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Elektroschrott entsorgen: Was du jetzt wissen musst – 10 Tipps

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Fotos: CC0 Public Domain / Unsplash – Ashkan Forouzani (L), Justus Menke (R)

Für Elektroschrott gelten seit 2018 neue Regeln: Einfach in den Hausmüll werfen ist verboten, Elektronikmärkte müssen ihn zurücknehmen, ebenso Onlineshops. Utopia nennt die wichtigsten Fakten und gibt 10 Tipps für die richtige Entsorgung von Elektrogeräten.Fast jeder Deutsche schmeißt laut Statistik jährlich 450 Kilo Dinge „weg“, davon bis zu 20 kg Elektroschrott. Und wir sind nicht allein: 2019 landeten weltweit 53,6 Millionen Tonnen Elektroschrott im Müll, das entspricht der Masse von 5.300 Eiffeltürmen (ITU).

Während die Kartoffelschale eine Biotonne, die Zeitung eine Papiertonne hat, gibt es für Elektroschrott aber keine gesonderte Hausentsorgung – doch in den Hausmüll darf alte Elektronik nicht!

Elektroschrott entsorgen: die 7 wichtigsten Fakten

  1. Rücknahme ist Pflicht. Der komplette Handel muss Elektroschrott in Form ausgedienter Elektro- und Elektronikgeräte zurücknehmen. Auch Lampen und Produkte mit eingebauter Elektronik fallen seit 2018 darunter, zum Beispiel elektrisch verstellbare Schreibtische und blinkende Turnschuhe.
  2. Rücknahmepflicht gilt für (fast) alle: Das Elektrogesetz gilt nicht nur für den stationären Einzelhandel, sondern auch für den Onlinehandel. Es gilt, sofern Läden auf mehr als 400 Quadratmeter Elektrogeräte verkaufen (stationärer Handel) oder mehr als 400 Quadratmeter Versand- und Lagerfläche haben (Onlinehandel).
  3. Große Geräte: Elektroschrott gegen Neuware. Für die Entsorgung von großen Elektrogeräten wie Fernseher oder Kühlschrank beim Händler gilt: Sie müssen immer dann kostenlos zurückgenommen werden, wenn ein entsprechendes Gerät neu gekauft wird.
  4. Kleine Geräte: Rücknahme bedingungslos. Kleinere Geräte sind laut Gesetz solche, deren Kantenlänge unter 25 Zentimeter beträgt. Das sind zum Beispiel Smartphones, Rasierer, elektronische Zahnbürsten. Sie können kostenlos zurückgegeben werden, auch dann, wenn man kein Neugerät erwirbt.
  5. Wegschmeißen ist verboten. Bürger müssen Elektroschrott sachgerecht entsorgen – das schreibt schon lange das Elektrogesetz „ElektroG“ vor (PDF). Es setzt eine EU-Richtlinie um, durch die immerhin 65 Prozent des Elektromülls recycelt werden soll. Denn in vielen alten Geräten stecken Stoffe, die wertvoll und/oder gefährlich sind. Nur im Rahmen einer sachgerechten Entsorgung können diese Inhaltsstoffe wiederverwendet, gefährliche und giftige Substanzen aus dem Elektroschrott isoliert und aufbereitet werden. Platinen zum Beispiel enthalten Gold, seltene Erden, Kupfer, Zinn, Blei und mehr.
  6. Informationspflicht: Unternehmen sollen eine Sammelquote der Altgeräte von 65 Prozent vorweisen – und öffentlich darüber informieren, wie viele Altgeräte gesammelt und wie viele der Rohstoffe zurück in den Kreislauf gebracht wurden.
  7. Retoure-Vernichtung verboten: Gerade Online-Shops bekommen häufig funktionsfähige Elektrogeräte zurückgeschickt, da Kund:innen ein 14-tägiges Rückgaberecht haben. Die Händler haben seit 2020 eine sogenannte „Obhutspflicht“ und dürfen die intakten Retouren nicht einfach vernichten.

Elektrogeräte entsorgen: Die besten Tipps

So oder so: Elektroschrott ist ein wachsendes Problem. Mit dem Komfort der Elektroniknutzung geht auch die Verantwortung einher, die Umweltprobleme nicht länger zu ignorieren. Die folgenden 10 Tipps können helfen.

Elektroschrott: Wohin damit?
Elektroschrott: Wohin damit? (Foto: Apdency (CC0, Public Domain))

1. Elektroschrott vermeiden

Das Beste wäre ja, wenn Elektroschrott gar nicht erst entstünde. Wir Konsument:innen sind es ja, die ihn kaufen – in Form von Geräten. Frage dich also bei jedem Gerät, dass du kaufst: Brauche ich das wirklich? Wann wird es wohl zu Schrott werden? Könntest du das bestehende Gerät nicht einfach weiter verwenden und so seine Lebensdauer erhöhen?

