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Schadstoff im Urin wegen UV-Filter? BASF wusste offenbar lange von Risiken

Schadstoff im Urin wegen UV-Filter? BASF wusste offenbar lange von Risiken
Foto: CC0 Public Domain, - Unsplash/ BATCH by Wisconsin Hemp Scientific, Foto: Bernd Thissen/dpa

In diversen Urinproben in Deutschland wurde ein Schadstoff nachgewiesen – als Ursache für die Belastung steht ein UV-Filter in Sonnencremes im Verdacht. Spiegel-Recherchen zufolge soll der Hersteller BASF von Risiken durch ein Nebenprodukt des Filters gewusst haben.

Kürzlich wurde in Urinproben zahlreicher Menschen aus Deutschland der besorgniserregende Stoff MnHexP entdeckt – Utopia berichtete. Dabei handelt es sich um das Abbauprodukt des Weichmachers DnHexP, welcher in der EU ohne Zulassung nicht verwendet werden darf. In Tierversuchen wirkte DnHexP fortpflanzungsschädigend, und störte den Testosteronhaushalt stärker als andere Weichmacher. Der Stoff kann sich vor allem auf die Fortpflanzungsorgane männlicher Föten im Mutterleib auswirken.

Die Quelle des Schadstoffs ist bislang nicht geklärt. Im Verdacht steht laut dem Bundesamt für Risikobewertung (BfR) aber ein UV-Filter, der mit DnHexP verunreinigt sein könnte – auch hierüber berichtete Utopia. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um Diethylamino Hydroxybenzoyl Hexyl Benzoate (DHHB).

Denn wie der Spiegel berichtet, bildet sich DnHexP als Nebenprodukt bei der Herstellung von DHHB. Der Stoff kommt etwa in Sonnencremes sowie in Anti-Aging-Cremes zum Einsatz, und wird unter anderem von BASF hergestellt – einem der größten Chemiekonzerne weltweit. Laut Recherchen des Spiegels soll das deutsche Unternehmen seit Jahren von Risiken durch das Nebenprodukt des UV-Filters gewusst haben.

BASF-Patent: Risiken durch Verunreinigungen in UV-Filter bekannt

Das Umweltbundesamt (Uba) hat erhöhte MnHexP-Werte im Urin Erwachsener nachgewiesen, eine Behörde in Nordrhein-Westfalen in dem von Kindergartenkindern. Das BfR sieht „keinen Anlass für eine erhöhte Besorgnis“. In einer Stellungnahme erklärt das Amt, die Ursache der Belastung sei noch unklar, Quellen wie Sonnenschutzmittel würden diskutiert. Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch einen mit DnHexP verunreinigten UV-Filter seien aber unwahrscheinlich. Uba-Toxikologin Marike Kolossa erklärte dagegen vor wenigen Wochen, die in einzelnen Menschen gefundenen Konzentrationen seien so hoch, „dass eine Gesundheitsgefährdung nicht auszuschließen ist“.

Für einen möglichen Zusammenhang zwischen der Belastung in den Urinproben und dem UV-Filter DHHB gibt es verschiedene Hinweise: Spiegel nennt eine vom Verbraucherschutzministerium in Baden-Württemberg beauftragte Analyse. Diese zeige zum einen, wie verbreitet der UV-Filter DHHB ist: Er stecke in 40 von 57 Sonnencremeproben der vergangenen Jahre. Zum anderen erklärte die Behörde auf Anfrage des Spiegel, dass 21 Proben auch den Weichmacher DnHexP enthielten.

Außerdem zitiert das Magazin die Patentschrift EP4110754A1, welche BASF Anfang 2021 anmeldete. Sie zeigt laut Bericht, dass der Konzern offenbar seit drei Jahren von möglichen Verunreinigungen des UV-Filters mit DnHexP wusste – denn dass der Stoff bei der Produktion von DHHB „als Nebenprodukt“ anfällt, wird schriftlich erwähnt. Weiter heißt es, die Substanz könne „die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und das ungeborene Kind schädigen“, weshalb der Gehalt möglichst gering zu halten sei. Spiegel entnimmt Dokumenten der EU-Chemikalienagentur ECHA, dass BASF DHHB seit über 25 Jahren nutzt – seit 2019 soll die Menge einem Branchenkenner zufolge aber deutlich gestiegen sein.  

BASF äußerte sich nur indirekt zu den Vorwürfen: Der Konzern betont gegenüber Spiegel, ein Zusammengang zwischen Sonnenschutz und Urinwerten könne anhand der Daten nicht abgeleitet werden. Auch stelle nicht nur BASF den UV-Filter DHHB her. Ein Insider erwähnt gegenüber Spiegel jedoch, dass BASF zu den größten Lieferanten für DHHB in Europa zählt. 2023 verdoppelte die Firma die maximale jährliche Produktion durch ein zusätzliches Werk in China.

Weichmacher: Sicherheitsdatenblatt erwähnt Nebenprodukt nicht

Spiegel liegt auch ein DHHB-Sicherheitsdatenblatt vor, welches nicht erwähnt, dass der Stoff mit DnHexP verunreinigt sein kann. Spiegel konfrontierte BASF mit dieser Intransparenz. Der Konzern betont auf Anfrage nur „eigene weitergehende Sicherheitsbewertungen“ – diese würden zusätzlich zu gesetzlichen Vorgaben berücksichtigt.

Laut EU-Kosmetikverordnung ist DnHexP seit 2019 verboten. In Spuren darf ein verbotener Stoff trotzdem vorkommen, wenn sich dies technisch nicht vermeiden lässt und das Produkt trotzdem weiter als sicher für den Menschen gilt. Offizielle Grenzwerte für DnHexP gibt es bisher nicht.

Verwendete Quellen: Spiegel

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