TV-Tipp: Thorium, Atomkraft ohne Risiko?

Bild © WDR / Citzizien Films

Thorium-Flüssigsalzreaktor: Nie gehört? Kein Wunder, seit 70 Jahren wird die Technologie von der Nuklearindustrie totgeschwiegen. Dabei könnte Thorium – kein Atommüll, kaum Risiko – die Energieproduktion komplett revolutionieren. Die ARTE-Doku durchleuchtet, warum Kernkraft aus Thorium 1945 eine technologische Totgeburt war und warum es plötzlich doch der Brennstoff der Zukunft sein soll.

Wenn man die Atomkraft nicht erfunden hätte, um Hiroshima zu bombardieren oder Militärflotten anzutreiben, wie würden unsere Reaktoren heute aussehen? Wenn von Anfang an die zivile Nutzung der Atomenergie an erster Stelle gestanden hätte – als Lieferant von Energie und Wärme, mit dem Ziel Wind- und Sonnenenergie zu unterstützen anstatt sie zu ersetzen? Wenn man die Reaktoren so konzipiert hätte, dass sie aus sich heraus sicher wären, anstatt auf ein Arsenal von zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen angewiesen zu sein?

Dann wären unsere Reaktoren heute höchstwahrscheinlich Thorium-Flüssigsalzreaktoren. Tschernobyl und Fukushima wären unbekannte Punkte auf der Landkarte. Die moderne Welt hätte die Finger von Kohle und Kohlenwasserstoff gelassen und der Klimawandel wäre reine Science-Fiction.Nur liegen zwischen all diesen Möglichkeiten und der Realität viele Konflikte: der Zweite Weltkrieg, der Kalte Krieg, der Krieg um das Erdöl. Diese haben dazu beigetragen, dass unsere Atomkraft heute so ist, wie sie ist.

Doch jetzt, fast ein Dreivierteljahrhundert nach ihrer Erfindung, treten die Flüssigsalzreaktoren wieder auf den Plan. Gescheitert mit ersten Prototypen in den 40er Jahren, endgültig aufgegeben im Jahr 1973, werden sie jetzt wieder von Wissenschaftlern weiterentwickelt. Aber werden sie sich durchsetzen und die Energieversorgung unseres Planeten revolutionieren? Die Dokumentation begibt sich auf die Suche nach Alternativen zur klassischen Kernenergie.

Thorium, Atomkraft ohne Risiko ist jetzt auf ARTE.TV abrufbar

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(10) Kommentare

  1. Sehe ich das richtig, dass die Flüssigsalzreaktoren nur deshalb nicht weiterentwickelt wurden, weil man damit kein bombentaugliches Plutonium als Nebenprodukt (Abfallprodukt) erzeugen kann? Das heißt, die Verantwortlichen befürworteten eine hochgefährliche Rektorkonstruktion, in der Hoffnung, dass schon alles gut gehen würde und die Nachteile „irgendwie“ und irgendwann einmal in den Griff zu bekommen sind? Das heißt, dass die gegenwärtige Version von nuklearen Stromerzeugern die wunderbare Garantie für noch mehr Atombomben liefert, um den Preis, dass darunter die allgemeine Sicherheit nicht nehr gewährleistet ist? Das ist in der Tat teuflisch. Ein Teufelskreis! Fürwahr, ein circulus vitiosus! BRAVO!

  2. Immer wenn sich die Politik in die Wirtschaft einmischt, kommt dabei Unsinn raus. Die freie Wirtschaft hätte freiwillig nicht einen der heute existierenden Kernreaktoren entwickelt, denn man kann sie beispielsweise nicht versichern. Nur auf Druck der Politik sind die heutigen Druckwasserreaktoren gebaut worden. Widerstand aus der Bevölkerung gab es damals (60er Jahre) nicht ernsthaft. Geld und Sicherheit spielten keine große Rolle bzw. war ein Nebenproblem. Als der Widerstand dann in der Politik zu groß wurde, hat man in Deutschland dieser Technologie fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Und gleich damit hat man das Kind (Kernkraft überhaupt) mit dem Bade (bestehende Kernkraft) gemeinsam ausgeschüttet. jetzt setzt die Politik wieder mit massiven Subventionen auf eine untaugliche Technologie (Wind- und Solarparks), die zwar nicht so gefährlich, aber sinnlos ist. Wenn auch dagegen der Widerstand zu groß wird, wird das ebenfalls einfach aufgeben – denn man muss ja Wahlen gewinnen. Vielleicht erlebt dann die Thorium-Technologie eine Renaissance. Die Lehre aber daraus muss sein, dass erstens nicht die „Kapitalisten“ die Politik dominieren, sondern die Politik die Wirtschaft dominiert und zweitens dass es besser ist, wenn sich die Politik nicht in die Wirtschaft einmischt und ihre gigantischen Subventionen endlich zurückfährt. Aber eine Politik gegen die Subventionsabgreifer zu machen, erscheint heute utopisch. Versucht man das aber nicht, dass geht irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft der ganze Wohlstand und mit ihm die Freiheit verloren.

