Unterlassungserklärung: Amazon soll verkaufte Elektrogeräte zurücknehmen

© DUH

Amazon missachtet die gesetzliche Rücknahmepflicht von Elektrogeräten und lässt Verbraucher mit ihrem Elektroschrott allein, sagt die Deutsche Umwelthilfe und fordert daher vom Online-Handelskonzern eine Unterlassungserklärung und einen sofortigen Stopp der Gesetzesverstöße.

Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) verweigert Amazon die in Deutschland nun gesetzlich vorgeschriebene Rücknahme von Elektroschrott. Dem Verein lägen mehrere Beschwerden von Verbrauchern vor, die versucht hatten, ihre Recht als Verbraucher wahrzunehmen und defekte Elektrokleingeräte dem Händler zur Entsorgung zurückzugeben. Sie wären „falsch oder überhaupt nicht über die Rückgabemöglichkeiten von Elektrogeräten informiert und in vielen Fällen zurückgewiesen“ worden.

„Amazon hatte, wie alle anderen Handelsunternehmen, neun Monate Zeit, sich auf die Rücknahme von Elektrogeräten vorzubereiten. Die DUH hat acht Wochen vor dem Start dieser Verpflichtung alle großen Händler für Elektrogeräte angeschrieben und auf die verbraucherfreundliche Ausgestaltung der Rücknahmepraxis hingewiesen“, sagt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer. „Es ist ein Skandal, dass der Handel die gesetzlichen Vorgaben nun nicht erfüllt.“

Elektroschrott-Gesetz: jeder kann überall zurückgeben

Verbraucher können neuerdings Elektronik und elektrische Geräte mit einer Kantenlänge von weniger als 25 Zentimeter ohne Geräteneukauf bei jedem Händler zurückgeben, der mehr als 400 qm Verkaufsfläche für Elektro- und Elektronikgeräte hat, oder, bei Onlinehändlern, mehr als 400 qm Versand- und Lagerfläche für Elektro- und Elektronikgeräte.

Amazon blendet derzeit nur einen extrem mickrigen Hinweis ein:

Amazon Elektroschrott-Rücknahme-Hinweis
Der Amazon-Hinweis zur Elektroschrott-Rücknahme (Screenshot: amazon.de)

Dieser führt allerdings nur zum Rücknahmesystem der Deutschen Post (Elektroreturn).

Aus Sicht der Umwelthilfe ist es eine Schein-Rücknahme, mit der Amazon sich aus der Verantwortung stiehlt. „Eine Rücknahmemöglichkeit muss dem Kundendienst bekannt sein, damit sie bei Kundenanfragen klar kommuniziert werden kann. Das ist derzeit nicht der Fall“, klagt Philipp Sommer von der DUH auf Utopia-Anfrage.

Außerdem sei es den Kunden nicht zuzumuten, dass sie Geräte einpacken und versenden müssen. „Abgesehen von Problemen mit Lampen und Hochenergiebatterien, wo Bruch- und Brandgefahren bestehen, sinkt durch die Notwendigkeit der verpackten Rücksendung die Motivation für die Kunden, die Möglichkeit der Kleingeräterückgabe auch wirklich in Anspruch zu nehmen.“

Doch was müsste Amazon nun eigentlich tun? Dazu Philipp Sommer: „Amazon muss stationäre Rücknahmestellen aufbauen, und das in zumutbarer Entfernung zum Verbraucher.“ Davon ist derzeit nichts zu sehen.

Rechtlich gegen Amazon vorgehen

Als klageberechtigte Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation hat die DUH ein Rechtsverfahren gegen den Handelskonzern eingeleitet und diesen am 2. August 2016 aufgefordert, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung zu unterzeichnen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Amazon in Zukunft Verbrauchern die Rückgabe defekter Elektrogeräte gewährt.

„Amazon verweigert die Rücknahme und sachgerechte Entsorgung von Altgeräten und lässt so die Verbraucher mit dem Elektroschrott allein. Zur Ertragsmaximierung werden Umweltgesetze gebrochen, Verbraucher falsch informiert und rechtswidrig zurückgewiesen“, kritisiert der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Link-Tipp: Verbraucherblogger Daniel Brückner hat 103 Shops auf verschiedene Weise kontaktiert und über eine erfundene Frau versucht, einen Toaster mit kleineren Maßen als 25x25x25 Zentimeter als Elektrokleingerät zurückzugeben. Nur bei 23 Online-Shops wäre die Rückgabe gelungen, die meisten anderen Shops lehnten auf die eine oder andere Weise ab, 10 reagierten gar nicht. Zu den Sündern gehörte auch Amazon: „Der Kundenservice von amazon.de hat es nach 2 unverständlichen Antwortemails abgelehnt, den Toaster zu entsorgen“, so Brückner in seinem Fazit, und wie wahrscheinlich auch bei DUH lag es auch dort wohl daran, dass der Konzern es im vergangenen Jahr versäumt hat, seine Mitarbeiter entsprechend zu informieren – „ein Fehler des Kundenservicemitarbeiters“ trug man auf testbericht.de nach.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Elektroschrott-Rücknahme bei Onlinehändlern oder im stationären Handel gemacht? Schreibt uns in den Kommentaren!

