Infektionsgeschehen zieht an: Was wir über den Corona-Typ BA.5 wissen

Ein Mitarbeiter einer Apotheke in der Innenstadt hält ein Teststäbchen für einen Corona-Schnelltest durch.
Foto: Peter Kneffel/dpa

Der Omikron-Subtyp BA.5 ist derzeit die vorherrschende Variante des Coronavirus in Deutschland. Expert:innen warnen vor steigenden Zahlen im Sommer und Herbst. Auch das RKI rät dringend zu Schutzmaßnahmen. Alle wichtigen Infos zu BA.5 im Überblick.

Mehr erfasste Fälle, mehr Ausbrüche in Pflegeheimen und auch wieder steigende Patientenzahlen auf Intensivstationen: Besser übertragbare Omikron-Sublinien treiben die Corona-Sommerwelle in Deutschland an. Wie erwartet worden war, ist der Omikron-Subtyp BA.5 nach offiziellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) inzwischen die vorherrschende Variante in Deutschland.

Am Freitagmorgen (1. Juli) meldete das RKI 113.099 Corona-Neuinfektionen. Die Inzidenz liegt damit bei 682,7. Am Vortag hatte der Wert der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche bei 668,6 gelegen (Vorwoche: 618,2; Vormonat: 207,0). Laut RKI hat die dominierende Omikron-Subvariante BA.5 zuletzt noch einmal zugelegt. Ihr Anteil habe nach jüngsten Erkenntnissen – einer Stichprobe von vorletzter Woche – knapp 66 Prozent betragen. In der Woche davor hatte der Anteil von BA.5 bei etwa 52 Prozent gelegen. „Somit folgen die Anteile der Omikron-Sublinien in Deutschland dem Trend in vielen anderen Ländern„, heißt es.

Der Virologe Christian Drosten hatte in einem Interview mit dem Spiegel erklärt, dass er ab September aufgrund des BA.5-Erregers mit einem „exponentiellen Anstieg der Fallzahlen“ rechnen werde.

Ein Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten zum vorherrschenden Subtypen der Corona-Variante Omikron:  

1. Wie ansteckend ist BA.5?

Laut Drosten ist der BA.5-Subtypsehr übertragbar“. Ein Anstieg der Infektionszahlen hänge auch damit zusammen, dass die Menschen „gleichzeitig ihren Übertragungsschutz aus der letzten Impfung“ dem Virologen zufolge verlieren. Expert:innen nehmen an, dass BA.5 vorwiegend die oberen Atemwege befällt. Das könnte erklären, wieso der Subtyp leicht von einer Person auf die nächste überspringt.

Drosten appelliert daher für zügige Maßnahmen. Wenn nichts getan werde, werde es im Arbeitsleben „sehr viele krankheitsbedingte Ausfälle“ geben, prognostiziert der Experte. In anderen Ländern sehe man, dass bei sehr hohen Fallzahlen auch die Hospitalisierungs- und Todeszahlen wieder anstiegen. Gleichzeitig werden aufgrund der Impfung und Immunisierung laut Drosten „viel weniger Menschen schwer erkranken und sterben als noch 2021“.

2. Ab wann bemerken Menschen mit BA.5 Symptome?

Die Inkubationszeit gibt die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbrechen der Infektion an. Bricht die Krankheit aus, macht sich dies meist durch Symptome bemerkbar. Allerdings ist das nicht bei jedem Menschen, der sich mit dem Coronavirus infiziert, der Fall.

Forschende des Norwegian Institute of Public Health (NIPH) stellten bei einem Ausbruch mit dem Omikron-Subtypen BA.1 fest, dass die Inkubationszeit im Mittel drei Tage betrug. Ähnliches berichtet die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Das RKI geht derzeit davon aus, dass dies auch für den BA.5-Subtypen gelte. Allerdings ist das nicht abschließend gesichert – ebenso nicht, ab welchem Zeitpunkt genau Infizierte ansteckend für andere sind.

Angesichts der Entwicklung ruft das RKI weiterhin dazu auf, die Empfehlungen zum Vermeiden von Ansteckungen einzuhalten: Abstand halten, Hygieneregeln beachten, Maske tragen, Lüften und Corona-Warn-App nutzen. Die Impfung habe „aufgrund ihrer hohen Schutzwirkung vor einem schweren Verlauf“ auch bei Erkrankungen durch Omikron nicht an Bedeutung verloren.

3. Wie krank macht der Omikron-Subtyp BA.5?

Virologe Drosten erklärte im Spiegel-Interview, es stimme nicht, „dass ein Virus im Laufe der Evolution automatisch immer harmloser wird“. Bei BA.5 besteht bislang der Verdacht, dass dieser Subtyp mehr krank machen könnte als noch die Omikron-Subtypen BA.1 und BA.2. Als möglicher Grund wird die Mutation L452R angeführt, die wie schon bei der Delta-Variante mit einem schweren Krankheitsverlauf assoziiert ist. Aber auch das ist noch Gegenstand laufender Forschungsarbeit.

Das RKI sagt: Die bisher vorliegenden epidemiologischen Daten ließen nicht darauf schließen, dass Infektionen mit BA.4 oder BA.5 schwerere Krankheitsverläufe oder anteilig mehr Todesfälle verursachten als zuvor BA.1 und BA.2.

4. Inwieweit entkommt BA.5 der Immunabwehr?

Laut RKI weist Omikron „immunevasive Eigenschaften“ auf. Diese Immunflucht kommt nach jetzigem Stand der Forschung bei „nur zweifach Geimpften sowie bei ungeimpften Genesenen stärker zum Tragen“ als bei dreifach Geimpften. Der wahrscheinliche Grund: BA.5 kann durch eine Veränderung des Spike-Proteins schlechter von Antikörpern neutralisiert werden – weshalb sich das Risiko einer Reinfektion je nach Impfstatus erhöht.  

5. Welche Symptome löst BA.5 aus?

Das RKI empfiehlt dringend, bei neu auftretenden Symptomen wie etwa Schnupfen, Halsschmerzen oder Husten Kontakte zu meiden und bei Bedarf den Hausarzt zu kontaktieren – unabhängig vom Impfstatus und auch bei einem negativen Schnelltestergebnis. In seinen Symptomen ähnelt BA.5 demnach den bisherigen Corona-Varianten und Subtypen.

Die britische Gesundheitsbehörde NHS fasst die allgemeinen Corona-Symptome wie folgt zusammen:

  • Fieber
  • Husten  
  • Verlust des Geruchs- und Geschmackssinn
  • Kurzatmigkeit
  • Müdigkeit oder Erschöpfung
  • Gliederschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Halsschmerzen
  • Verstopfte oder laufende Nase
  • Appetitlosigkeit
  • Durchfall
  • Übelkeit

Mit Material der dpa

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