Gerade Elektronik- und Onlineshops machen es uns viel zu leicht, uns ständig neue Sachen zu kaufen. Tut es nicht auch was Gebrauchtes? Geräte gebraucht zu kaufen verlängert aktiv die Lebensdauer von Geräten und reduziert Elektroschrott.

2. Elektronik: Alles, was Akkus hat

Wo fängt eigentlich Elektronik an? Schon bei einem Wecker? Hilfreich ist folgende Faustregel: Alles, was mit einem Stromkabel oder mit Batterien bzw. Akku betrieben wird, egal ob fest oder austauschbar, darf nicht in den Hausmüll. Dazu zählen auch Steckdosen und Lichtschalter.

Neuere Geräte erkennt man am Symbol einer durchgestrichenen Mülltonne. Es bedeutet: Dieses Elektrogerät muss fachgerecht entsorgt werden.

Das gilt natürlich auch für die Batterien und Akkus: Diese dürfen nicht in den Hausmüll. Stoffe wie Blei, Cadmium und Quecksilber sind zum einen giftig, zum anderen wertvolle Metalle, die ohne Entsorgung verloren gehen. Batterien sind leicht zu entsorgen: Fast jeder Drogeriemarkt hat inzwischen eine Altbatterienkiste in der Nähe der Kasse. Akkus entsorgen geht bei Händlern oder beim Wertstoffhof.

Elektroschrott muß sachgerecht entsorgt werden, sagt das Elektrogesetz
Elektroschrott muss sachgerecht entsorgt werden, sagt das Elektrogesetz (Quelle: ALBA Group/Boris Geilert)

3. Großgeräte: Rücknahme nur bei Neukauf

Großhandel und Fachgeschäfte sind eigentlich schon seit 2015 verpflichtet, große Elektro-Altgeräte kostenfrei zurückzunehmen. Klingt gut, wenn man gerade solchen Elektroschrott zu entsorgen hat, gilt aber nur beim gleichzeitigen Neukauf eines gleichwertigen Geräts. Und die Verpflichtung, Elektrogeräte zurückzunehmen, gilt für Geschäfte erst dann, wenn sie mehr als 400 qm Verkaufsfläche (für Elektrogeräte!) aufbieten. „Kleine“ Händler hat man aus Rücksicht auf die Verwaltungskosten von der Regelung ausgenommen.

Das Elektrogesetz gilt auch für Onlineshops: Haben sie Lager- und Versandflächen von mehr als 400 qm, sind auch sie beim Neukauf zur Rücknahme verpflichtet.

  • Das bedeutet: Ein typischer Saturn oder Media Markt könnte die erste Anlaufstelle für die Entsorgung von Elektroschrott wie Fernseher und Haushaltsgeräte sein – und das ist ja auch vernünftig so.
  • Allerdings bleiben durch die 400-qm-Regel die Lebensmittel-Discounter verschont. Dabei bieten sie regelmäßig billigste Elektronik-Artikel an.
Altgeräte kann man auch beim Saturn Flip4-New-Programm eintauschen
Defekte Großgeräte müssen Elektronikmärkte jetzt bei Neukauf zurücknehmen, funktionierende Altgeräte kann man beim Saturn Flip4-New-Programm gegen Gutscheine tauschen. (Fptp: Saturn online)

4. Kleingeräte: Rückgabe an den Fachhandel

Die „großen“ Fachhändler (>400 qm Verkaufsfläche) müssen Kleingeräte auch ohne Neukauf kostenfrei zurücknehmen und entsorgen. Als „klein“ gelten beim Elektrogesetz Geräte, bei denen keine Kante länger ist als 25 Zentimeter. Zu diesem Elektroschrott zählen zum Beispiel Handys, Netzteile, kleinteilige PC-Peripherie, aber auch ein Toaster, eine Elektrozahnbürste oder ein Föhn.

5. Kaputte Elektrogeräte entsorgen: Am einfachsten bei Wertstoffhöfen

Egal ob Lampen, alte Handys und Monitore oder Küchengeräte und Fernseher: Die regionalen Wertstoffhöfe sind die beste Möglichkeit, privaten Elektroschrott aller Art sachgerecht entsorgen zu lassen. Auf www.elektroschrott.de/wertstoffhoefe/ gibst du einfach deine Postleitzahl und Straße ein und erhältst eine Karte mit Pins auf den nächstgelegenen Wertstoffhöfen. Bei allen Pins sind Telefonnummer und Öffnungszeiten angegeben.

