Dariadaria: „Es ekelt mich an, wenn ich an Fleisch oder Käse denke“

Foto: © Andrea Cislaghi

Dariadaria ist der bekannteste Modeblog Österreichs, die Macherin Madeleine Alizadeh seit fast einem Jahr Veganerin. Was sich seither auf ihrem Blog verändert hat und worauf man bei veganer Mode achten muss, verrät die Bloggerin im Interview.

Seit wann bist du Veganerin? Und was hat dich dazu bewegt?
Ich lebe seit Anfang des Jahres vegan. Die Idee war schon länger in meinem Kopf, nachdem ich dann den Film „Earthlings“ gesehen hatte, eine Dokumentation über Fleischkonsum und Tierversuche, habe ich den Entschluss gefasst. Außerdem haben mein Freund und ich einen Hund – Mala. Wir dachten uns, wenn wir finden, dass es falsch ist Hunde zu quälen und zu töten, warum sollte es dann richtig sein andere Tiere zu quälen oder zu töten – und das für ein schnelles Essen oder ein Kleidungsstück.

Madeleine Alizadeh von Dariadaria mit Hund Mala
Madeleine mit ihrem Hund Mala (Foto: © Maximilian Salzer)

Was hat sich seitdem in deinem Leben und auf deinem Blog verändert?
Zuerst einmal hat es mir körperlich extrem gut getan. Ich habe, seitdem ich vegan lebe, viel weniger gesundheitliche Probleme. Auf dem Blog dreht sich jetzt natürlich viel mehr um vegane Restaurants, Rezepte und Kleidung. Ich habe auch ein veganes Kochbuch rausgebracht! Es war in jedem Fall eine der besten Entscheidungen meines Lebens, die ich noch nie bereut habe.

Vor allem als (Mode-) Bloggerin ist das ja eine besondere Entscheidung – die ganze Welt schaut beim Vegan-sein zu. Hast du ab und an denn auch „Rückfälle“? Und wenn ja, berichtest du auch über die?
Ich hatte bisher noch nie einen „Rückfall“ – es ist ja nicht so, als wäre ich auf Entzug! Ich bin gerne Veganerin und es ekelt mich an, wenn ich an Fleisch oder Käse denke. Natürlich ist es vorgekommen, dass man mir im Restaurant vorgegaukelt hat, dass zB. die Falafel vegan sind und ich erst danach herausgefunden habe, dass Ei drin war. Das ist so eine Sache am vegan leben: Solange man nicht alles selber kocht und auch außer Haus isst, kann man nie zu hundert Prozent sicher sein, dass das, was man da isst, auch wirklich komplett vegan ist. Ab und zu kaufe ich noch lokal produzierte Wollprodukte oder Kosmetika die nicht 100% vegan und tierversuchsfrei sind – da berichte ich aber auch ganz offen darüber.

Worauf muss man bei Mode achten, damit sie vegan bzw. fair ist? Warum ist es manchmal schwer, das herauszufinden?
Ich kaufe schon länger fair ein und als vegan dazu gekommen ist, stand ich vor einer neuen Herausforderung. Viele Kleidungsstücke sind vegan, aber nicht zwangsläufig nachhaltig hergestellt. Oft merkt man bei vermeintlich veganer Mode nicht, was alles nicht vegan sein könnte: Abseits von Textilien wie Leder oder Wolle sind die Kleber oft aus Gelatine oder Tierresten hergestellt. Es können auch Knöpfe aus Horn oder Seide (aus gekochten Seidenraupen) tierischen Ursprungs sein. Auf Jeans sind manchmal Lederpatches, die man auf den ersten Blick gar nicht sieht! Es gibt auch vermeintlich vegane Produkte wie z.B. Taschen aus dem Kunststoff Polyurethan. Vor allem bei großen Modehäusern ist dann allerdings nicht nachvollziehbar, ob z.B. der verwendete Kleber ebenfalls vegan ist. Eine gute Referenz ist die „peta certified vegan“-Zertifizierung – sie gibt Auskunft darüber, ob ein Produkt ganzheitlich vegan ist. Ein Zertifikat, das sowohl vegan als auch fair abdeckt, gibt es bisher noch nicht. Vegan und gleichzeitig fair einzukaufen ist wirklich schwer.

Madeleine Alizadeh von Dariadaria
Dariadaria gibt es seit 2010, mittlerweile lebt Madeleine von ihrem Blog. (Foto: © Daridaria)

Was fällt dir besonders schwer als Veganerin?
Wenn ich auf beruflichen Reisen bin und mir nicht selbst aussuchen kann, wo ich zu Abend esse. Ich verhungere natürlich nicht, aber ich finde es trotzdem nicht prickelnd, in ein Steakrestaurant zu gehen.

