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Due Diligence: Woran man erkennt, dass Unternehmen Verantwortung für ihre Lieferketten übernehmen

unternehmerische Sorgfaltspficht
Foto © Thomas Imo / Phototek

Hast du schon mal darüber nachgedacht, wie viele Stationen ein Kleidungsstück durchläuft, bis es bei dir im Kleiderschrank hängt? Dass es dabei nicht immer menschenwürdig und ökologisch verantwortungsbewusst zugeht, ist vielen bereits klar. Zunehmend erwarten Kund:innen von Unternehmen, sich um faire Arbeitsbedingungen entlang der globalen Lieferketten zu kümmern und Verantwortung für die ökologischen Auswirkungen ihrer Produktion zu übernehmen. Stichwort: Due Diligence! Was das genau bedeutet und worauf du als Konsument:in achten kannst, verraten wir hier.

Ein T-Shirt legt im Schnitt ca. 18.000 Kilometer zurück, bis du es im Laden anprobieren kannst. Zwischen den verschiedenen Produktionsschritten, von der Rohstoffgewinnung über die Produktion bis hin zur Lieferung, liegen aber nicht nur eine beträchtliche Menge an Kilometern, es sind auch sehr viele Menschen entlang dieser Lieferkette, zu ungleichen Bedingungen beschäftigt – und nicht selten werden dabei Menschenrechte missachtet.

Damit sich die Bedingungen verbessern, unter denen unsere Lieblingsprodukte hergestellt werden, müssen alle an einem Strang ziehen. Insbesondere Unternehmen müssen Umweltschutz und Menschenrechte entlang dieser gesamten Lieferkette noch stärker in den Blick nehmen. Doch was selbstverständlich klingt, ist eine komplexe Aufgabe:  Denn die Unternehmen von denen wir unsere T-Shirts, Jeans und Co kaufen, bestellen häufig selbst nur die Endprodukte und kennen die davor liegenden Lieferkettenstufen und ihre Betriebe häufig nicht. Hier den Überblick zu behalten, ist auch gar nicht so einfach. Denn statt einer einfach einsehbaren „Kette“ gibt es vielmehr ein undurchsichtiges „Geflecht“ aus zahlreichen unterschiedlichen Produktionsschritten, Anbietern und Subunternehmen, mit denen die Markenunternehmen keine eigenen Geschäftsbeziehungen haben.

Verantwortung für die Lieferkette zu übernehmen, setzt also erst einmal voraus, dass sich Unternehmen im Detail mit ihrer Lieferkette befassen. Denn erst wer seine Lieferkette kennt, kann die Herausforderungen in der Rohstoffgewinnung und der Herstellung angehen. Und diese Herausforderungen sind in der Textilbranche vielfältig: Von menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen, Hungerlöhnen, Diskriminierung und Belästigung am Arbeitsplatz über den Einsatz giftiger Chemikalien, mangelhaftem Emissions- und Abwassermanagement bis hin zu fehlenden Sicherheitsstandards bis hin zu Kinder- und Zwangsarbeit.

Herausforderung in der Rohstoffgewinnung und der Herstellung, Due Diligence Textilbranche
Der Einsatz von giftiger Chemikalien beim Färben ist eine Herausforderung in der Rohstoffgewinnung und der Herstellung. (Foto © : @tunart / iStock )

Due Diligence: Verantwortung für Lieferketten übernehmen

Doch was genau ist mit Due Diligence, der unternehmerischen Sorgfaltspflicht, eigentlich gemeint?

Unternehmerische Sorgfaltspflicht zu übernehmen heißt, dass Unternehmen die Verantwortung für ihre Lieferketten anerkennen, dass sie sich mit den spezifischen Risiken in ihrer Lieferkette auseinandersetzen und die negativen Auswirkungen der eigenen Geschäftstätigkeit auf Menschenrechte, Umweltbelange und Integritätsfragen wie Korruption analysieren.

Unternehmen müssen Maßnahmen ergreifen damit die Risiken, die von ihrem Geschäftsmodell ausgehen, im besten Fall nicht eintreffen und sie sollten darüber transparent berichten. Außerdem ist es wichtig dafür zu sorgen, dass sich Arbeiter:innen beschweren können, sollten ihre Rechte verletzt werden.

Die fünf Kernelemente der Sorgfaltspflichten basieren auf den Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen von 2011 und lauten wie folgt:

  1. Grundsatzerklärung
    Das Unternehmen verpflichtet sich öffentlich, Verantwortung für sein unternehmerisches Handeln zu übernehmen.
  2. Risiken identifizieren und priorisieren
    Direkte und indirekte Auswirkungen auf Menschenrechte und Umwelt in den Lieferketten müssen identifiziert und priorisiert sowie entsprechende Prozesse zur Verbesserung etabliert werden.
  3. Prävention und Milderung
    Die Erkenntnisse von Risikoanalysen werden künftig in Geschäftsbereiche und Abläufe integriert. Effektive Maßnahmen werden vom Unternehmen ergriffen.
  4. Transparent berichten
    Änderungen und Maßnahmen müssen nachvollziehbar sein. Öffentliche Berichte über den Umgang mit identifizierten Risiken und deren Auswirkungen sind also ebenfalls Pflicht.
  5. Beschwerden berücksichtigen
    Außerdem sind Unternehmen verpflichtet, einen geeigneten Zugang für Beschwerden von betroffenen Arbeiter:innen entlang der Lieferkette zu fördern.