  3. Auch wenn die Subventionen nicht immer nachvollziehbar sind, würde ich nicht Wind- und Solarparks generell untauglich nennen.
    Es gibt sicher Standorte, wo beide tauglich sind und andere wo sie das nicht sind.
    Ein guter Mix ist das Beste.
    Subventionen sollten am Besten in eine unabhängige Forschung gesteckt werden, um Totgeburten zu verhindern…

  4. Ich lebe inzwischen dort wo sie, die Windräder „tauglich“ sein könnten, aber ihre Menge ist hässlich, einfach zuviel. Sie verschandeln die Landschaft und nach 20 Jahren sind sie Müll, der nicht wirklich ganzheitlich verwertet werden kann. Kläre mich auf, wenn Du mehr weisst.

  5. „Sie verschandeln die Landschaft und nach 20 Jahren sind sie Müll, der nicht wirklich ganzheitlich verwertet werden kann.“
    Genau, was ist dagegen schon das eine oder andere niedliche Atomkraftwerkchen. Die werten die Landschaft doch wenigstens richtig auf und Müllprobleme gibt es damit auch keine.
    Heiliger Strohsack…

  6. „Die Lehre aber daraus muss sein, dass erstens nicht die „Kapitalisten“ die Politik dominieren, sondern die Politik die Wirtschaft dominiert und zweitens dass es besser ist, wenn sich die Politik nicht in die Wirtschaft einmischt“
    Finde den Fehler… 🙂

  7. TV-Tipp: Thorium, Atomkraft ohne Risiko? – mich erstaunt, dass ihr einen solchen Tipp abgebt. Ich hätte erwartet, dass folgender Tipp mindestens dazu gehört. http://www.bund-rvso.de/thorium-reaktor-fluessigsalz-klein.html
    Atomkraft ist Atomkraft… da gibt es nix weiter zu sagen und auch keine Renaissance möglich.
    Der Film ist zwar schon älter und Herrmann Scher leider verstorben, aber ich empfehle ihn gern immer wieder.
    http://www.bund-rvso.de/thorium-reaktor-fluessigsalz-klein.html
    Ansonsten wird in Indien auch mit Algen und Salzwasser experimentiert und es entsteht Zucker als Abfallprodukt. Hier muss es weiter gehen, dann sind auch nicht unzählige Windräder, die z.T. stillstehen…, nicht notwendig… und eine Landschaft, wie die Lausitz muss nicht weiter verschandelt werden…

  8. „Ansonsten wird in Indien auch mit Algen und Salzwasser experimentiert“
    Nur, dass man mit Experimenten keinen aktuellen Bedarf decken kann.
    Hast Du irgendeinen Link dazu, damit man weiß, was Du konkret meinst?

  9. Wenn der Staat nicht in die Wirtschaft eingreift, dann sieht es so aus, wie man sich in zahllosen Gebieten mit schwachen oder nicht vorhandenen staatlichen Strukturen ansehen kann: Unterentwickelt auf allen Ebenen. Das der Staat auch immer Mist baut ist nicht von der Hand zu weisen, aber dass er notwendige Infrastruktur auf allen Ebenen erstellt, auch nicht. Zudem, bringt er wenn auch ein geringes, so doch ein Maß an demokratischer Kontrolle mit sich. Diese muss selbstverständlich enorm ausgebaut, wenn nicht neu konstruiert werden.

  10. ach ja, ich hab noch eine Frage. woher wissen Sie, das Wind- und Sonnenkraftwerke untauglich sind? Das wäre für mich eine wichtige Information. Danke

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