The Growroom: Ikeas Selbstversorger-Garten

Foto: R. Hjortshoj

Für eine grüne Rückzugsmöglichkeit oder eigenes Gemüse gibt es in der Stadt oft zu wenig Platz – Space10, Ikeas externe Innovations-Schmiede, will das ändern. Der „Growroom“ soll aber weit mehr sein als ein schmackhaftes Möbelstück.

Wie können wir die Natur zurück in unsere Städte bringen? Wie können wir den stetig steigenden Bedarf an Lebensmitteln decken? Gibt es Alternativen zur globalen Nahrungsmittelversorgung? Space10, Ikeas „innovation hub“ in Kopenhagen, hat sich mit diesen Fragen auseinandergesetzt und eine spektakuläre Antwort darauf entworfen. Der Growroom soll zeigen, wie sich Städte mithilfe von cleverer Architektur selbst mit Lebensmitteln versorgen können:

„Local food represents a serious alternative to the global food model. It reduces food miles, our pressure on the environment, and educates our children of where food actually comes from.“

(dt: Lokal erzeugte Lebensmittel sind eine echte Alternative zur globalen Nahrungsmittelversorgung. Die Transportwege sind kürzer, die Auswirkungen auf die Umweltbgeringer und unsere Kinder lernen, wo das Essen eigentlich herkommt.)

Growroom
Die ursprüngliche Version des Groowrooms war mit Metalschienen ausgestattet. Damit die Herstellung noch einfacher klappt, kommt nur noch ein Material zum Einsatz: Holz. (Foto: Alona Vibe)

Sperrholz, Schrauben, eine Anleitung in 17 Schritten – das alles klingt ganz nach Ikea. Den Growroom wird man allerdings weder im Ikea Katalog finden noch in einer Filiale kaufen können. Aus gutem Grund:

„ … it doesn’t make sense to promote local food production and then start shipping it across oceans and continents.“

(dt: „Es macht keinen Sinn,  die lokale Lebensmittelerzeugung zu unterstützen und ihn [den Groowroom] dann über Ozeane und Kontinente hinweg zu verschiffen.)

Growroom
„The Growroom is produced in only one material, and is put together with hammers, or whatever hard object you have lying around, that can be used for knocking the chisels in place.“ (Foto: Niklas Vindelev)

Um lange Transportwege zu vermeiden, setzt Space10 auf eine nachhaltige Lösung:

„That is why we now release The Growroom as open source design and encourage people to build their own locally as a way to bring new opportunities to life.“Die Bau- bzw. Schnittpläne für den Growroom sind dank Open-Source-Lizenz öffentlich zugänglich und frei verfügbar. Das soll „die Menschen ermutigen, ihren eigenen lokal nachzubauen. um sich neue Möglichkeiten zu eröffnen.“

 

Growroom
Sine Lindholm und Mads-Ulrik Husum — die Architekten des Growrooms (Foto: Niklas Vindelev)

Der Haken: Für den Zuschnitt des Holzes braucht man Technologien wie einen Lasercutter oder eine CNC-Fräse. Die hat man für gewöhnlich nicht zuhause – das wäre auch nicht Sinn der Sache. Space10 will auf das Potential der aufblühenden Technologien aufmerksam machen. Dezentraler Konsum kann eine nachhaltige Alternative für die Zukunft sein, das gilt nicht nur für Lebensmittel. Und wer in einer großen Stadt wohnt, hat mit großer Wahrscheinlichkeit schon heute einen „Maker-Space“ oder ein „Fab-Lab“ in der Nähe, wo man den Zuschnitt für den Growroom bewerkstelligen kann.

