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Coffee Badging: Wie der Trend hybrides Arbeiten neu definiert

Coffee Badging
Foto: CC0 / Pexels - George Milton - fauxels

Beim Coffee Badging kommen Angestellte nur für ein paar Stunden ins Büro und verschwinden dann wieder ins Home Office. Manche umgehen somit die Anwesenheitspflicht, andere sehen darin einen Weg zu mehr Produktivität.

Laut einer Studie von Owl Labs, bei der 12.000 Büroangestellte aus den USA und Europa befragt wurden, gaben 38 Prozent der Deutschen, die hybrid arbeiten, an, sogenanntes Coffee Badging auszuüben. Dabei handelt es sich um eine Arbeitsweise, bei der Angestellte zwar ins Büro kommen, aber noch während des Tages ins Home Office zurückkehren. In den USA ist die Praktik noch beliebter, hier waren es sogar 58 Prozent, die sich in der Umfrage zu Coffee Badging bekannten.

Warum betreiben Angestellte Coffee Badging?

Manche Firmen nutzen Badges, also ID-Karten, mit denen die Mitarbeitenden im Büro einchecken müssen, um zu belegen, dass sie anwesend sind. Das Wirtschaftsmagazin Forbes sieht „Coffee Badging“ als einen Bewältigungsmechanismus für Angestellte, um jenes System auszutricksen. Anstatt den vollen Tag im Büro zu verbringen, würden Sie nur kurz einchecken, um ihre Anwesenheit zu signalisieren, gegebenenfalls einen Kaffee trinken und danach wieder nach Hause fahren.

J.P. Gownder, Vizepräsident und Principal Analyst des Beratungsunternehmens Forrester Research, unterstützt die These gegenüber Computerworld mithilfe eines Beispiels: “Ein Klient erzählte mir, dass er selbst in das Parkhaus [seines Unternehmens] gefahren ist, um einzuchecken, weil er wusste, dass die Firma das verfolgt. Anschließend ist er direkt wieder dort herausgefahren.“ Konkrete Daten, die belegen, dass die Mehrheit der Coffee Badger:innen die Praktik heimlich durchführt, fehlen allerdings.

Auch Owl-Labs-CEO Frank Weishaupt sagt CNBC, dass der Coffee-Badging-Trend keineswegs bedeutet, dass Angestellte sich aus dem Büro herausschleichen. Es könnte auch darauf hinweisen, dass Angestellte den Wert darin sehen, ins Büro zu kommen, um an Meetings teilzunehmen und sich mit Kolleg:innen zu treffen. Gleichzeitig gebe ihnen Coffee Badging die Möglichkeit, sich ihren Tag flexibel zu gestalten. In der Umfrage von Owl Labs gaben 82 Prozent der Befragten an, dass ihnen eine räumlich flexible Arbeitsweise wichtig oder sehr wichtig sei.

Weishaupt selbst betreibt eine Variante des Coffee Badgings: Er startet seinen Arbeitstag zu Hause, fährt mittags ins Büro, um die morgendliche Rush-Hour zu vermeiden, und beendet seine Arbeit dort. Der traditionelle 8-Stunden-Tag aus dem Büro „scheint einfach nicht sehr relevant zu sein“, sagt der Firmenchef.

Höhere Produktivität und bessere Work-Life-Balance

Dass Coffee Badging dazu dienen kann, die Produktivität zu steigern, findet Yannique Ivey. Sie ist Angestellte einer Tech-Beratungsfirma in Atlanta und betreibt ebenfalls Coffee Badging, wie sie CNBC erklärt. Sie fährt ein- bis zweimal im Monat ins Büro, bleibt allerdings nur von 11 bis 15 Uhr. Genug Zeit, um mit Kolleg:innen zu reden und Mittag zu essen. Dies sei mit ihrem Team offen kommuniziert. „Ich bin zu Hause viel produktiver“, sagt die 27-Jährige, „also fange ich [meinen Arbeitstag] dort an und beende ihn auch dort.“

Kynisha Gary aus Philadelphia nutzt Coffee Badging hingegen, um ihren Alltag als Mutter und Mitarbeiterin einer Non-Profit-Organisation zu stemmen. Laut CNBC fährt sie Dienstag, Mittwoch und Donnerstag morgens ins Büro. Zur Mittagszeit holt sie ihren Sohn ab und fährt nach Hause, von wo aus sie weiterarbeitet. Sie bevorzugt diese Arbeitsweise im Vergleich zur vollständigen Remote-Arbeit: „Wenn man nur von zu Hause aus arbeitet, […] ist es schwerer, Abstand von der Arbeit zu bekommen“, sagt Gary.

Anwesenheitspflicht als „Vertrauenskiller“

Weishaupt sieht in Coffee Badging eine zeitgemäße Alternative zur strengen Büropflicht. Anwesenheit zu überwachen, sei ein „Vertrauenskiller“. Wenn man sich fühlt, als müsse man Freitag bis 16.30 Uhr an seinem Arbeitsplatz sitzen, ohne wirklich produktiv zu ein, nur der Chef anrufen könnte, gebe es ein Vertrauensproblem, so der CEO. Weishaupt ergänzt: „Wir sind nicht in der Grundschule. Wir stellen Leute nicht ein, um sie beim Arbeiten zu beobachten, sondern damit sie ihren Job machen.“

Verwendete Quellen: Owl Labs (deutsche Umfrage), Owl Labs (US-Umfrage), Forbes, Computerworld, CNBC

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