Diese NGOs brennen für Veränderung. Jeder kann sie ganz einfach unterstützen.

Fotos: © Robert Kneschke - Fotolia.com

Sie kämpfen gegen die schwerwiegenden Missstände unserer Zeit, vertreten unsere Interessen gegenüber Unternehmen und bewegen die Politik. Wir brauchen NGOs – und damit sie Gehör finden, brauchen sie uns. Zum Glück ist das Mitmachen heute einfacher denn je: schon ein Mausklick oder ein „Gefällt mir“ können etwas verändern.

Greenpeace: na klar, Amnesty International: schonmal gehört, foodwatch: da klingelt es auch – einige Nichtregierungsorganisationen (NGOs) haben sich inzwischen einen Namen gemacht, weil sie sich auf aufsehenserregende Art und Weise wichtigen Themen widmen. Wir haben uns fünf NGOs herausgepickt, die zum Mitmachen einladen und die nicht unbedingt jeder schon kennt.

Mitmachen heißt dabei verschiedenes: Gegenüber dem „Klick-Aktivismus“ hört man auch kritische Stimmen – man verändere doch nichts, wenn man mit einem „ich bin dagegen“ eine Online-Petition unterstützt. Doch jede Stimme mehr lässt eine Petition wachsen und jeder Daumen nach oben auf Facebook lässt eine Organisation wachsen. Daran lässt sich nicht rütteln. Außerdem agieren die NGOs nicht nur im Netz, sondern tragen ihre Anliegen nach außen, und oft ist schlichtweg die Größe dafür entscheidend, ob man bei Entscheidungsträgern Gehör findet oder nicht.

Die fünf vorgestellten NGOs widmen sich unter anderem Themen, die unmittelbar mit unserem Konsumalltag zu tun haben. D.h.: wer mehr tun will, als zu klicken, findet bei ihnen auch Möglichkeiten, aktiv zu werden und selbst etwas anders zu machen.

Foodsharing: Lebensmittel vor der Tonne retten

Nur die Hälfte aller produzierten Lebensmittel wird gegessen. Die anderen 50 Prozent gehen irgendwo zwischen Acker und Teller kaputt und werden weggeworfen. Das ist ein Skandal –  die Organisation Foodsharing kämpft seit 2012 dagegen.

Wer z.B. in den Urlaub fährt und feststellt, dass er noch den halben Kühlschrank gefüllt hat, kann einen „Essenskorb“ auf Foodsharing.de zur freien Verfügung eintragen oder die Lebensmittel zu einem sogenannten Fairteiler an einem öffentlichen Platz bringen.

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Hier werden Lebensmittel verteilt, die sonst weggeworfen würden: ein besonders schöner „Fairteiler“ in Leverkusen. (Foto © Foodsharing)

Der Fokus der Organisation liegt inzwischen aber nicht mehr auf dem Lebensmittelmüll privater Haushalte, sondern auf jenem des Handels: Supermärkte, Bio-Läden und Restaurants. Denn verkaufen lassen sich Produkte mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum, welker Salat oder Obst mit Druckstellen nicht, essen aber schon.

Wer mithelfen möchte, dass diese Lebensmittel nicht weggeworfen, sondern sinnvoll verwertet werden, kann sich als Foodsaver engagieren. Foodsharing kooperiert bundesweit inzwischen mit mehr als 1.000 Betrieben und gibt deren ausgemusterte Lebensmittel weiter an Projekte, Vereine, Nachbarn, WGs, Leute im foodsharing-Netzwerk oder Menschen auf der Straße.

Damit die Abholung und „Fairteilung“ der Lebensmittel funktioniert, braucht es Leute, die mitmachen. Wem das zu viel ist kann Foodsharing einen wohlverdienten Daumen auf Facebook geben und so dazu beitragen, die Organisation noch bekannter zu machen.

