Der Wohnwagon – das energieautarke Eigenheim für Minimalisten

Der Wohnwagon
Foto © Wohnwagon

Bio-Toilette, eigener Wasserkreislauf, eigener Strom – der Wohnwagon zeigt nicht nur, wie man mit wenig Platz komfortabel leben kann, sondern auch wie die Energieversorgung der Zukunft aussieht.

Wie viel Platz braucht man eigentlich zum Leben? In der Praxis beantworten wir diese Frage ziemlich großzügig: im Durchschnitt stehen heute jedem Deutschen 45 m² (Wohnfläche pro Kopf) zur Verfügung. Aber wie wird das in der Zukunft aussehen? Die Verstädterung nimmt zu, die Menschen werden immer älter und immer mehr.

Darum werden uns fragen müssen, wie wir unseren Lebensstandard und Komfort trotz weniger Platz aufrecht erhalten und wie wir städtischen Wohnraum mit dem Bedürfnis nach Natur und Freiheit kombinieren.

Eine außergewöhnliche Lösung dieser Probleme steht schon bereit: der Wohnwagon. Das gleichnamige Handwerks-Start-up aus Österreich baut ein 25 m² großes Heim, reduziert auf das Wesentliche und trotzdem schön. Qualität und Ressourcenschonung stehen dabei im Zentrum. Gearbeitet wird ohne giftige Lacke, sondern mit viel Holz und natürlichen, regionalen, oft auch recycelten Rohstoffen.

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Minimalistisch, aber komfortabel – Wohnwagon von innen (Foto © Wohnwagon)

Minimalistisches Wohnen neu gedacht

Christian Frantal, Ideengeber und technischer Kopf hinter dem Wohnwagon, wollte reduziertes Wohnen auf eine neue Eben heben und erstmals wirklich greifbar machen – auch für Menschen, die so eine Wohnform normalerweise nicht in Erwägung ziehen würden. Er meint: „Der Wagen macht spürbar und fühlbar, wie befreiend es ist, sich zu reduzieren. Der Wagen ist für mich auch ein Statement zu all dem Irrsinn der in der Welt oft abgeht. Und auch ein Beitrag zur Umweltpolitik. Es ist unsere Art des Protestes gegen eine ziemlich verrückte Welt. Es ist unser Weg, unsere Wut, Empathie und Liebe konstruktiv zu manifestieren. Wir wollen greifbar machen: Es geht auch anders!“.

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Wenig Platz sinnvoll genutzt – Wohnwagon-Grafik von oben

Der Wohnwagon versorgt sich selbst

Das besondere am Wohnwagon: er ist autark. Ausgestattet mit einer Bio-Toilette, einem eigenen Wasserkreislaufsystem mit Grünfilter auf dem Dach und Solaranlage versorgt sich der Wagen selbst. Die mobile Wohneinheit ist vollkommen unabhängig: ein geschlossener, innovativer Wohnkreislauf.

Strom vom Dach

Der Strom für den Wagen wird über vier Hochleistungs-Photovoltaikpanele erzeugt, die am Dach des Wagens montiert werden. Die Gesamtleistung ist so kalkuliert, dass das Haustechniksystem und der individuelle Stromverbrauch das ganze Jahr abgedeckt werden können, wenn man sein Verbrauchsverhalten entsprechend anpasst: LED-Beleuchtung, Laptop und Handy ja, Fernseher eher nein, Wasserkocher (kurz) und Kühlschrank ok, aber kein Kochen mit Strom, Radio ja, Riesen-Stereoanlage nur dann, wenn es der Ladezustand zulässt. Die Anlage fordert einen bewussten Umgang mit Energie – ermöglicht aber dennoch ein komfortables, ganzjähriges Wohnen.

Damit es auch im Winter warmes Wasser und Heizwärme gibt, ist der Wohnwagon mit einer „Badeofen-Solar-Heizung“ ausgestattet: Ein Wassertank. der mit einem Holzofen beheizt wird und mit der Solaranlage am Dach gekoppelt ist. Solange die Sonne genug Kraft hat, wird Warmwasser und Heizwärme über die Solaranlage erzeugt. Reicht das nicht mehr, kann mit Holz ganz einfach zugeheizt werden.

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Auf dem Dach: Solarnalage für eigenen Strom; Sumpfpflanzen reinigen verbrauchtes Wasser. (Foto © Wohnwagon)

Abwasser wird von Pflanzen gereinigt

Im Wagen sind rund 650 Liter Wasser im Kreis unterwegs. Der Großteil befindet sich auf dem Dach, 140 Liter sauberes Wasser sind in den Tanks im Boden gespeichert. Regenwasser wird über das Flachdach gesammelt und füllt den Kreislauf immer wieder auf und ersetzt verdunstetes Wasser. Das benutzte Brauchwasser (von Dusche oder Waschbecken) wird auf das Dach gepumpt und in der Grünkläranlage gereinigt. Das erledigen spezielle Sumpfpflanzen zusammen mit Mikroorganismen auf dem Dach des Wohnwagons. Das Wasser durchläuft in ca. 24 Stunden den Klärkreislauf und kann am Ende wieder zum Duschen und Händewaschen verwendet werden. Um Trinkwasser zu erhalten, wird ein spezieller Filter dem Kreislauf hinzugefügt.

Bio-Toilette: Nichts wird einfach runtergespült

Die Toilette funktioniert unabhängig vom Wasserkreislauf. Aus den flüssigen Ausscheidungen produziert das Bio-Klo Dünger zum Gießen. Kot wird mithilfe einer Mischung aus Pflanzenkohle, Steinmehl und Biofasern geruchsfrei zu Schwarzerde kompostiert.

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Die Bio-Toilette produziert Düngemittel und Schwarzerde – runtergespült wird nichts

Kostenfrage: Wer will Wohnwagon-Pionier werden?

Der Wohnwagon kostet je nach „Autarkiegrad“, Größe und Einrichtung zwischen 40.000 und 90.000 Euro. Gefertigt wird er in regionalem Handwerk in Niederösterreich. Über 150 Interessenten gibt  es laut Wohnwagon bisher, drei  sind  bereits verkauft. Noch in diesem Jahr sollen weitere 10 Pionier-Kunden gefunden werden, die einen Wohnwagon vorbestellen und damit dem jungen Unternehmen den erfolgreichen Start ermöglichen.

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Genügend Platz für Gäste – im Wohnraum Ihrer Zukunft? (Foto © Wohnwagon)

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