Dieser Solar-Bahnhof produziert Strom, statt ihn zu verbrauchen

Plus-Energie-Bahnhof Uffing
Foto: Frithjof Finkbeiner / Varta Storage

In Uffing am Staffelsee steht der erste „Plus-Energie-Bahnhof“ Deutschlands: Der erstaunliche Solar-Bahnhof produziert Energie im Überfluss.

Das würde man sich auch mal bei einem der Bahn-Großprojekte wünschen: Dieser blaue Bahnhof der Gemeinde Uffing wurde energetisch saniert und mit einer 17,75 kWp-Photovoltaikanlage erweitert. Ein Batteriespeichersystem mit 24 Modulen und einer Kapazität von 11 kWh speichert den Strom, so dass das Gebäude auch nachts mit Sonnenenergie versorgt wird.

Bald soll man sogar Elektro-Autos und E-Bikes über die öffentliche Ladestation kostenlos aufladen können. Ein kostenloses Funknetz (Free WiFi) soll das Warten attraktiver machen und mehr Menschen dazu bringen vom Auto auf die Bahn umzusteigen. In den nächsten Jahren – angepeilt wird 2020 – soll der Bahnsteig von Gleis um 50 cm erhöht werden, damit alle Reisenden barrierefrei das Zugabteil erreichen können.

Die Sanierung verwandelte den 137 Jahre alten Bahnhof mit seinem historischen Vordach aus der Zeit der königlich-bayerischen Eisenbahngesellschaft in ein kleines Nachhaltigkeitsprojekt. Nutznießer ist unter anderem die Kinder- und Jugendstiftung Plant-for-the-Planet, die unzählige Bäume pflanzt und sich auch für erneuerbare Energien einsetzt und Räume des Bahnhofs nutzt. Auch eine Familie wohnt im Gebäude.

Strom-Tankstelle am Bahnhof Uffing während der Eröffnung des Solar-Bahnhofs (Foto: Andreas Holzhey)
Strom-Tankstelle am Bahnhof Uffing während der Eröffnung des Solar-Bahnhofs (Foto: Andreas Holzhey)

Realisiert wurde das Projekt von vielen Freiwilligen und lokalen Handwerkern. Zur Wärmesanierung gehören eine 25-cm-Dachdämmung mit Holzfaserplatten von Steico unter Tonziegeln von Creaton und über Dachpappe von Bauder, sowie eine 18-cm-Holzfaser-Fassadendämmung von Inthermo. Sie machen aus dem 137 Jahre alten Gebäudes ein Niederenergie-Haus. Alle Wärmebrücken wurden konsequent vermieden, so wurde das historische Vordach mit speziellen Iso-Körben von Schöck befestigt, so dass selbst diese 64 Stahlschrauben thermisch isoliert sind. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung von Systemair spart Energie über einen Wärmetauscher und verhindert gleichzeitig Schimmelbildung. Den Estrich über der Fußbodenheizung lieferte HeidelbergCement, den Innenputz Baumit, die Wasseraufbereitung Grünbeck. Varta Storage lieferte die Batteriespeicher Engion Family, Solare Datensysteme ein Energieverwaltungssystem namens Solar-Log, dessen Werte man am Solar-Bahnhof vor Ort sowie per Internet abrufen kann. Alle genannten Lieferanten haben die Kinder und Jugendstiftung Plant-for-the-Planet mit Materialspenden unterstützt und dazu beigetragen, dass der Bahnhof enkeltauglich auf dem höchsten Stand der Technik saniert und gleichzeitig das Budget eingehalten werden konnte.

Utopia meint: Das Projekt zeigt eindrucksvoll, dass man Erneuerbare Energien an vielen Orten praktisch und lehrreich einsetzen und auf diese Weise bewusst machen kann, dass Solarenergie sinnvoll und praxistauglich ist. Mammut-Bahnhöfe wie Berlin oder Stuttgart auf diese Weise zu versorgen würde zwar weitaus schwerer fallen, dennoch könnte man langsam mal anfangen, es wenigstens zu versuchen.

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(3) Kommentare

  1. Ist natürlich ein geniales Projekt. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, das es ein Unikat bleiben wird und wir von keinem weiteren lesen werden. Gefragt ist der einzelne, der auf sein Dach Solaranlagen installiert, http://www.solar-baar.ch
    Und es muss uns allen nicht um den eigenen Vorteil gehen, sondern um das was wir dadurch unseren Kindern hinterlassen können

  2. Warum soll das Projekt keine Nachfolger finden.
    Ähnliche Solaranlagen gibt es ja schon, es ist ja nur der erste Bahnhof seiner Art.
    Private Initiativen sind toll, aber wirklich voran kommen wird die Geschichte mit den erneuerbaren Energien damit alleine nicht.
    Schon gar nicht, wenn auch noch Elektro-Autos und E-Bikes mit versorgt werden sollen.
    Private Haushalte verbrauchten 2014 24,8 % des Stroms gegenüber Industrie, Handel + Gewerbe mit über 60%.
    Also nicht unken, sondern freuen und weiter machen…

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