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E-Waste: Der Preis der Smartphone-Innovation

© Fairphone

Weltweit werden jährlich mehr als 50 Millionen Tonnen E-Waste produziert – Tendenz steigend. Welche Auswege gibt es aus dieser weitreichenden Umweltkatastrophe und was hat die Smartphone-Industrie damit zu tun?

Diese Geschichte beginnt verhältnismäßig unscheinbar – mit unserem letzten Smartphone: Letztes Jahr noch treuer Begleiter, dieses Jahr auf den Elektro-Friedhof verbannt. Oft ist es diese eine Kiste auf dem Dachboden oder in der hintersten Ecke des Kellers. Voll vergessener Aufladekabel, eventuell noch zu rettender Gameboys und einer traurigen Ansammlung aussortierter Handys. Dazu ein wirrer Kabelsalat. Verstaut, verstaubt und vergessen.

Alternativ gibt es den Ansatz: „Bloß weg damit, bevor sich das hier noch anstaut.“ Doch wo oder was ist eigentlich „weg“?

E-Waste verschwindet nicht einfach

„There is no such thing as ‘away’” gibt die US-amerikanische Umweltaktivistin Annie Leonard zu bedenken und rückt damit eine unbequeme Wahrheit in den Fokus: „Aus den Augen, aus dem Sinn“ funktioniert bei unseren alten Elektronik-Gadgets nicht.

Wagen wir deshalb eine Rekonstruktion von unserem kürzlich weggeworfenen Handy über eine beunruhigende Dynamik unseres Zeitgeistes bis hin zu einer globalen Umweltkatastrophe unfassbaren Ausmaßes.

E-Waste alte Handys Fairphone
Alte Handys landen oft ungeachtet im Müll. (© Fairphone)

Mal angenommen, wir denken in diesem Moment daran, uns ein neues Smartphone anzuschaffen. 1,5 Milliarden andere Menschen denken gerade dasselbe. Während wir die neue Errungenschaft auspacken und einrichten, wird das alte Gerät überflüssig und landet früher oder später im Müll.

Nach der Entsorgung wandert das Handy auf die örtliche Mülldeponie, wo es zertrümmert, zerstampft und/oder verbrannt wird, bis alles, was einst sicher im Inneren verstaut war, herausquillt und über Monate, Jahre und Jahrzehnte in den Boden und das Grundwasser sickert.

Muss uns ein einzelnes Smartphone, das in einer Müllkippe verendet wirklich beunruhigen? Nach aktuellen Schätzungen verfügen rund fünf Milliarden Menschen über mobile Endgeräte. Etwa die Hälfte davon besitzt mindestens ein Smartphone. Überlegt man sich nun, wie viele dieser Besitzer bereits ihr zweites, drittes oder viertes Handy haben, nimmt das Ganze andere Formen an. Letztendlich lässt sich festhalten, dass im Laufe der letzten drei Jahrzehnte Milliarden von Handys weggeworfen wurden. Und die spielen nur eine untergeordnete Rolle in einer viel größeren Geschichte: der globalen E-Waste-Flut.

Die E-Waste-Flut und ihr globales Ausmaß

Fünfzig Millionen Tonnen Elektroschrott pro Jahr, Tendenz steigend: Die Vereinten Nationen sprechen von einem “Tsunami”. An dieser enormen Menge an Elektroschrott wird seine doppelte Identität als Umweltgeißel und potenzielle wirtschaftliche Ressource deutlich.

E-Waste Elektroschrott Fairphone
Smartphones enthalten neben giftigen Substanzen auch wertvolle Elemente wie Gold, Silber und Kupfer. (© Fairphone)

Obwohl sie oft mit Blei, Quecksilber und anderen toxischen Substanzen versetzt sind, enthalten Smartphones auch wertvolle Elemente wie Gold, Silber und Kupfer. Hinter dem Bildschirm in unserer Hand sind über 30 nicht erneuerbare Mineralien verarbeitet, jedes mit einer eigenen komplizierten Geschichte. Dennoch werden kaum 20% des weltweiten Elektroschrotts gesammelt und an offizielle Recycling-Betriebe geliefert. Das Schicksal der übrigen 80% ist kaum dokumentiert. Eine Untersuchung des Basel Action Network (BAN), an der auch Greenpeace beteiligt war, zeigt jedoch, dass europäischer Elektroschrott trotz internationaler Verbote in asiatische und afrikanische Länder exportiert wird.

