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Forscher: Warum Menschen im Job nachteilige Netzwerke knüpfen

Foro: CC0 Public Domain -Unsplash / Jason Goodman

Networking gilt als Schlüssel zum Erfolg. Aber viele machen es falsch, sagen zwei italienische Forscher. Sie erklären, wann berufliche Netzwerke im Job unterstützen – und wann nicht.

Eric Quintane und Gianluca Carnabuci untersuchen Organisationsverhalten an der European School of Management and Technology (ESMT) Berlin. Im Interview mit dem Spiegel erklären sie, was beim Networking häufig schief läuft und wie Unternehmen ihre Mitarbeitenden dabei unterstützen können, sinnvolle berufliche Netzwerke zu knüpfen.

Berufliche Netzwerke zu knüpfen gilt als Schlüssel zum Erfolg. Doch machen Menschen dabei vieles falsch, behaupten Eric Quintane und Gianluca Carnabuci. Die beiden Forscher haben 30 Monate lange untersucht, wie Mitarbeitende aus 13 Abteilungen einer italienischen Firma berufliche Netzwerke knüpfen und wie sich diese auf ihre Leistung auswirken. Ein Teil der Mitarbeiter:innen erhielt nach einiger Zeit ein Training, wie man ein effektives berufliches Netzwerk aufbaut – die anderen nicht. „Die Unterschiede waren deutlich“, betont Quintane. So schnitten die Mitarbeiter:innen der Schulungsgruppe wesentlich besser ab.

Netzwerke: Deshalb umgeben sich Mitarbeitende oft mit „falschen“ Leuten

Die Forschung der beiden ergab, dass kreative Mitarbeiter:innen sich eher mit diversen Gruppen in einer Organisation vernetzen. Über diese erhalten sie eine Vielfalt an Meinungen, Perspektiven und Ideen. Mitarbeiter:innen, die Präzision und akribische Ausführung schätzen, stärken eher bereits bestehende Beziehungen innerhalb einer einzelnen Gruppe.

Das klingt sinnvoll. Folgt man jedoch der Logik der Forscher, ist es aber genau der falsche Ansatz. „Wenn Ihr Netzwerk Sie in den Bereichen unterstützt, in denen Sie bereits überragend sind, dann bringt es nicht wirklich einen Mehrwert“, erklärt Carnabuci. „Wenn Ihr Netzwerk jedoch Ihre Schwächen ergänzt, dann steigert es Ihre Leistung.“ Soll heißen: Kreative Menschen brauchen ein Netzwerk an Arbeitsamen, das ihnen hilft, ihre Ideen umzusetzen. Wer selbst gut und viel umsetzt, sollte Networking betreiben mit Menschen, die ihn oder sie mit Ideen versorgen.

Wieso tendieren Mitarbeiter:innen eher zum Gegenteil? „Unsere Intuition führt uns zielsicher in die Irre, wenn es um berufliche Beziehungen geht“, betont Quintane. „Wenn wir das tun, was sich gut anfühlt, tun wir häufig nicht das, was gut für uns und unser Leistungsvermögen ist.

Viele Mitarbeitende verlassen also ungern die eigene Komfortzone. Doch in der Komfortzone kann man nichts Neues lernen, mahnt Carnabuci, genau so wenig wie in einem komplett fremden Tätigkeitsfeld. Dazwischen liegt die Lernzone, in der man nach Ergänzungen zu den eigenen Fähigkeiten suchen kann. „So bekommen wir Dinge hin, die wir allein oder nur mit sehr gleich Gesinnten niemals schaffen würden. Wenn man das eine Weile diszipliniert tut, wird man immer besser“, so der Forscher.

Networking: „Unternehmen machen einen entscheidenden Fehler“

Gutes Networking ist also alles andere als intuitiv. Dieses Problem müssen Unternehmen beherzt angehen, mahnt Verhaltensforscher Carnabuci. Doch oft ist das Gegenteil der Fall: „Unternehmen machen einen entscheidenden Fehler: Sie glauben, dass die Mitarbeitenden von selbst darauf kommen, wie sie sich am besten in der Firma vernetzen.“ Die Realität sehe aber anders aus.

Was tun? Carnabuci empfiehlt unter anderem Schulungen zum Thema Vernetzung. Auch die Sitzordnung in Büros habe erwiesenermaßen Einfluss auf die Bindungen zwischen den Mitarbeitenden. Chefs könnten also einfach unterschiedliche Abteilungen zusammenrücken lassen, um den Austausch zu stärken. Manchen Unternehmen organisieren auch Events, in denen Mitarbeiter:innen einander für eine gemeinsame Mittagspause zugelost werden. „Das garantiert nicht, dass sich hier gleich ein hilfreiches Netzwerk formt“, so Carnabuci, „Aber gibt man Menschen dieses Wissen an die Hand und unterstützt sie, ihr Netzwerk auszubauen, ist schon viel gewonnen.“

Auch online lasse sich vieles umsetzen. Der Experte verweist auf eine Übung namens „Help Workout“, bei der fünf Leute, die sich bisher nicht oder nur wenig kennen, gemeinsam Probleme lösen müssen. Jede:r muss in 30 Minuten sowohl bei einem eigenen beruflichen Problem helfen lassen als auch einer der anderen Personen bei einem Problem helfen. „Das funktioniert eigentlich immer“, erklärt Carnabuci. „Die Schwelle ist dann sehr niedrig, eine Person zu kontaktieren, mit der man schon mal so ein Workout zusammen gemacht hat“.

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