Campact – wirksamer Protest per Mausklick

Das Freihandelsabkommen, Gentechnik, Agrarkonzerne wie Monsanto – übermächtige Gegner für einen allein, mit gebündeltem Protest erreichbare Adressaten. Wer bei der deutschen Petitionsplattform Campact unterschreibt, kann sich sicher sein, dass seine Stimme nicht im Nichts des Internet verschwindet, sondern bei politischen Enscheidungsträgern ankommt.

Warum? Campact ist inzwischen einfach viel zu groß, um ignoriert zu werden: Auf dem evangelischen Kirchentag hat Campact kürzlich Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel mit Protesten gegen die umstrittenen Handelsabkommen TTIP und CETA konfrontiert. Hunderte von Teilnehmern hielten ihm in einem Flashmob Pappschilder mit den Botschaften „Stoppen Sie TTIP“ und „Stoppen Sie CETA“ entgegen.

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Juni 2015: Campact übergibt knapp 400.000 Unterschriften gegen das Freihandelsabkommen CETA an Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. (Foto © Foto: Ferdinando Iannone / Campact )

Im Mittelpunkt der Aktion stand die Übergabe von fast 400.000 Unterschriften gegen das EU-Kanada-Abkommen CETA. Gabriel versprach, den Unterzeichnern zu antworten. Eine Petition im Netz zu unterschreiben mag wirkungslos klingen, kann aber etwas bewegen – und ist um ein Vielfaches besser, als gar nichts zu tun.

Campact ist dafür die richtige Adresse, nicht nur weil hier vertrauenswürdig mit persönlich Daten umgegangen wird. Im Gegensatz zu anderen Plattformen konzentriert sich die NGO nur auf wenige Themen, die wirklich wichtig sind. Gegen Gott und die Welt kann man hier nicht unterschreiben – die Kraft wird gebündelt, auch das macht Campact wirksam.

Oxfam: Entwicklungshilfe dank unserer Secondhandware

Jeder dritte Mensch auf der Welt lebt in Armut. Die internationale Entwicklungsorganisation Oxfam versucht, so vielen wie möglich zu helfen, ihre Notlage aus eigener Kraft zu überwinden. Die NGO arbeitet überall in der Welt an langfristigen Projekten. Dabei geht es um die Sicherung der Lebensgrundlagen: sauberes Trinkwasser, Lebensmittelsicherheit, Hygiene-Einrichtungen (Toiletten), Gesundheitsversorgung (HIV-Prävention) und den Zugang zu Bildung.

Oxfam hilft zudem bei Krisen und Katastrophen, drängt Politik und Wirtschaft mit Kampagnen zu entwicklungsgerechtem Handeln und veröffentlicht wichtige Hintergrundpapiere (aktuell empfehlenswert: Konzernmacht grenzenlos: Die G7 und die weltweite Ernährung). Das alles kostet Geld. Oxfam erhält das durch öffentliche Gelder und sammelt mit der originellen Spende Oxfam Unverpackt**.

Außerdem betreibt die NGO ihre Oxfam-Shops und bei denen kann jeder ganz einfach mitmachen: Man bringt dort seine ausgemusterten Dinge hin (z.B. Bücher, Musik, Filme oder Kleidung) und Oxfam verkauft sie als Secondhandware weiter. Die Erlöse fließen direkt in die Entwicklungsarbeit, die rund 2.800 Mitarbeiter in den bundesweit 50 Oxfam Shops arbeiten ehrenamtlich – auch hier kann man sich engagieren.

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Oxfam Shop in Frankfurt-Sachsenhausen: überflussige Dinge werden dort zur flüssigen Spende. (Foto © Kristof Lemp / oxfam)

Kampagne für saubere Kleidung – Ausbeutung stoppen

ArbeiterInnen auf Baumwollplantagen und NäherInnen in der Textilindustrie schuften für einen Hungerlohn unter miserablen Bedingungen – darum können wir uns Kleidung für Spottpreise kaufen.