Sorgfaltspflichten müssen vom Unternehmensmanagement gewollt und gefordert werden, vor allem aber müssen die Einkaufspraktiken überprüft werden. Drängen Unternehmen z.B. auf kurze Lieferfristen und niedrige Preise, hat das in der Regel einen negativen Einfluss auf die ganze Kette. Fordern sie hingegen von Lieferanten und deren Zulieferern einen sorgsamen Umgang mit Chemikalien, Vorgaben für Gebäudesicherheit oder geregelte Arbeitsverträge, das Einhalten von Mutterschutz und begrenzte Arbeitszeiten, kann das zu Verbesserungen in den Zulieferbetrieben führen.

Wichtig ist vor allem, dass Vertrauen zwischen beauftragendem Unternehmen und den Zulieferern zu stärken, damit Risiken gemeinsam adressiert und angegangen werden können.

Um konkrete und nachhaltige Lösungen für globale, ökologische und menschenrechtliche Herausforderungen zu definieren, müssen Unternehmen umdenken: Es gilt nicht nur die eigenen Geschäftsrisiken in den Blick zu nehmen, sondern auch die Risiken, die von der eigenen Geschäftspraxis ausgehen könnten. Hinter dem etwas sperrigem Begriff unternehmerische Sorgfaltspflicht steht ein kontinuierlicher Prozess, in dem das Unternehmen nach und nach tiefer in die eigene Lieferkette schaut, die Risiken immer besser versteht und immer wirkungsvoller gegen schadhafte Folgen vorgeht. Der Sorgfaltspflichten-Ansatz ist risikobasiert: D.h. Kern dieses Prozesses sind immer die tatsächlichen Risiken in der eigenen Kette. Natürlich gibt es sektorspezifische Risiken, die unter anderem von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) definiert sind.

Erfahre mehr über die Kriterien

Grüner Knopf: Staatliches Siegel für nachhaltig hergestellte Textilien

Sorgfaltspflichten in der Textilbranche sind Kern des staatlichen Siegels Grüner Knopf. Der Grüne Knopf wurde 2019 ins Leben gerufen. Er kennzeichnet nachhaltig hergestellte Textilien von verantwortungsvollen Unternehmen. Dabei leistete das staatliche Siegel Pionierarbeit: Erstmalig wurden die Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte in prüfbare Kriterien überführt.  

Wer sein Produkt mit dem Grünen Knopf auszeichnen lassen möchte, muss seinen Sorgfaltspflichten nachkommen und sich in einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess begeben.

Kaufst du ein Kleidungsstück mit dem Grünen Knopf, kannst du dir sicher sein, dass unabhängige Prüfstellen kontrolliert haben, wie das Unternehmen seine Lieferkette steuert. Sprich: ob es der Due Diligence, also seiner unternehmerischen Sorgfaltspflicht, nachkommt. Die Anforderungen des staatlichen Siegels werden kontinuierlich weiterentwickelt. Die nächste Standardversion, der Grüne Knopf 2.0, soll im Sommer 2022 vorgestellt werden.

Er wird zunehmend von Unternehmen erwartet, dass sie ihren unternehmerischen Sorgfaltspflichten, auch Due Diligence genannt, nachkommen und entsprechend handeln (Foto © Roberto Westbrook / Getty Images)

Lieferkettengesetze für eine Globalisierung mit Verantwortung

Lange Zeit wurde darum gestritten, ob Unternehmen eine Verantwortung für die Arbeitsbedingungen bei ihren Zulieferern haben und welche diese sind. Mit der Verabschiedung der Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen 2011 hat dieses Ringen ein Ende gefunden.

Unternehmen haben eine Sorgfaltspflicht für ihre Lieferkette, die nun definiert ist und die zunehmend auch gesetzlich eingefordert wird, so auch in Deutschland.

Am 25. Juni 2021 wurde im Bundestag das sogenannte Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz verabschiedet. Ziel: den Schutz der Menschenrechte in globalen Lieferketten verbindlich zu machen. Das Gesetz gilt ab 2023 für alle Unternehmen ab 3.000 Beschäftigten und ab 2024 für alle Unternehmen mit 1.000 und mehr Beschäftigten.

Auch auf EU-Ebene wird die Einführung eines solchen Gesetzes diskutiert, um für Unternehmen im europäischen Markt gleiche Anforderungen zu setzen.

BU: Bei einem Produkt mit dem staatlich geprüften Textilsiegel Grüner Knopf wissen Konsument:innen, dass dies von verantwortungsvoll handelnden Unternehmen hergestellt wurde. (Foto @ Grüner Knopf)

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