Freifunk: So funktioniert das freie WLAN-Netz

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Freifunk ist eine globale Community, die ein dezentrales, freies Internet-Netz aufbaut. Wer mitmachen möchte, benötigt dazu nur einen Router. Wir erklären, wie Freifunk genau funktioniert und welche Vorteile das Netz bietet.

Freifunk ist ein Projekt von Bürger:innen für Bürger:innen. Die ersten Vorläufer von Freifunk entstanden um die Jahrtausendwende in London. Damals gab es den Versuch, freie Netzwerke aufzubauen. 2003 gründete sich der Förderverein Freie Netzwerke e. V. in Deutschland, um den Ausbau unabhängiger Netzwerke voranzutreiben. Heute ist der Verein der finanzielle und rechtliche Träger von Freifunk.

Die Freifunk-Community fördert aber nicht nur den Ausbau frei zugänglicher WLAN-Netze, sondern setzt sich auch politisch für ein freies Internet ein. Bei den Treffen in den Lokalgruppen geben Freifunker:innen außerdem ihr Know-how rund um Netzwerke und digitale Infrastruktur weiter.

Freifunk: Anonym, sicher und unabhängig

Freifunk: WLAN-Hotspots für alle.
Freifunk: WLAN-Hotspots für alle. (Foto: CC0 / Pixabay / 3844328)

Das Ziel von Freifunk ist es, ein globales, unabhängiges und freies Netz aufzubauen. Wer sich der Initiative anschließen möchte, muss lediglich einen Router aufstellen. Dieser Router bietet dann allen Menschen in der direkten Umgebung einen kostenlosen, öffentlichen WLAN-Hotspot an.

Damit das funktioniert, muss der Router mit dem privaten Router zu Hause verbunden sein – oder mit einem anderen Freifunk-Router in direkter Umgebung. Letzteres funktioniert natürlich nur, wenn es auch einen anderen Freifunk-Router in der unmittelbaren Nachbarschaft gibt. Dann fungiert der Router wie ein WLAN-Repeater und verstärkt das bestehende WLAN-Signal. So entsteht ein dezentrales Netzwerk. Bei Freifunk müssen also möglichst viele Menschen mitmachen, damit ein großes Netz entsteht.

Ein unabhängiges Netz wird in Zeiten, in denen Staaten Webseiten blockieren, persönliche Daten ausspähen oder in einzelnen Städten das Internet kurzfristig abschalten immer wichtiger. Außerdem können sich ärmere Menschen oft keinen unbegrenzten Internetzugang leisten. Das schränkt ihre Möglichkeiten ein, sich in einer Demokratie eine Meinung zu bilden und kann zudem die Bildungsungleichheit verschärfen. Kostenlose, unabhängige Netze sind daher sehr wichtig.

Freifunk: Verbreitung, Kosten, Risiken, Rechtliches

Freifunk-WLAN gibt es vor allem in Städten.
Freifunk-WLAN gibt es vor allem in Städten. (Foto: CC0 / Pixabay / nastya_gepp)

Freifunk gibt es in allen großen Städten, jedoch nicht flächendeckend. Das bedeutet, dass in Städten nur vereinzelt Freifunk-Netze entstehen, auf dem Land sind sie eher selten. In ganz Deutschland gibt es mehr als 100 Freifunk-Communitys, die nach Städten aufgeteilt sind. Dort finden unter Freifunk-Fans Treffen zum Austausch statt und es gibt Hilfe, wenn die Einrichtung des Routers nicht klappt. Außerdem veröffentlichen die einzelnen Freifunk-Communitys auch eigene Karten, auf denen kostenlose WLAN-Hotspots verzeichnet sind.

Die wichtigsten Informationen rund um Freifunk:

  • Kosten: Einmalig musst du einen zweiten Router kaufen, über den das WLAN-Signal gesendet wird. Da nicht alle Modelle geeignet sind, solltest du vorher auf der Webseite einer Freifunk-Community ein passendes Modell heraussuchen. Der Preis liegt bei ca. 40 Euro.
  • Sicherheit: Wenn sich kein anderer Freifunk-Router in der Nähe befindet, verbindest du deinen privaten Router mit dem Freifunk-Router. Auf diesen Freifunk-Router spielst du die Freifunk-Software auf (Anleitung). Dann läuft das Signal über eigene Gateways von Freifunk und wird anonymisiert und verschlüsselt (über VPN), bevor ein Fremder den WLAN-Hotspot nutzen kann.
  • Rechtliches: Was passiert, wenn über den eigenen Hotspot Straftaten begangen werden? Die sogenannte „Störerhaftung“ wurde in Deutschland weitestgehend abgeschafft. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Rechteinhaber (zum Beispiel Filmproduzenten) von Privatpersonen verlangen können, dass bestimmte Webseiten gesperrt werden – etwa, wenn dort illegale Filme abrufbar sind. Solche Fälle sind aber nicht bekannt.
  • Risiken: Obwohl der gesetzgeberische Wille den Ausbau freier Netze und keine Störerhaftung vorsieht, gibt es aus den letzten Jahren einen kuriosen Gerichtsfall. Eine alte Dame ohne Computerkenntnisse wurde 2020 zu 2.000 Euro Schadensersatz verurteilt, weil über ihren Hotspot illegale Filme heruntergeladen wurden. Dieses Urteil wurde vielfach kritisiert, weil es dem erklärten gesetzgeberischen Willen widerspreche, so die Verbraucherzentrale. Es ist jedoch der einzige Fall seit Abschaffung der Störerhaftung 2017. Allerdings lässt sich dieses Risiko umgehen, indem die Verschlüsselung mittels VPN aktiviert wird. Die VPN-Verbindung läuft über Server im Ausland, wo es keine Störerhaftung gibt.

Bei Freifunk selber mitmachen

Wer bei Freifunk selber mitmachen möchte, kann sich an die Community in der eigenen oder der nächstgelegenen Stadt wenden. Erste Informationen gibt es auf der Webseite der lokalen Freifunk-Community. Dort findest du auch alles Wichtige dazu, welche Router-Modelle für Freifunk geeignet sind und wie du die kostenlose Software auf den Router spielst.

Kontaktiere aber unbedingt die Freifunk-Community, damit sie auch deinen WLAN-Hotspot auf der Karte für die Stadt verzeichnet. Außerdem kannst du mit Nachbarn, Freunden und lokalen Unternehmen (Cafés, Kioske, Shops) sprechen, damit auch sie sich Freifunk anschließen. Ein dezentrales Netz von Bürger:innen für Bürger:innen funktioniert nur, wenn viele Menschen mitmachen.

Ein ähnliches Projekt ist PEP Coop, das für E-Mails konzipiert wurde:

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