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(22) Kommentare

  1. Was für ein Käse. „Amazon soll stationäre Rücknahmestellen errichten“. Und alle anderen Onlineshops dann auch? Die DUH sucht anscheinend unbedingt ein Thema um wieder in die Nachrichten zu kommen und da ist Amazon natürlich auf der Liste ganz oben. Der Link auf den Seiten bei Amazon zum kostenlosen Retournieren ist doch super, was will man denn noch? Das ist ein ONLINE-Shop und nicht der Mediamarkt.

  2. Irgendwie deckt sich der Artikel von Testberichte.de auf den ihr verlinkt nicht mit eurer Aussage. Vielleicht wurde er ja aktualisiert. Da steht das es wohl eine fehlinformation eines Mitarbeiters war und Amazon sehr wohl kostenlos zurück nimmt.

  3. „Stationäre Rücknahmestationen“. So ein Blödsinn. Sorry, aber dass ein Onlineversender, egal ob Amazon oder sonstwer, auf sowas keinerlei Lust hat, versteht sich wohl von selber.

    Und wo bitte liegt das Problem mit dem Verpacken? Einmal Packpapier drumherum, drei Kleckse Packklebeband, fertig. Damit zur nächsten Postfiliale zu dackeln ist weniger Aufwand als der Weg zum örtlichen Media-Markt o.Ä.

    Alternativ gibt es bereits flächendeckend Stationen, wo man den Kram genauso gut loswerden kann. Nennen sich „Recyclinghöfe“.

  4. „Sorry, aber dass ein Onlineversender, egal ob Amazon oder sonstwer, auf sowas keinerlei Lust hat, versteht sich wohl von selber.“
    Richtig, aber ob der Lust hat oder nicht, ist in diesem Zusammenhang völlig irrelevant.

  5. „Alternativ gibt es bereits flächendeckend Stationen, wo man den Kram genauso gut loswerden kann. Nennen sich „Recyclinghöfe“.“
    … die aus den Müllgebühren der Bürger finanziert werden müssen.

  6. Und Händler finanzieren es über den Verkaufspreis.

    Ökonomisch ist das Prozedere eh hirnrissig. Das Recycling frisst mehr Geld als es einspart. Deshalb mache ich es schon immer und auch zukünftig sehr einfach: Elektroschrott landet in der Müllverbrennung. Plastik wird zu Energie recycelt und Metall aus der Asche ausgesiebt. Dort wo es ökonomisch sinnvoll ist, profitiere ich selbst, indem ich beispielsweise mein ausrangiertes Handy noch einmal verkaufe und Geld dafür bekomme.

  7. „Und Händler finanzieren es über den Verkaufspreis.“
    Nennt sich Verursacherprinzip.

    „Ökonomisch ist das Prozedere eh hirnrissig. Das Recycling frisst mehr Geld als es einspart.“
    Belege diese Behauptung bitte mal. Und vielleicht ist sogar dir in dem einen oder anderen lichten Moment klar, dass es nicht ausschließlich darum geht.

    „Deshalb mache ich es schon immer und auch zukünftig sehr einfach: Elektroschrott landet in der Müllverbrennung…“
    Und wahrscheinlich bist Du auch noch stolz auf dein dummes und asoziales Verhalten.

  8. Würde Recycling mehr Geld einsparen, als es kostet, würde ich von Aufkäufern Geld bekommen, wenn ich dort etwas abgebe. Das ist auch der Fall – bei Papier und Metall.

    Ich empfinde keinen Stolz, wenn ich etwas zum Müll trage. Ich handle ökonomisch sinnvoll. Auch ökologisch ist es sinnvoll, denn es wird keine Energie in unnötige und teure Recyclingversuche gesteckt und in der Müllverbrennung werden Kunststoffe zu Energie recycelt und das übrigbleibende Metall wieder eingeschmolzen. Schadstoffe werden durch Filter zurückgehalten.