Hast du das Gefühl, dein Blog kommt besser an, seitdem du Veganerin bist, oder hast du eher Leser verloren?
Ich glaube, er polarisiert noch mehr als vorher. Einige Leute nervt das vegan sein total, aber in erster Linie, weil ihnen der Spiegel vorgehalten wird. Viele haben aber durch mich den Weg zum Vegetarismus oder Veganismus gefunden und danken mir für die Inspiration. Und das freut mich unheimlich!

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(13) Kommentare

  1. Mich würde interessieren, ob sie ihren Hund auch vegan ernährt. Ekelt sie dann das Fleisch im Hundefutter an?

    Für mich sehr seltsam, Ekel über Fleisch und Käse zu empfinden, wir bestehen als Menschen aus Fleisch, sogar das Haustier besteht aus Fleisch, Käse ist ein Naturprodukt, warum muss man als Mensch bzw. Modebloggerin gleich alles so sehen, als ob man es essen wollte?

    Oder sind das Ablösephänomene vom alten Ernährungsstil, Umschwung eines Intensivfleischessers zur Heiligenernährung?

    Veganimus, wenn ich das schon höre. Die eigene Lebensanschauung wird zur Doktrin.

    Mich bewegen solche Vorstellungen veganer Prominenz eher, vom veganen Glauben abzufallen. „Das ist so eine Sache am vegan leben: Solange man nicht alles selber kocht und auch außer Haus isst, kann man nie zu hundert Prozent sicher sein, dass das, was man da isst, auch wirklich komplett vegan ist.“ Lieber Gott, flüstere bitte die Idee ein, Brotzeit Behälter modisch zu verpacken, vielleicht erreicht es die unglückseligen Ausserhausveganessenverzweifelten.

    Nun noch die political correct Version: Find ich super, dass auch Modeblogger etwas über vegane Mode schreiben. Und sich Gedanken machen. Fleisch ganz arg bähh. Nein wirklich!

  2. Käse und Fleisch natürlich? Na da hast du aber einige Schritte übersprungen. Wann warst du denn das letzte Mal mit deinen Reißzähnen ein Tier jagen und hast es roh vertilgt? Wie, noch nie?
    Habe leider noch nie verstehen können, was an der Ablehnung von Mord und Ausbeutung eine Meinung sein kann, die man irgendwem aufzwingen könnte. Ich empfehle hiermit nur inständig den YouTube Kanal „Der Artgenosse“.

  3. >> Für mich sehr seltsam, Ekel über Fleisch und Käse zu empfinden, wir bestehen als Menschen aus Fleisch, sogar das Haustier besteht aus Fleisch, Käse ist ein Naturprodukt <<

    Ich schätze, sie ekelt sich nicht vor dem Fleisch an sich, sondern vor dem Gedanken und Wissen, wie es "hergestellt" wurde!
    Und ja, Käse ist ein Produkt aus Milch, welche – von Natur aus – Nahrung für kleine Kälber ist.
    Wenn man aber Kühe ständig künstlich schwängert, ihnen die Kälbchen dann wegnimmt, sie auf extra große Euter züchtet, Futter gibt, was sie eigentlich gar nicht vertragen, sie kaum auf eine Weide lässt, dann ist das extrem unnatürlich!
    Mir ist auch kein Säugetier bekannt, was im Erwachsenenalter die Nahrung der Babys einer anderen Spezies wegtrinkt. Abgesehen noch von den ganzen Medikamentenrückständen in der Milch… Also bitte nicht alles glauben, was die Werbung in schönen bunten Bildchen auf die Packungen pinselt.

  4. „Wann warst du denn das letzte Mal mit deinen Reißzähnen ein Tier jagen und hast es roh vertilgt? Wie, noch nie?
    Habe leider noch nie verstehen können, was an der Ablehnung von Mord und Ausbeutung eine Meinung sein kann, die man irgendwem aufzwingen könnte. Ich empfehle hiermit nur inständig den YouTube Kanal …“

    Also youtube brauche ich nicht, um mir eine Meinung zu bilden. Schau mir solche Zeitfresser zur Unterhaltung an, wenn Zeit gefressen werden soll.

    An mein letztes Mal kann ich mir sehr gut erinnern, die Reißzähne waren ein Angelhaken, statt roh wurde über dem Lagerfeuer gegrillt, es war ganz klar Mord und dazu stehe ich. Mich hat das als Jugendlicher tatsächlich bewegt und ich bin noch zur Schulzeit Vegetarier geworden, seit 27 Jahren bin ich weg vom Morden. Aktive Sterbehilfe kam aber schon vor, da stelle ich mir der Verantwortung.