Growroom
Die überlappenden Stufen gewährleisten, dass Wasser und Licht alle Pflanzen erreichen, ohne dass ein Ruhe suchender „Besucher“ im Inneren dadurch beeinträchtigt wird. (Foto: Niklas Vindelev)

Mit 2,8 x 2,5 Metern soll der Growroom Platz in städtischen Gefilden haben. Gemäß den Prinzipien des „Vertical Farming“ wachsen Gemüse, Kräuter und andere Pflanzen neben und vor allem übereinander.Der „spherische Garten“ soll außerdem eine kleine Oase, eine grüne Rückzugsmöglichkeit für Stadtmenschen sein:

„It is designed to support our everyday sense of well being in the cities by creating a small oasis or ‘pause’-architecture in our high paced societal scenery, and enables people to connect with nature as we smell and taste the abundance of herbs and plants“

Growroom
The Growroom: Gärtchen, Oase, Inspiration. (Foto: Alona Vibe)

Utopia meint: Klar, der Growroom kann keinen Kartoffelacker ersetzen und macht einen Haushalt nicht allein zum autarken Paradies. Aber er zeigt, dass man sich auch auf kleinem Raum eine kleines Stück Unabhängigkeit schaffen kann – und macht vor allem richtig Lust dazu, eigenes Gemüse zu pflanzen, zu gestalten und die Dinge wieder selbst in die Hand zu nehmen. Und das finden wir richtig gut.

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(10) Kommentare

  1. Man braucht also einen Lasercutter und CNC Fräse . Schon mal etwas von Stichsäge, Kreissäge ,Schwing- und Bandschleifer , Zollstock, Bleistift und Lineal gehört? Der erste den ich baue wird wohl eine Woche dauern, d.h. Arbeitsgänge optimieren und dann nach dem 5. Teil etwa 2 Tage.

  2. Genau. Das fiel mir auch gerade ein, als ich die Bilder sah. Mit einer Stichsäge ist das gar kein Problem. Noch besser ist es, man baut sich Modelle aus 3mm Hartfaserplatten in Originalgröße, dann geht man zum Schreiner und läßt die Platten fräsen. Der braucht auch kein CNC, sondern es reicht ein Anlaufring an der Fräse. Wenn man die Modelle hat, kann man gleich in die „Serienfertigung“ gehen.
    Im Übringen eine tolle Sache von Ikea, auch das mit der open Source.
    Man kann sowas im Übrigen auch einfacher als Pyramide bauen, mit 4 Balken, die an der Spitze zusammen laufen und geraden Brettern dazwischen für die Pflanztöpfe. Die letzten 80-100 cm an der Spitze kann man dann sogar mit Plexiglas bedachen. Neigungswinkel müßte man ausprobieren.

  3. Die Pyramide ist eine GENIALE IDEE: die dazu erforderlichen, geraden Bretter kann man sich in jedem Baumarkt zusägen lassen ohne vorher ein Modell machen zu müssen oder einen Lasercutter o. ä. zu benötigen.

    Großer Vorteil: auch die Pflanzen auf den unteren Böden bekommen direktes Licht!

    Nun noch zwei Fragen:
    Wie beständig ist denn das sogenannte wasserfeste Sperrholz gegen unsere Witterung in Gegenwart von Erde???
    Wie „giftig” wäre denn eine Imprägnierung, die das Verrotten für Jahre verhindert, damit sich der doch beachtliche Aufwand an Material und Arbeitszeit auch lohnt?

  4. Da präsentiert der Ex & Hopp Möbeldiscounter also eine aus Sperrholz nachgebaute stilisierte Weltkugel. Hübsch und Weltkugel ist ja so schön positiv emotional besetzt und dann noch so hübsch grün. Das die Bauteile individuell nur relativ mühsam herstellbar sind (wie oben ja schon beschrieben), das die Idee senkrechter Gärten nun wirklich nicht neu ist, das in dieser Variante die Pflanzen der unteren Ebenen, dem Design geschuldet kaum Licht bekommen, das mit hohen Industrie- und Energieaufwand hergesstelltes Sperrholz – auch das sog. wasserfest verleimte (Chemikaliencocktail im Leim inbegriffen) – in Verbindung mit Wind, Wetter und Erde nur bescheidene Halbwertzeit hat und damit wenig nachhaltig ist, wenn juckt´s wenn´s doch soooo hübsch ist?