6. Elektroschrott abholen lassen

Über die Sperrmüll-Anmeldung beim kommunalen Entsorgungsbetrieb kannst du Elektrogroßgeräte ebenfalls loswerden. Zum Sperrmüll gehören neben den typischen Elektrogroßgeräten (Öfen und Herde, Geschirrspülmaschinen, Kühl- und Gefriergeräte, Fernsehgeräte, Waschmaschinen, Trockner) auch Lampen. Die Abholung und Entsorgung ist in der Regel kostenlos. Elektrokleingeräte werden meist nicht abgeholt.

Übrigens auch gut für die Umwelt: Den Stromanbieter wechseln – natürlich zu einem Ökostromanbieter.

7. Elektroschrott kostenlos der Post schicken

Mehrere Millionen Mobiltelefone und Tintenpatronen hat der Dienst „Electroreturn“ der Deutschen Post seit 2005 (als das erste Elektrogesetz entstand) fachgerecht entsorgt und recycelt. Inzwischen gibt es den Dienst nicht mehr, aber durchaus andere Möglichkeiten, sein altes Handy zu entsorgen.

Verwende beispielsweise das im Prinzip gleiche System über die Aktionen von handysfuerdieumwelt.de und NABU und generiere damit Spendeneinnahmen.

8. Elektroschrott entsorgen: verkaufen statt wegschmeißen

Oft landen Elektrogeräte in der Schublade, weil man sie bei einem Neukauf noch aufhebt, weil sie noch funktionieren. Irgendwann sieht man dann ein, dass der Ersatz überflüssig ist und wirft ihn weg. Bei Geräten mit Akkus, die sehr lange nicht genutzt wurden, findet aber eine Tiefentladung des Akkus statt – sie gehen tatsächlich durch die lange Nichtbenutzung kaputt und werden erst durchs Aufheben zu Elektroschrott.

Besser ist daher: Weg mit allem, was du nicht brauchst. Zum Beispiel gebraucht verkaufen über Flohmärkte oder die üblichen Online-Plattformen wie Back Market, eBay, eBay KleinanzeigenreBuy oder Refurbed. Es gibt auch Spezialisten wie Geldfuermüll, die für defekte Elektronik Geld bezahlen (allerdings nicht viel).

9. Verschenken oder tauschen

Noch besser: Anstatt deine Elektrogeräte zu entsorgen, spende funktionierende Geräte oder verschenke sie im Bekanntenkreis oder über soziale Netzwerke. Es findet sich immer jemand, der etwas brauchen kann. Wohltätig geht es auch: So spendet die NGO Labdoo Notebooks an Schulen in der ganzen Welt.

Das Verschenknetzwerk freecycle.org organisiert gezielt städtische Gruppen, die Dinge verschenken. Eine andere Alternative ist das Tauschen gegen andere Dinge, die du vielleicht nötiger brauchst als das, was du loswerden willst – Plattformen findest du in der Bestenliste Tauschbörsen.

10. Reparieren statt wegwerfen

Nicht alles, was nicht mehr perfekt funktioniert, ist schon Elektroschrott, den du entsorgen musst. Viele Defekte lassen sich leicht beheben – wenn man nur weiß, wie. Kommerziell helfen Handy-Repair-Shops, die es inzwischen in vielen Städten gibt. Professionelle Hilfe findet man auch im Web.

Weniger kommerzielle Hilfe bieten Repair-Cafés, wo viele Menschen gerne Dinge reparieren. Die Seite kaputt.de vernetzt dazu Hilfesuchende und Reparaturdienste, bietet Anleitungen und helfende Spezialist:innen und informiert über Ersatzteile. In eine ähnliche Richtung geht die (meist englischsprachige) Reparaturhilfe-App iFixit.

Elektroschrott entsorgen, verlangt das Elektrogesetz
Elektroschrott entsorgen: Alte Handys und Smartphones nehmen verschiedene Organisationen zurück. (Foto: NABU)

Fazit: Elektroschrott ist vermeidbar

 In einer idealen Welt würden Elektrogeräte zu 100 Prozent recycelt und ihre Bestandteile wiederverwendet, so dass die Umwelt geschützt und Ressourcen geschont würden. Es bleibt aber immer noch ein enormer Aufwand, die Geräte erstens einzusammeln und zu Entsorgungsstellen zu bringen und zweitens die Stoffe zu trennen und neu zusammenzusetzen.

Besser ist daher, Elektroschrott erst gar nicht zu produzieren oder zumindest so weit wie möglich zu vermeiden – und wenn es Elektrogeräte zu entsorgen gibt, auf fachgerechte Entsorgung zu achten. 

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