    Ausbeutung begehe ich weiterhin ohne Absicht, weil ich atme, Pflanzen wie Tiere und natürlich Menschen emotional aussauge und – ich geb´s zu – manchmal Ameisen zertrete und Schnecken überfahre. Vielleicht sind vegane Schuhe die Lösung, mit Sensoren ausgestattet oder Fahrradreifen, die beim Überfahren die Luft so weit absenken, dass die Schleimtiere eine Chance haben.

    Lebe schließlich in der realen Welt. Statt der veganen Wunschwelt. Verbessern will ich mich weiterhin, doch mir graut es vor den veganen Überläufern, die ihre Moral zur neuen Ethik erheben, ohne sich auf ökologische Zusammenhänge einzulassen. Veganer Lebenstil kann komplett ökologievernichtend sein. „Nachhaltigkeit“ wird dann zum egoistischen Selbstzweck, den veganen Konsum zu ermöglichen.

    Stimme zu, es hat religiösen Charakter, wie sich manche Veganer gebärden, andererseits ist es allzu menschlich, die selbst gesetzten, gefunden oder erfundenen Lebensziele anderen anzubieten bis aufzudrängen. Überzeugungen wollen nun mal gelebt sein. In unserer Gesellschaft mit vielfältigsten Selbstverbesserungmethoden wird natürlich die Ernährungsweise, der Konsum zu einem zentralen Element des Lebensstils. Und manche veganen Blüten in der Konsumanalyse finde ich angebracht und wertvoll. Die Hersteller wollen immer sparen, höhere Gewinne bei der Produktion realisieren und nehmen die einfachen Lösungen, gemeint im Sinne von tierhaltigen Bestandteilen. Das geht anders und das finde ich wichtig dem Verbraucher zu kommunizieren.

    Der Trend zu veganen Fertigprodukten kann den Weg ebnen für eine nachhaltigere Ernährung der Masse. Trends zeugen von Interesse. Und wie beim kbA braucht es einen langen Atem, den Kunden mehr zu liefern als Marketingversprechen.

    Mit Ekel vor Fleisch als Argument kann ich weiterhin nichts anfangen. Das ist m.M. die falsche Richtung, das funktioniert bei Kindern. Erwachsene sollten in der Lage sein, die ganze Situation zu erkennen, von der Wiege bis zur Bahre, von allen Aspekten auf dem Produktions- wie Konsumweg, inklusive gesundheitlicher Faktoren und Verpackungsproblemen, nicht zu vergessen Erziehung und Bildung.

    Eine vegane Welt in Perfektion ist eine komplett andere als wir sie kennen. Schaffen wir bspw. die Jäger ab. Schaffen wir Zoos ab. Schaffen wir mediale Berichte über Wildtiere ab. So blenden wir auch Ökosysteme in der Natur aus. Weil ethisch inkorrekt. Wir setzen so eine vegane Ethik als neuen Standard. Was hat das für Konsequenzen, wo enstehen neue Konfliktsituationen?

    Ich würde mir vegane Spitzenpolitiker wünsche. In allen Ländern dieser Welt. Die optimale Voraussetzung für Frieden. Unter Menschen. Ohne Einfluß auf natürliche Ökosysteme, doch auch die wollen begleitet werden, auch Wildtiere mit Reißzähnen verdienen unseren Schutz, Artenschutz – das möchte ich einmal ins Gedächtsnis rufen. Sonst verbleibt der vegane Gedanke in einer Parallelwelt, hier die Menschen, dort die Tiere. Solche künstlichen Trennungen sehen wir doch seit Jahrzehnten mit dem Rückgang der bäuerlichen Kultur, die Kinder erleben keine Bauernhöfe mehr.

    Vermutlich würden vegane Eltern ihren Kindern auch einen Besuch verbieten, nicht wahr? Sonst bestünde ja Gefahr einer ideologischen Unterwanderung. Kinder verhalten sich, das ist bekannt, spätestens in der Pubertät oft konträr zu den Lebensvorstellungen ihrer Eltern, das habe ich selbst bei (perfekten) Ökoeltern erlebt. Nein meine eigenen waren und sind Schnäppchenjäger, sie haben den 2WK erlebt mit Flucht, Vertreibung, Hunger, politischer Unterdrückung, dieser Generation kann man nichts verübeln. Trotzdem streiten wir regelmäßig über alternative Ernährung. Vegetarische und mittlerweile vegane Kinder widerspricht sowas von ihrem Weltbild. Dabei geht es doch um v.a. um eine Richtungsänderung, weniger Fleisch, dafür hochwertig, qualitativ, weniger Fertigprodukte, dafür mehr gesundes, frisches Selbstgekochtes.