    Hier geht es darum den Namen IKEA mit positiven grünwohlfühl Emotionen zu besetzen, damit Kunde den ganzen anderen Krempel mit Wohlfühlfeeling konsumiert. Konsum geht heute über positive Emotionsbesetzung von Marken.
    Leute fallt nicht auf jede Marketingmasche herein!

  5. Ich kann meinem Vorredner nur zustimmen! Man könnte eigentlich genauso gut mehrere (Metall) Regale im Quadrat aufstellen und Kübel oder Kästen draufstellen…. Die Idee „grow room“ ist echt nicht sehr originell. Ich frag mich auch, was man da anpflanzen kann. Ich selbst züchte auf meinem Balkon jedes Jahr Gemüse, Obst und Kräuter. Mit diesen 10-15 cm Aufbauhöhe der Pflanzkästen von grow-room sind maximal Kräuter und evtl noch Erdbeeren / Salat gut aufgehoben. Beim Gemüse sehe ich da wenig Chance ( man denke mal an Tomaten, Möhren, Rote Beete, Gurke, Zucchini….) auf Ertrag. Und eigentlich ist das doch die Intention gewesen, sich selbst zu versorgen, oder nicht?
    Für mich sieht das auch mehr nach Werbekampagne aus, als als ernstzunehmendes Konzept.

  6. Ich verstehe nicht, wo ich das hinstellen soll. In mein Wohnzimmer? Zu dunkel. Auf den Balkon? Platzverschwendung. In den Hof? Gehört mir nicht, ich wohne schließlich zur Miete in einem Seelensilo. Also auf die Straße. Was ich auch nicht darf. Außerdem ist es dann auf jeden Fall weg. In den Garten? Hahaha – kleiner Scherz.
    Ich versteh es also nicht. Was soll ich damit tun? Es braucht doch Licht von 4 Seiten!

  7. Hast völlig recht.
    Ich finde es auch reichlich unpraktischen Schwachsinn.
    Jeder, der schon mal gegärtnert hat, weiß daß sich Holz und Erde nicht verträgt.
    Wenn das Holz irgendwann durchfault, hat man großen Spaß.
    Dann lieber ein paar qm in einem Gemeinschaftsgarten suchen.

  8. Bitte, bitte kein Growroom und erst recht nicht von IKEA, alles, was Du brauchst, wächst von selbst und ganzjährig.
    Denk an die Bäume und „relax instead of buying stress“!

  9. hallo zusammen
    Ich habe eure Einlassungen zum Thema growroom gelesen.
    Die Idee der Pyramide ist ehrlich gesagt besser, braucht aber auch Platz. Wir nehmen für diese Art von Arbeiten Pallettenholz. Da wir auf einem Misch-Gewerbegelände wohnen, haben wir fast immer Holz frei Haus. Damit das Holz nicht fault, wenden wir eine alte Holzschutzmethode an. Die Japaner nennen diese Technik Shou Sugi Ban.
    Die Oberseite der zu verwendenden Bohlen wird mit einer Brennerflamme angekohlt.
    Danach wird das Holz mit Wasser abgespritzt und gebürstet. Man(n) stinkt wie ein Räuchermännchen, aber das Ergebnis lohnt sich, oder warum haben alte Fachwerkhäuser wohl so schwarze Balken ? Nun, wie dem auch sei, unser kleinen Gewächshäuser, Hochbeete halten schon seit einigen Jahren alles an Witterung aus.
    Sehr anschaulich wird die Methode auf Pinterest oder Youtube demonstriert, so dass man sich den Arbeitsweg in Ruhe ansehen kann.
    Mit freundlichen Grüßen Alternaquovadis

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