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„Bringt alles nichts“: Wieso uns Christoph Maria Herbsts Pessimismus nicht hilft

Christoph Maria Herbst
Foto: „Christoph Maria Herbst bei der WDR-Filmpremiere "Vorsicht vor Leuten" am 17. Februar 2015 in Köln“ von Superbass, lizensiert unter CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, zugeschnitten

In einem Interview äußert Christoph Maria Herbst Zweifel an Klimaschutzmaßnahmen. Er selbst versuche zwar nachhaltig zu leben, hält die Situation aber für „schier ausweglos“. Utopia findet: Ein solcher Pessimismus bringt uns nicht weiter.

Christoph Maria Herbst ist einer der bekanntesten deutschen Schauspieler, unter anderem wegen seiner Kultfigur Stromberg aus der gleichnamigen Comedy-Serie. Privat beschäftigt sich der 57-Jährige schon länger mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz. In einem Interview mit T-Online sagt er: „Ich esse kein Fleisch, seit sieben Jahren fahre ich ein hundertprozentiges Stromauto. […] Ich versuche überwiegend mit dem Zug zu fahren.“ Doch er spüre auch eine gewisse Ohnmacht. Ihm falle es schwer nicht zu denken: „Es bringt doch eh alles nichts, nach mir die Sintflut.“

Der Einfluss eines einzelnen ist in der Klimakrise begrenzt. Herbst hoffe deshalb, mit seinem Verhalten und seiner Prominenz einen gewissen Vorbildcharakter haben zu können. Doch der Schauspieler zweifelt daran, dass dies ausreicht: „Wenn ich mir die großen Player angucke, die sich gefühlt keinen Zentimeter bewegen, frage ich mich schon, was ich groß tun soll.“

Herbst: Politische Lage „schier ausweglos“

Doch nicht nur was individuelle Maßnahmen angeht, ist Herbst pessimistisch. Auch für eine politische Lösung der Klimakrise sieht er wenig Hoffnung. „Ich denke da zum Beispiel an Indien“, sagt Herbst und erklärt: „Da stehen eine Milliarde Menschen und die wollen endlich so leben, wie es der Westen tut.“ Ihnen das zu verwehren, wäre eine „unglaubliche Ungerechtigkeit“, es zuzulassen aber „für den Planeten Erde eine Katastrophe“.

Für Herbst sei die Lage „schier ausweglos“. Politiker:innen müssten unentwegt allen möglichen Stakeholdern auf die Füße treten, um die Erderwärmung aufzuhalten. Doch dies könnten sie nicht tun, weil sie wieder gewählt werden wollen, sagt der Schauspieler. Im T-Online-Interview schließt Herbst das Thema Klimaschutz mit einem ernüchternden Fazit ab: „Wenn man sich erst mal intensiver mit dieser Thematik beschäftigt und nicht die genügend hohe Resilienz hat, könnte man sehr schnell in eine tiefe Depression verfallen.“

Utopia meint: Pessimismus bringt uns nicht weiter

Es ist verständlich, dass Christoph Maria Herbst angesichts der Klimakrise nahezu verzweifelt. Schließlich hat er mit seinen Punkten nicht Unrecht. Mit individuellen Klimaschutzmaßnahmen allein werden wir das Weltklima nicht retten können. Eine globale politische Lösung muss her: Das System, das unter anderem auf fossilen Brennstoffen aufgebaut ist, muss sich verändern. Auch ist die Weltordnung von komplexen Interessenskonflikten geprägt, was eine internationale Zusammenarbeit erschwert. Gleichzeitig sollte eine Lösung mit einem gemeinsamen Ziel – wie die Begrenzung der Erderwärmung – möglich sein. Sie muss es, andernfalls steuert die Menschheit auf irreparable Schäden zu, wie Forschende warnen.

Vor diesem Hintergrund hilft uns Pessimismus weder auf der internationalen, noch auf der individuellen Ebene weiter. Wir leben auf einem Planeten mit acht Milliarden Menschen. Die Erwartung, als einzelne Person maßgeblichen Einfluss auf das Schicksal der Welt nehmen zu können, kann verständlicherweise nur enttäuscht werden. Vielmehr ist es eine Frage der Perspektive, die uns weiterhin ermutigen sollte, auch als Individuen nachhaltiger zu leben:

  1. Als Menschen in treibhausgasintensiven Wohlstandsgesellschaften, die es erst durch die Verbrennung fossiler Energieträger zu derart viel Reichtum schafften, trägt jede:r Einzelne von uns eine besondere Verantwortung für den Erhalt des Planeten. Und diese Verantwortung umfasst nun einmal kleine freiwilligen Maßnahmen wie Veganismus, den Umstieg auf Ökostrom oder die Wahl einer nachhaltigen Bank. Aber eben auch die Bereitschaft, durch Wahlen weiterhin Druck auf die Politik zu erhöhen.
  2. Wer außerdem öfter mit dem Rad anstatt mit dem Auto zur Arbeit fährt oder mit Erneuerbaren Energien heizt, kann als Vorbild für andere dienen und zeigen, dass eine Umstellung – wenn auch nur in kleinen Schritten – möglich ist. Daraus kann ein Schneeballeffekt entstehen, da Menschen im eigenen Umfeld zu klimafreundlichen Lebensweisen motiviert werden. Eine höhere Bereitschaft für Klimaschutz in der Gesellschaft hilft der Politik, entsprechende Maßnahmen besser durchzusetzen – und ist somit eine Grundvoraussetzung dafür, dass die Klimawende gelingt.

Ob wir die Erderwärmung überhaupt noch unter zwei Grad halten können, ist fraglich. Doch eines ist sicher: Wenn niemand mehr an Wandel glaubt, wird er uns auch garantiert nicht gelingen.

Verwendete Quelle: T-Online

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