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Warum wir uns eigentlich nicht erkälten können

Foto: CC0 Public Domain / unsplash - Brittany Colette

Warm anziehen, damit man sich nicht erkältet – diesen gut gemeinten Ratschlag kennen manche noch von den Großeltern. Der Virologe Ortwin Adams erklärt, warum der aber nicht ganz richtig ist und was es stattdessen braucht, um sich wirklich zu erkälten.

Manche Menschen überlegen momentan die Heizung noch nicht anzustellen oder runterzudrehen, um Energie zu sparen. Da könnte die Sorge aufkommen, ob die niedrigen Temperaturen automatisch zu einem Infekt führen, denn immerhin haben schon die Großeltern gesagt: „Zieh dich warm an, sonst wirst du krank“. Der Virologe Ortwin Adams deckt in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) darüber auf, warum der Begriff „erkälten“ irreführend ist und wie es zu einer Infektion kommt.

Erkälten? Nicht die niedrige Temperatur löst einen Infekt aus

Wie Adams erklärt, ist es „nicht so, dass man durch pure Kälte einen Infekt bekommen würde.“ Durchaus können dadurch die Schleimhäute auskühlen und somit weniger widerstandsfähig sein. Dennoch brauche es für einen Infekt immer Viren, die ein anderer Menschen ausscheidet. Das Infektionsrisiko steige demnach in einem menschenüberfüllten Raum, da die Wahrscheinlichkeit steigt, dass jemand Viren ausscheidet. Menschen infizieren sich dem Virologen zufolge also nur, wenn es einen Erreger gibt. „Mit der Raumtemperatur hat das herzlich wenig zu tun“, so Adams.

Dennoch werden viele Menschen vor allem im Winter krank. Warum Krankheitswellen in der kalten Jahreszeit auftreten, lässt sich dem Virologen zufolge nicht „zufriedenstellend“ beantworten. So viel sei aber gesagt: „Viele Erreger sind bei Kälte etwas stabiler.“ Zusätzlich spiele das Sozialverhalten eine Rolle, denn Menschen treffen sich vor allen in geschlossenen Räumen, wenn es kalt ist.

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Unter diesem Umständen bleiben Viren infektiös

Aber auch die Luftfeuchtigkeit wirke sich auf die Lebenserwartung von Viren aus. Sinkt diese unter 40 Prozent, fühlen sich Viren wohler und bleiben länger infektiös als bei einer Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent. Daher empfiehlt Adams die Räume im Winter nicht zu trocken zu halten.

Viren können laut dem Virologen sowohl direkt durch Tröpfchen übertragen werden als auch durch Oberflächen. Beispielsweise Rhinoviren, die unter anderem Schnupfen auslösen, seien Adams zufolge stabil und können auf glatten Oberflächen – Schreibtische, Türklinken, Haltegriffe im Bus – tagelang überleben.

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Schutz vor einer Infektion

Um sich vor einer Infektion zu schützen, hält Adams nicht von Hausmitteln wie Zink, Echinacea oder Ingwer. Eine gesunde und ausgeglichene Ernährung sei jedoch sinnvoll, dadurch sei bereits die Vitaminversorgung gesichert. Belegt sei dem Virologen zufolge, dass Menschen, die auch im Winter viel Sport treiben, weniger infektanfällig sind. Auch eine gute Immunabwehr durch Antikörper sei entscheidend dafür, ob sich Menschen infizieren.

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