Darum klemmen sich Menschen gerade Pool-Nudeln auf den Fahrrad-Gepäckträger

Bitte eine Pool-Nudel Abstand!
Foto: via Twitter / @CondoChris

Pool-Nudeln sind normalerweise praktische Hilfen beim Schwimmen lernen. Jetzt sollen die bunten Schaumstoffteile für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Was es mit der cleveren Idee auf sich hat, erfahrt ihr hier.

Eine Situation, die jeder Fahrradfahrer kennt und fürchtet: Autos, die einen beim Überholen fast in den Straßengraben zwingen, weil sie keinen Sicherheitsabstand einhalten. In Toronto haben die Radfahrer jetzt genug davon und wehren sich gegen das Problem, auf der Fahrbahn nicht genug Platz zu haben und abgedrängt zu werden. Ihre Idee ist so clever wie simpel: Sie klemmen sich eine Pool-Nudel auf den Gepäckträger und zwingen mit diesem Selfmade-Abstandshalter die Autofahrer genügend Abstand zu halten, wie CTV News berichtet.

Immer mehr Fahrradfahrer in der kanadischen Millionenstadt folgen dem Beispiel – und sind begeistert:

Den selbst gebastelten Abstandhalter gibt es inzwischen auch in einer deutlich gefährlicheren Variante:

Die traurige Realität, die hinter der Initiative steht: In Toronto gibt es zu viele Verkehrstote. John Tory, Torontos Bürgermeister, möchte das ändern und hat deshalb die Initiative „Vision Zero“ ins Leben gerufen. Unter dem Hashtag #VisionZero sammeln die Bürger auf Twitter unter anderem Beweise für die gefährliche Verkehrslage in der Großstadt und Bilder von Aktionen, wie man sich selbst schützen kann. Großen Erfolg hatte die Initiative bislang nicht – deshalb dachten sich Torontos Bürger: ‚Wenn uns nicht geholfen wird, dann helfen wir uns eben selbst‘ – und kamen auf die großartige Idee mit der Pool-Nudel.

Der Vorteil der Pool-Nudeln: Sie sind günstig, problemlos zu beschaffen – und ungefährlich. Sollte doch ein Auto an ihnen hängen bleiben, muss der Fahrradfahrer nicht fürchten, gerichtlich belangt zu werden. Dank ihrer leuchtenden Farbe sind die Pool-Nudeln gut sichtbar.

Vielleicht ist das ja eine Idee, die auch uns hierzulande helfen könnte, die Gefahren für Radfahrer im Straßenverkehr zu reduzieren!

Gut zu wissen: In der Straßenverkehrsordnung gibt es keine konkrete Angabe, welchen Abstand Autos beim Überholen von Radfahrern einhalten müssen, hier ist nur die Rede von einem „ausreichenden Abstand“. Doch wie viel ist das? Verschiedene Gerichtsurteile haben hier einen Mindestabstand von einem Meter definiert.

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(4) Kommentare

  1. Abstand 1,5 – 2 Meter !!!

    „Die Recht­spre­chung geht davon aus, dass der Abstand beim Überholen eines Fahrrads mindestens 1,5 Meter betragen muss“, sagt Rechts­anwalt Christian Janeczek von dem Deutschen Anwalt­vereins (DAV). Je nach Straßen- und Wetterverhältnissen, Geschwin­digkeit und Größe des eigenen Fahrzeugs können auch größere Abstände geboten sein. Das ist auch der Fall, wenn auf dem Fahrrad ein Kind trans­por­tiert wird – dann müssen Autofahrer nach einer Entscheidung des Oberlan­des­ge­richts Naumburg mindestens 2 Meter Abstand halten (AZ 12 U 29/05).
    Und wenn der Platz nicht ausreicht, dann müssen die Autos warten und langsam HINTER dem Radfahrer fahren.

  2. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich hier unbeliebt mache, muss ich hierzu etwas schrieben. Ich bin selbst Radfahrer, aber auch Autofahrer. Und was mich mächtig anpiept, ist, dass mittlerer Weile Radfahrer den Persilschein im Strassenverkehr haben, während alle anderen als die Bösewichter gelten. Ich werde die Idee der Poolnudel mal selber ausprobieren, aber als Fußgänger und Hunde-Gassi-Geher. Vielleicht werde ich dann nicht mehr auf dem Fussweg von Radfahrer belästigt und geschnitten. Ansonsten eine gute Idee, die vielleicht auch dazu zwingt, dass Radfahrer selber nicht mehr so zwischen den Autos rumgurken und man langsam mal wieder begreift, dass das Führen eines Fahrrades auch gleichbedeutend mit dem Führen eines Fahrzeuges ist und die STVO gleichermaßen für Autos wie Fahrräder gilt. Ebenso natürlich auch §1, der alle einschließt, auch Fußgänger.
    So, nun könnt Ihr alle auf mir rumhacken, aber es gibt eben immer zwei Seiten einer Medaille.

  3. Ich bin da ganz bei dir, dieses Jahr wurde ich von einer älteren Dame auf dem Fahrrad an einer sehr gefährlichen (weil total unübersichtlichen) Kreuzung !rechts! überholt, gerade als ich losgefahren bin. Ich war so perplex, ich habe nicht einmal daran gedacht, zu hupen. Ich hätte die Frau fast überfahren! Und ich ahne auch – natürlich ohne es zu wissen – bereits, wer die Hauptschuld bei einem Verfahren diesbezüglich tragen hätte müssen…

    Davon abgesehen gibt es natürlich auch genügend sich ähnlich riskant verhaltende Autofahrer, die Radfahrer mit nicht mal einem Meter Abstand überholen, teilweise sogar, ohne weit genug voraus sehen zu können.

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