„Connect over ideas not likes“: Instagram-Star wird zur Weltverbesserin

Foto: vimeo.com/144421923

Instagram-Star Essena O’Neill wird weltbekannt, weil sie Social Media kritisiert und ihren eigenen Account löscht. Nun will die 19-Jährige einen besseren Ort im Netz schaffen – mit einem nachhaltigen Blog. Dieser dreht sich allerdings wieder fast nur um sie.

Wer die letzten beiden Tage im Internet unterwegs war, kam an dem Bild des tränenüberströmten Gesichts eines jungen, blonden Mädchens nicht vorbei: Die 19-jährige Australierin Essena O’Neill lud gestern ein YouTube-Video hoch, in dem sie erzählt, warum sie Schluss macht mit Social Media. Sie kritisiert, dass Plattformen wie Instagram ein völlig verzerrtes Bild der Realität abgeben und sie diesem Druck einfach nicht mehr standhält.

500.000 Follower, 2000 Dollar pro Bild

Essena verdiente die letzten Jahre ihr Geld mit Instagram. Ja, das ist tatsächlich ein Beruf, denn als Model mit einer halbe Million Follower kann man sich bis zu 2000 Dollar pro „Auftragsfoto“ zahlen lassen – heißt, man zeigt beispielsweise ein Kleid, das man von einer Modekette zugeschickt bekommen hat, oder eine neue Laufhose, die von einer Sportfirma gesponsert wurde. Leicht verdientes Geld, könnte man meinen. Doch hinter den Fotos steckt oft stundenlange Vorbereitung, viel Make-Up und eine Menge Mühe.

Ihr weltbekanntes Instagram-Profil benannte Essena O’Neill in „Social Media Is Not Real Life“ um. Zweitausend Bilder hatte sie zuvor gelöscht, „die keinen anderen Zweck hatten als Selbstdarstellung“, wie sie selbst schreibt. Die übrigen Fotos, in denen man sie wahlweise in aufreizenden Kleidchen, im Bikini oder beim Sport sah, hatte sie jeweils neu betextet – mit der wahren Geschichte, was hinter dem Bild passiert war.

Einem „Making Of“ sozusagen, also zum Beispiel stundenlangem Schminken, weil das junge Mädchen bei einem Selfie eigentlich schlimme Akne hatte. Mehr als einhundert Versuche, bis das Bikini-Foto perfekt war und die Pose am Strand trotzdem nicht unnatürlich aussah. Tagelang kein Essen, um einen flachen Bauch für das sportliche Bild im bauchfreien Top zu haben. Der Account von Essena ist mittlerweile deaktiviert worden.

Neues Blog, neue Selbstdarstellung

Sie war süchtig nach Likes. Und weil es aber ganz schön schwer ist, sich als Internet-Mensch ganz aus dem Netz zurückzuziehen, hat Essena O’Neill nun ein neues Projekt: Das Blog „Let’s be Game Changers„. Hiermit möchte die 19-Jährige einen besseren Ort im Internet schaffen. Es soll eine Plattform werden, die sich mit Themen wie Veganismus, Umweltschutz, spiritueller Gesundheit, der Liebe zueinander, der Natur und allem rund um unseren Planeten beschäftigt – so die Info.

Bisher findet sich ein Video über ethisch korrekte Mode und eines über veganen Lifestyle. Die restlichen Posts drehen sich um Essena selbst, ihre mittlerweile weltweit bekannten Video-Botschaften oder selbstgeschriebene Gedichte und Texte. Selbstdarstellung ade? Nicht so ganz. Trostpreis: Ein Forum in dem sich junge Blogleserinnen über Nachhaltigkeits-Themen austauschen können. Bisher finden sich eher Topics wie „How old is everyone?“ oder „Where is everyone from?“. Auf den ersten Blick also wie ein ganz normales Forum pubertierender Mädchen, die viel Zeit im Internet verbringen.

Aber man soll ein Buch ja nicht nach seinem Umschlag beurteilen. Vielleicht darf man tatsächlich gespannt sein, was sich zukünftig auf „Let’s Be Game Changers“ noch so abspielen wird. Nur nicht enttäuscht sein, wenn es vor allem Videos von Essena sind.

https://vimeo.com/144421923

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(3) Kommentare

  1. Hm..

    Euer Zitat:
    >..Wer die letzten beiden Tage im Internet unterwegs war, kam an dem Bild des tränenüberströmten Gesicht eines jungen, blonden Mädchens nicht vorbei:..<

    Ohne Worte: ich habe nicht weiter gelesen (übrigens heißt es grammatikalisch richtig: "des tränenüberströmenden Gesichtes.." ).

  2. „Leicht verdientes Geld, könnte man meinen.“
    Natürlich ist das leicht verdientes Geld. Ein bisschen nicht vegane Schminke auf die Wangen und Klamotten tragen von nicht fairen Marken und ihr bezeichnet euch hier als Platform für fairen und intelligenten Konsum?
    Das ist einfach stupide Werbung!