Die Kampagne für saubere Kleidung (international: Clean Clothes Campaign) versucht das zu ändern. Es handelt sich hierbei nicht um eine einzelne NGO, sondern um ein Netzwerk, in dem sich über 300 Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und Verbraucherschutzorganisationen zusammengeschlossen haben.

Anders gesagt: Die Kampagne für saubere Kleidung ballt Expertise und den Willen zum Wandel. Sie führt kritischen Dialog mit Unternehmen und Politik, unterstützt Organisationen und ArbeiterInnen in Entwicklungsländern und informiert die Öffentlichkeit mit aufsehenerregenden Kampagnen. Ein Kernthema ist die Durchsetzung eines sogenannten existenzsichernden Lohns in der Textilindustrie – hier kann jeder dafür unterschreiben.

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Ohnmächtige Näherinnen – H&M-Werbung verfremdet von der Kampagne für Saubere Kleidung (Foto © INKOTA / Kampagne für Saubere Kleidung)

Die Kampagne kann man natürlich auch unterstützen, indem man sein Geld nicht mehr für das ausgibt, wogegen sie ankämpft: Mode aus ausbeuterischen Verhältnissen. Hier steht wie das geht: Mode ohne Opfer – 6 Tipps für nachhaltige Kleidung

Taste of Heimat – für regionale Lebensmittel

In Deutschland verfügen heute die fünf größten Lebensmitteleinzelhändler Edeka, Rewe, Lidl, Aldi und Metro über einen Marktanteil von ca. 90 Prozent. Anders gesagt: unsere Lebensmittelversorgung liegt fast vollständig in ihren Händen und das verleiht ihnen Macht – nicht nur über das Angebot in ihren Läden, auch über die Lebensmittelpreise auf dem Weltmarkt und damit über die Menschen, die sie herstellen.

Wie mächtig die Supermärkte sind, kann man auch daran erkennen, dass es nun eine Organisation wie Taste of Heimat gibt: viele Menschen wissen heute gar nicht mehr, wie und wo sie sich mit regionalen Lebensmitteln versorgen können. Auf tasteofheimat.de kann jeder regionale Lebensmittelanbieter finden und eintragen. Die Absurdität der Situation auf den Punkt gebracht: Wir müssen heute ins Internet schauen, um herauszufinden, wo man denn noch Lebensmittel kaufen kann, die in der Nähe produziert wurden.

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Auch bei uns wächst viel Gutes: auf tasteofheimat.de kann jeder regionale Lebensmittelanbieter finden und eintragen. (Foto © Taste oft Heimat)

Aber wir wollen nicht lamentieren, sondern Taste of Heimat als Chance nutzen und mitmachen: Damit wieder mehr Leute Zugang zu regionaler Lebensmittelversorgung finden und lokale Anbieter unterstützen, muss die NGO wachsen – vor allem ihre Karte mit regionalen Bezugsquellen: jeder der einen unterstützungwerten Lebensmittelproduzenten in seiner Region kennt, kann sich einfach bei Taste of Heimat registrieren und anschließend „Anbieterprofile“ erstellen.

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(2) Kommentare

  1. Es stimmt nicht, dass man dafür in’s Internet schauen muss. Für regionale Lebensmittel kann man sich sehr wohl in der Nachbarschaft und bei den Bauern umsehen, ob einer z. B. Eier aus Freilandhaltung anbietet.

  2. Auch die Bioläden hier im nördl Schleswig-Holstein beziehen geleg Produkte von den regio-
    nalen Bioland-/Demeterwirten.. es lohnt sich immer beim lokalen Biolädner oder Lebens-
    mittelCoop nachzufragen, wo bzw von welchem Bauern die Produkte stammen.. hier oben in
    Angeln gibt es seit über 20 Jahren Biokisten („Lebendiges Land“), die Demeter-/Biolandqua-
    lität bis vor die Tür liefern..ich selbst kaufe seit den 90er Jahren nur geleg etwas dazu..