    Vegan bleibt für mich das i Tüpfelchen. Das kann ich auch ethisch nicht von anderen Menschen verlangen. Doch ich kann es selbst umsetzen. Und dafür streiten. Doch muss ich für die Stärkung meiner Position die Position der Ablehner mies machen – durch die Ekel Diskussion, im hier vorliegenden Fall in der Überschrift des Interviews? Das lockt wohl mehr Leser. Darum ging es mir, das Wort „Fleisch“ wird vegan besetzt. Ich will es neutral verstanden wissen. Wie beim Fruchtfleisch. 😉

  5. Ich war vier Jahre vegan und es hat mir sehr gut getan. Meine Blutwerte haben sich enorm verbessert. Ich hatte aber zwei große Probleme:
    1. Andere Veganer
    Ein Großteil der Veganer könnten auch religiöse Fundamentalisten sein. Eine eigene Rethorik wird gepflegt (Leichenfresser, Fleischfresser, Omnis, Pseudos usw) und andere Menschen werden nur mehr nach ihrem Veganismus beurteilt. Ein Mensch setzt sich für Kinder ein? Für gute Arbeitsbedingungen im Ausland? Spendet für Flüchtlinge? Egal! Gut ist nur, wer vegan is(s)t. Alles anderen sind unerleuchtet bis abgrundtief böse.
    Damit konnte ich nicht mehr. Zuerst den Freundeskreis auf offene Menschen reduziert, aber auch da dreht sich dann das meiste nur um Veganismus. Kein Treffen ohne dieses Thema.
    2. Veganes Essen ist nicht per se gesünder. Es gibt vegane Puddings, Desserts, Eiscreme, hochverarbeite Sojaschnetzel usw usw. Diese Produkte sind genauso schädlich wie ihre tierprodukthaltigen Verwandten. Und so kenne ich einige Veganer, die sich ein ganz schöes Gewicht angefuttert haben. Ist ja so gesund und ethisch!

    Ich selbst bin auf eine 80% pflanzliche und 20% Fleisch/Fisch-Variante umgestiegen. Dabei so frisch wie möglich und so wenig hochverarbeitetes wie möglich. Meine Blutwerte sind seit einem Jahr stabil und das Gewicht um 18kg gesunken.

    Für Veganer bin ich nun ein „Abtrünniger“, „Psychopath“ (wörtlich!) und „Hat es eh nie ernst gemeint“. Dass es Menschen gibt, denen Dogmen an sich suspekt sind, das verstehen sie nicht. Die Welt ist gleich schwarz/weiß wie bei Fundis, Pegidas und anderen Extremen. Nur dass Veganer zufälligerweise einen kleinen Teil ihres Lebens achtsamer gestalten. Wehe, man spricht sie auf ihre iPhones, iMacs oder oftmaligen Flüge zum Arjuvedaurlaub nach Indien an. Das Leid und die Umweltverschmutzung hinter diesen Produkten sind nämlich -wie bei Religiösen halt üblich- durch den richtigen Glauben aufgewogen.
    Religiös scheint zu weit hergeholt? Dann lese man doch bitte mal im Forum des VGT und den Lieblingsbüchern der Veganer nach. Der Planet wird gerettet, der Welthunger beendet und Frieden herrscht überall, den nur Fleischkonsum ist die Wurzel von Gewalt und allem Bösen. Eine typische Heilslehre. Und das ist sehr schade für de Veganismus, der an sich eine gute Idee ist….wenn er nicht von Fundis gekapert worden wäre.

  6. >> schade für de Veganismus, der an sich eine gute Idee ist….wenn er nicht von Fundis gekapert worden wäre. <<

    Es gibt überall solche und solche.
    Nur fallen einem die, die einem selber irgendwie ähnlich sind, nunmal immer am meisten auf. 😉

  7. ..und haben die Pflanzen keine Wertigkeit? Die leiden genau so wie Tiere,nur leiser.
    Alles in Maßen wäre nicht verkehrt.Esse kein Fleisch mehr,weil es mir nicht mehr schmeckt

  8. Ich esse abwechselnd zwischen viel Gemüse, Obst, Nüsse, Fisch und Fleisch.Unverarbeitet, kein Massentierhaltung, gerne teuere Fleischstücke. Meiner Meinung nach sind die Menschen bei Paleo Ernährung am besten aufgehoben. Kein Milch und kein Getreide. Alle Essen so essen bevor es Ackerbau begann. Ackerbau hat nur 10.000 Jahre und Steinzeit aber viel länger….
    @Goa stimmt, wenn man über Pflanzen beschäftigt, dann weiß man, das die Pflanzen andere Zeit und andere Kommunikation haben als wir und Tiere. Die größten Veränderungen der Pflanzen finden unter der Erde statt: die Wurzel. Aber das merken wir ja nicht…