten waren die Inhaltsstoffe unbedenklich.

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(12) Kommentare

  1. Was ist denn eigentlich das Problem?
    Die kritischen Bestandteile Natriumlaurylsulfat, Polyethylenglykole, PEG und Triclosan?
    Oder: fehlendes Flourid?

    Für mich hat der Test nur Wert im Hinblick auf die „kritischen“ Bestandteile.

    Weil es eine Empfehlung für Flour gibt, folgt daraus doch nicht, dass die Produkte, die der Empfehlung nicht folgen, automatisch schlecht sind.

  2. Sehe das auch so, dass die Empfehlungen nicht in die Testbewertungen einfließen sollten. Da diese Empfehlungen ohnehin sehr umstritten sind.
    Persönlich verzichte ich gerne auf die Zugabe von Flour.
    Solche Tests spiegeln letztendlich nur die herrschende Meinung wieder und die ist auch bei Ökotest mittlerweilen von wirtschaftlichen Interessen beeinflusst.
    Am besten man macht sich die Zahnpaste selber oder noch besser, man ernährt sich so gut, dass man ganz auf Zahnpasta verzichten kann.

    Die Konsumenten brauchen Anleitungen, wie sie sich durch den Konsumdchungel schlagen müssen.

    Ein wichtiger Aspekt bei den Anleitungen ist: “Die Kasse muss klingeln”

  3. Und würdest Du in deine selbstgemachte Zahnpaste Fluor integrieren?
    Falls nein, wäre Sie jedenfalls „mangelhaft“. 😉
    Also: volle Zustimmung zu allem, was Du schreibst.

  4. Fluorid in der Zahnpasta… damit wir uns weiter mit schlechtem Essen vollstopfen können und uns dabei das Lachen nicht vergeht. Rauchen aufhören, regelmäßig Zähne putzen, auch Mal nen Zahnarzt besuchen und gesund Essen. Wenn alles zu spät ist kann eh nur noch der Zahnarzt helfen. Meiner Meinung nach ist Fluorid ein Medikament und sollte somit mit Vorsicht „eingenommen“ werden.

  5. Meine Zahnpasta ist „mangelhaft“ weil kein Fluorid enthalten ist – ohne dass ich dann wohl Karies bekommen sollte.
    Erstaunlicherweise: ich nutze diese Zahnpasta seit vielen Jahren, und Karies ist seither kein Thema mehr (im Gegensatz zu früher).
    Somit stimme ich allen meinen Vorrednern hier gerne zu.

  6. Ich verwende schon seit langer Zeit keine herkömmliche Zahncreme mehr – diese sind mir zu aggressiv. Viele Jahre habe ich biologische Zahnpasta ohne Fluor gekauft. Vor 3 Jahren habe ich angefangen, meine Zahncreme selbst herzustellen. Diese ist die einzige, bei der meine Zähne richtig schön glatt werden und so bis zum nächsten Putzen bleiben. 🙂
    Manche Süßstoffe, die in Zahncremes enthalten sind fördern Karies.

    Vielleicht interessiert jemanden mein Rezept:
    300 g Calciumcarbonat
    30 g Xylit (ich mixe es zu Puderzucker)
    100 ml Cistustee (antibakteriell) oder gekochtes Wasser bzw Pfefferminztee
    2 MS Xanthan
    Alle Zutaten (Flüssigkeit am Besten heiß verwenden) mit Stabmixer gut pürieren;
    Xanthan zuletzt unterrühren
    Gut Putz 😉
    Folgende Homepage eines Zahnarztes empfehle ich jeder/m:
    http://mensch-und-zahn.de/40857/40920.html

    Von Ökotest bin ich schon lange enttäuscht. Finde die Tests teilweise zu unkritisch (siehe Fluor).

  7. Bei mir persönlich hatte Öko-Test komplett „verloren“, als ich feststellen musste, dass ein gekochter Schinken, der von Schweinen aus konventioneller Massentierhaltung stammte und den es bei Aldi-Nord zu kaufen gab, von Öko-Test mit „sehr gut“ bewertet wurde. Seither interessierte mich das Öko-Testsiegel auf Produkten nicht mehr und ich versuchte es bei meinen Kaufentscheidungen zu ignorieren – vorher war es häufig das Kriterium FÜR eine Kaufentscheidung. Der Zahncremetest bestätigt also nur ein weiteres Mal, dass Öko-Test sich komplett vor die Wand gefahren hat. Herzlichen Glückwunsch!

  8. Ich habe den andern Kommentaren nichts Neues hinzuzufügen. Nur Bestätigung! =)
    Ich mache auch meine Zahnpasta selber, als Kind gabs Ajona, die hat auch kein Flour, und meine seltenen Zahnarztbesuche waren hauptsächlich wg. herausgefallener Amalgamplomben (bin die Generation, der das ungehemmt eingebaut wurde).
    Und Öko-Test hab ich, ehrlich gesagt, nie leiden können. Nur so ein verschwiemeltes Gefühl, das durch das jetzt allerdings wieder mal verstärkt wird.

  9. Vielen Dank, Lino!

    (Ein kurzes Dankeschön ist wohl nicht erwünscht, es müssen mindestens 50 Zeichen ins Kommentarfeld, sonst lässt es sich nicht absenden. Daher schnell noch diese kurze Kritik! ;-))

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