Finnland startet Grundeinkommen

Finnland startet Grundeinkommen
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - James Garcia

Ab Januar 2017 erhalten 2000 Arbeitslose in Finnland zwei Jahre lang ein monatliches Grundeinkommen. Das Experiment soll wertvolle Daten zur Reformation des Sozialstaates liefern.

In Deutschland noch Utopie, in Finnland seit heute Realität: das bedingungslose Grundeinkommen. Zumindest für 2000 Arbeitslose zwischen 25 und 58 Jahren, die bisher Arbeitslosenhilfe erhalten haben.

Ein entsprechendes Gesetz wurde am 14. Dezember vom finnischen Parlament verabschiedet. Die Probanden wurden zufällig im Dezember ausgewählt und erhielten am 9. Januar 2017 ihre erste Zahlung. 560 Euro werden sie bis Ende 2018 nun monatlich erhalten. Das Grundeinkommen ist steuerfrei und seine Höhe entspricht der Höhe der steuerpflichtigen Arbeitslosenhilfe nach Abzug der Steuer. Es wird auch dann weitergezahlt, wenn die Bezieher in dem Zeitraum eine Arbeit annehmen. Genau genommen handelt es bei dem Betrag nur um ein partielles Grundeinkommen. Denn nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Armutsgrenze von Alleinlebenden bei 10987 Euro im Jahr, das entspricht einem monatlichen Einkommen von 915 Euro.

Die finnische Regierung verspricht sich von ihrem Experiment zum einen einen höheren Anreiz, sich eine Arbeit zu suchen, da die staatlichen Zuwendungen nicht wie bisher nach der Arbeitsaufnahmen gekürzt werden. Zudem sollen Kosten auf der Verwaltungsseite eingespart werden, da sich das Arbeitsamt nicht mehr mit aufwendigen Prüfungen hinsichtlich der Verrechnung der Zahlungen befassen muss.

Ob dies wirklich so ist, soll der Vergleich mit einer Kontrollgruppe zeigen, die ebenfalls zufällig ausgewählt wurde und keine Zahlungen erhalten sollen. Weitere Informationen zum finnischen Grundeinkommens-Experiment finden sich auf einer extra eingerichtet Plattform der finnischen Sozialversicherungsanstalt.

GASTBEITRAG aus enorm.
TEXT: Phillip Bittner

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(8) Kommentare

  1. Das finnische Experiment macht deutlich, warum das bedingungslose Grundeinkommen plötzlich in Wirtschaftsführerkreisen beliebt ist: Wenn man es niedrig genug ansetzt, kann man es missbrauchen, um die Menschen dazu zu zwingen, irgendeinen Job anzunehmen – egal was -, denn das „Grundeinkommen“ reicht ja nicht zum Leben.
    Das ist Neoliberalismus pur: Man streiche einfach Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Wohngeld, etc., sodass der Staat Beamtenstellen und Geld sparen kann, und zahle den bedürftigen Menschen stattdessen ein „Grundeinkommen“, von dem man entweder essen oder Miete bezahlen kann, aber nicht beides, und schon hat man willige Sklaven, die sich mit noch niedrigeren Löhnen abspeisen lassen, weil sie ohne Job entweder auf der Straße sitzen oder verhungern.
    So wird die Idee vom bedingungslosen Grundeinkommen als Freiheitsbringer in ihr Gegenteil pervertiert.

  2. (Anmk. d. Red.: Teilweise gelöscht, weil ursprünglicher Kommentar entfernt wurde)
    Es ist ja jetzt nicht so, dass es den Armen unbedingt deshalb schlecht geht, weil einige Reiche Ihnen alles wegnehmen. Vielleicht kann da jeder bei sich selbst schauen, wo der Fehler im System liegt 🙂 Hier Billigst-Kleidung (unter welchen Herstellungsbedingungen?) bei Kik, Nkd und Co. kaufen, dann nach einigen Wochen den ganzen Überfluss in den Sack gesteckt und ab nach Afrika – toll gemacht!
    Abgepacktes Essen von Aldi, Lidl & Co. (Preisdruck?), leider nur in Säcken und Beuteln, egal, ab in die Tonne, wenn’s zuviel ist – war ja billig! Kurz angemerkt: Die Aldi- und Lidl-Gründer sind die reichsten Deutschen, soweit ich mich erinnere – und? Wer hat sie reich gemacht? 😉
    Ja, da kann doch jeder einzelne schon ’ne Menge machen: darauf achten, wo sein Essen, seine Kleidung herkommt, den unsäglichen Konsum reduzieren, das Wegwerfen beenden, mehr reparieren – was könnten wir es schön(er) haben!
    Weniger ist mehr, nicht so sehr nach den anderen schauen, bei sich selbst anfangen! Wenn da mehr mitmachen würden, ginge es glaube ich allen besser, aber den Reichen das Geld in den Rachen schmeißen und dann beschweren… ???
    Das ist natürlich nicht die Lösung für alles, aber bitte… nicht hinrichten 🙂

  3. zuerst
    wurde hier in der brd
    ein grundeinkommen von :1.500 € ausgerechnet.
    daraus wurde dann :1.000 €
    +
    die cdu / csu haben :800 € ausgerechnet.

    WOW !!!

  4. Zur Bundestagswahl tritt zum ersten Mal eine Partei an, die das BGE auf den Wahlzettel bringt.
    Mit einer Petition fing alles an, nun kann Susanne Wiest mit dem gesamten Team vom Bündnis Grundeinkommen aufatmen: Zehn Monate nach der Gründung der Ein-Themen-Partei haben sowohl der Bundeswahlausschuss als auch alle 16 Landeswahlausschüsse das BGE zur Bundestagswahl 2017 anerkannt. Damit ist das BGE in allen 16 Bundesländern wählbar.

    Obwohl sich 52 Prozent der Bürger für ein solches Grundeinkommen aussprechen, wird das Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“ in den etablierten Parteien nur randläufig oder gar nicht thematisiert. Mit der Gründung der Partei Bündnis Grundeinkommen im Jahr 2016 wird das Schattendasein der Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen beendet. Zwei Tage vor der Zulassung als Partei hat das Bündnis Grundeinkommen die notwendige Anzahl an Unterstützungsunterschriften erzielt, um bei der Bundestagswahl 2017 präsent zu sein.

    https://www.buendnis-grundeinkommen.de/durchbruch-beim-bedingungslosen-grundeinkommen-spreezeitung/

  5. Das ist, vorsichtig betrachtet, eine sehr gute Idee.
    Was mich stutzig macht ist die Tatsache, dass Unternehmerverbände dafür sind.
    Da klingeln bei mir alle Alarmglocken. Da sollten die Initiatoren des Grundeinkommens sehr genau hinschauen.

  6. Warum sollen die Unternehmerverbände nicht dafür sein.
    Inzwischen haben viele Unternehmer kapiert, daß die schnelle Entwicklung im digitalen Bereich ect. neues Denken erfordert.
    Wer, wenn nicht die Unternehmer sollen das denn voranbringen und letztlich auch mit finanzieren.
    Die werden unbedingt im Boot gebraucht, wenn das was werden soll.

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