Die E-Waste-Problematik erfordert ein gesellschaftliches Umdenken

Da die globale Elektroschrottmenge jedes Jahr um vier bis fünf Prozent zunimmt, werden Forderungen lauter, das Problem durch eine Kombination aus politischen Reformen und Anstrengungen der Industrie anzugehen. Doch um den weltweit am schnellsten wachsenden Abfallstrom einzudämmen, müssen sowohl Hersteller als auch Verbraucher ihre Einstellung zu Elektronikgeräten ändern. Und damit wären wir wieder bei unserem letzten Smartphone und bei der Frage, warum es eigentlich aussortiert werden musste?

Erfahre mehr über Recycling von Smartphones

Nehmen wir uns einen Moment Zeit und sehen uns in unserer unmittelbaren Umgebung um. Die Chance ist relativ hoch, dass mehrere elektronische Geräte in Sichtweite liegen. Wie viele davon könnten wir selbst reparieren? Und ganz ehrlich, was wäre, wenn die Reparatur kaum günstiger wäre, als ein ganz neues Gerät anzuschaffen? Der Austausch eines zersplitterten Bildschirms ist z.B. oft kostspielig und vergleichsweise kompliziert. Und in einer Zeit, in der wir immer technikorientierter werden, ist es üblich, einfach auf das nächste innovative Gerät “upzugraden”.

Neukauf schlägt meist die Reparatur

Allerdings ist der Begriff Innovation in Zusammenhang mit Smartphones ähnlich aussagekräftig wie das Wort “weg”. Wir alle werden ermutigt, Innovation zu feiern, während Wartung und Reparaturen oft als lästige Pflicht abgetan werden. Defekte Geräte, zerrissene Kleidung oder Autos, die nicht anspringen – Reparaturen scheint der Reiz der Innovation meist zu fehlen.

Fairphone recycling Smartphone reparieren
Reparaturen werden in unserer Gesellschaft oft als lästig empfunden, der Reiz des neuen Elektrogeräts wiegt weit höher. (© Fairphone)

Die Technologie der Smartphones ist beinahe identisch

In den letzten Jahren gab es einen Trend zur Technologie-Konvergenz. Selbst Geräte der Mittelklasse bieten heute weit mehr Rechenleistung und Speicher, als die meisten von uns benötigen. Fotografieren, verschiedene Apps benutzen, Telefonieren und Navigieren, all das ist problemlos möglich, sogar auf Einsteiger-Modellen.

Nimmt man die Technologie hinter diesen Funktionen genauer unter die Lupe, ähnelt sich hier vieles. So gibt es nur eine Handvoll Anbieter, die praktisch den gesamten Markt beliefern. Der Trend hinter den Kulissen dieser Industrie ist deutlich: Je mehr die Smartphones einander ähneln, desto mehr wird uns gesagt, dass sie sich unterscheiden.

Anstatt sich ausschließlich mit den unterschiedlichen Details zu beschäftigen, wäre es deshalb ehrlicher zu sagen, dass die meisten Smartphones heute grundlegend identisch sind. Wer also ein funktionierendes Smartphone besitzt, tut gut daran, sich der Anziehungskraft des technischen Fortschritts für eine Weile zu entziehen und das Gerät so lang wie möglich zu nutzen.

Wir sollten reparieren können, was wir besitzen

Hinter dieser Entscheidung stehen unsere Verantwortung für die Umwelt, unser Verständnis von Konsum und die Ablehnung unserer Wegwerfgesellschaft – und die Frage: Wem gehören die Produkte, die wir kaufen? Wenn die Antwort „uns“ ist, sollten wir dann nicht in der Lage sein, das zu reparieren, was wir besitzen? Denn wenn unsere Technologie intelligent ist, wir aber ihr Innenleben oder ihre sozialen und ökologischen Auswirkungen nicht kennen, wie können wir dann behaupten, dass wir uns (technologisch) weiterentwickeln? Unternehmen und Verbraucher sollten eine zeitgemäße Antwort auf diese Frage finden.

Für die Zukunft der Technologie und unseres Planeten ist es unerlässlich, dass wir die Kontrolle über unsere Produkte haben – und nicht umgekehrt. Im Idealfall wird dies eine Zukunft sein, in der Reparatur weniger Rebellion als Selbstverständlichkeit ist.

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