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Atomausstieg treibt die Stromkosten in die Höhe – wirklich?

Atomausstieg treibt die Stromkosten in die Höhe - wirklich?
Foto: CC0 Public Domain - Pixabay/ jplenio

Fans der Kernkraft kritisieren den Atomausstieg und betonen gerne, wie klimafreundlich, sauber und günstig Atomstrom sei. Diese Meinung ist aber keinesfalls unumstritten. Die Masse der Expert:innen sieht es völlig anders.

Anders als von Teilen der Staatsregierung immer wieder behauptet hat der Atomausstieg im vergangenen Jahr nicht die Stromkosten in Bayern verteuert. „Der Atomausstieg hat überhaupt keine preisliche Auswirkung auf den Strommarkt„, teilte Norbert Zösch, Geschäftsführer der Stadtwerke Haßfurt, am Donnerstag im Umweltausschuss des bayerischen Landtags mit.

Atomausstieg und Stromkosten: Erzeugung teuer

Atomkraftwerke hätten volkswirtschaftlich gesehen sogar die größten Erzeugungskosten, hieß es zudem in der Stellungnahme des Verbraucherservice Bayern. „Lediglich durch die staatliche Subventionierung konnte Atomstrom zu wettbewerbsfähigen Preisen gehandelt werden.“

Viele Kritiker:innen des Atomausstiegs, darunter CSU-Chef Markus Söder, Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger sowie weite Teile von Union, FDP und AfD erklären immer wieder, dass Deutschland nur mit der Nutzung der Kernenergie dauerhaft niedrige und verlässliche Energiepreise haben kann. Auch die Bundesnetzagentur hatte aber im vergangenen Jahr bereits die Sorge für unnötig erklärt, dass die Stromkosten in Deutschland steigen, seit die letzten Atomkraftwerke vom Netz sind.

Energie: Verbraucher:innen müssen Kosten verstehen

Neben Zösch („Der Ausbau der Erneuerbaren wirkt eindeutig preisdämpfend“) sprach sich auch die Verbraucherzentrale Bayern ausdrücklich für eine erneuerbare Energieversorgung aus – sie befürworte „grundsätzlich einen raschen Ausbau der erneuerbaren Energien und den damit einhergehenden notwendigen Ausbau der Netzinfrastruktur“.

Die beschlossenen Klimagesetze der Bundesregierung und des Freistaats Bayern bildeten dabei auch für private Haushalte die Basis für zukunftstragende, verlässliche Entscheidungen und Entwicklungen. Für die Zukunft sei es wichtig, dass die Preise für private Haushalte kalkulierbar und stabil seien. Dazu müssten die Netzentgelte gerecht aufgeteilt werden, die Verbraucher:innen dürften nicht die Hauptlast schultern. Chancen böte hier die Digitalisierung des Strommarkts mit variablen Tarifen.

Eva Fuchs, Vorstandsvorsitzende des Verbraucherservice Bayern, betonte, es sei wichtig, dass die Verbraucher:innen klar verstünden, wie Kosten in der Energieversorgung entstünden. „Die Preise müssen fair und transparent sein“, sagte sie. Die Nutzer:innen müssten leicht zwischen den Angeboten und ihren Bedürfnissen wählen können. Die aktuell hohen Energiepreise hätten zudem nur zu einem geringen Teil ihre Ursache in der Energiewende.

Heidemarie Krause-Böhm von der Verbraucherzentrale erklärte, es bedürfe für stabile Preise auch eine effiziente Regulierung der Energiemärkte. In Bayern seien die Preise zu Jahresbeginn zwar gesunken, es werde aber bereits wieder von einigen Anbietern über Preissteigerungen ab März gesprochen.

AfD-Politiker kritisiert Windkraft

Einzig der von der AfD geladene Windkraftgegner Volker Tschischke vom Verein Vernunftkraft NRW versuchte in seinen Statements die Windenergie schlechtzumachen. Diese sei alles andere als eine saubere Energieform, das sei nur eine „Scheinwahrheit“, da in den Anlagen Öl und auch radioaktive Stoffe verarbeitet seien. Zudem entstehe durch Windräder ein gesundheitsschädlicher Schall.

Der Politiker bezieht sich auf das Metall Neodym, welches in Generatoren von Windkraftanlagen steckt, genau so wie in vielen Elektromotoren. Man nutzt es für den Bau von Permanentmagneten. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) schreibt, wird beim Abbau und bei der Aufbereitung radioaktives Material freigesetzt, welches Arbeiter:innen einatmen können. Dies ließe sich durch Schutzmaßnahmen verhindern – Untersuchungen der Leibniz Universität Hannover haben aber gezeigt, dass die Belastung in der nähe von wichtigen Abbaugebieten in China hoch ist.

Außerdem enthalten Windräder tatsächlich Öl – für Getriebe und Hydraulik. Trotzdem gelten sie als wesentlich umweltfreundlicher im Vergleich zu traditionellen Energiequellen, die auf fossilen Brennstoffen wie Kohle, Erdgas und Öl basieren. Denn sie werden mit der erneuerbaren Energiequelle Wind betrieben, reduzieren im Vergleich Treibhausgasemissionen und benötigen kein Wasser für die Kühlung.

Dass manche Windräder Infraschall erzeugen, stimmt. Ob dieser Schall krank macht, ist jedoch umstritten. „Die Infraschallintensität ist in einem Auto etwa um den Faktor 1000 höher als bei einer Windkraftanlage“, erklärte ein Experte 2021 gegenüber Spiegel.

Weitere Quellen: FAZ, Spiegel

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