    Ich wohne übrigens unweit einer der größten deutschen Müllverbrennungsanlagen.

  9. Daß man Elektroschrott auch anderweitig als beim Händler entsorgen kann, mal außen vor gelassen.
    Es ist auf jeden Fall eine schwere Benachteiligung, wenn der stationäre Handel zur Rücknahme gezwungen ist, und Amazon nicht.
    Und die paar Hansel, die der Meinung sind, es dennoch in die Müllverbrennung geben zu müssen, fallen da zahlenmäßig nicht ins Gewicht.

  10. Wie hoch ist denn die tatsächliche Rücknahmequote von verkauften Elektrogeräten? Nur dann kann man ja beurteilen, ob etwas ins Gewicht fällt oder nicht.

  11. Interessante Aktion, aus meiner Sicht aber nicht erfolgversprechend. Amazon ist so ähnlich wie Ebay nur der virtuelle Marktplatz. Das Ansinnen der DUH ist so, als würde sie auf einem Wochenmarkt vom Marktleiter verlangen, dass er Elektroschrott zurück nimmt, nur weil hin und wieder mal ein Trödler CD-Player o. ä. verkauft. Hier ist aber nicht der Marktleiter, sondern der Händler selbst zuständig.

    Ich stelle mir gerade vor, dass jemand, der einen neuen CD-Player braucht, auf dem Trödelmarkt einen kauft und dem Verkäufer auffordert, den defekten zurück zu nehmen. Manche machen das wahrscheinlich, andere werden sagen: Ich habe nur 40 m² Lager, muss also nichts zurück nehmen. Was tun? Doch zum Marktleiter gehen?
    Oder besser direkt zum örtlichen Müllverwerter? Die haben inzwischen alle so eine Stelle für Elektroschrott.

    Genau so ist es bei Amazon und Ebay: Nicht die Plattform, sondern jeder einzelne Händler ist zur Rücknahme verpflichtet. Und ich weiß, dass etliche Händler auf diesen Plattformen tatsächlich ganze Lagerhallen betreiben, viele aber auch nur ein Zimmer als Lagerraum haben und die meisten nur einmal im Jahr Gebrauchtes verkaufen, also nicht der Rücknahmepflicht unterliegen. Ich bin noch sehr gespannt, wie der Verbraucher heraus finden soll, wer nun Altgeräte zurück nehmen muss und wer nicht. Denn zu jedem hinfahren und die Lagerräume ausmessen kann auch nicht der Weg sein.

  12. „Amazon ist so ähnlich wie Ebay nur der virtuelle Marktplatz. “
    Der Vergleich stimmt nicht ganz, weil Amazon sehr wohl gleichzeitig als Händler auftritt.
    Amazon müßte also wenigstens bei den eigenen Produkten für die Rücknahme sorgen.
    Keine Ahnung, ob das so differenziert untersucht wurde?

  13. Interessant. Unter welchem Usernamen verkauft Amazon selbst? Unter dem Namen Amazon? Das würde dann zumindest erklären, warum Amazon behauptet, keine Pastete aus Stopfleber zu verkaufen (ich weiß, ist ein anderes Thema), aber Händler unter anderem Usernamen verkaufen auf der Plattform Amazon doch welche. Demnach muss man sowohl dort als auch beim Elektroschrott unterscheiden Amazon als Plattform und Amazon als Händler. Ich weiß nur noch nicht, wie das geht.

  14. Also wenn ich das so lese bin ich wieder mal sehr froh hier zu wohnen. Bei uns läuft das so: Kleingeräte kann man auf dem Bauhof einfach abgeben und muss dafür nicht in die Kreisstadt zum Händler fahren, wenn man Großgeräte hat ruft man eine Hotline an und erhält einen Abholtermin innerhalb von max. 4 Wochen. Alle Geräte landen bei einer “ Firma“ vom Kreis. Dort arbeiten Leute mit Behinderung, Jugendliche die sonst keinen Ausbildungsplatz bekommen haben, Flüchtlinge etc. Die Geräte werden durchgeguckt wenn möglich Repariert, ansonsten zerlegt und als Ersatzteillager verwendet. Was dann übrig bleibt wird getrennt dem Recycling zugeführt. Die Reparierten Geräte landen im Sozialkaufhaus. So Finanziert sich ganze zum größten Teil. Das selbe machen die auch mit Möbeln und allem möglichen anderem Kram. Finde ich eine sehr gute Lösung da vieles wieder verwertet wird, Hausrat für Sozialschwache da ist, viele Jugendliche eine Ausbildung bekommen, Flüchtlinge einen Start ins Berufsleben usw.

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