Alternativen zu Ikea

Alternativen zu Ikea
Foto: © Friedberg - Fotolia.com

Ausbeutung, illegal geschlagenes Urwald-Holz, Schadstoffe: Immer wieder sorgt Ikea für Skandale. Zwar gehört verantwortungsvolles Wirtschaften inzwischen zur Unternehmens-Philosophie, trotzdem spricht vieles gegen den Einkauf im schwedischen Möbelhaus. Utopia zeigt Alternativen zu Ikea.

Wenn das bekannteste Möbelhaus der Welt wirbt, erkennt man das meist schon, bevor Ikea namentlich genannt wird. Mit stilvoll überfrachteten Räumen wird eine unverwechselbar wohnliche Atmosphäre geschaffen; zufriedene Eltern und glückliche Kinder machen das Bild perfekt. Eine Idylle, die schnell zu bröckeln beginnt, wenn man weiß, was Ikea für die Herstellung seiner Produkte in Kauf nimmt.

Wohnst du noch oder weißt du’s schon?

Skandale aus der Vergangenheit sprechen für sich: In der ehemaligen DDR sind bei der Produktion von Ikea-Waren politische Häftlinge und Strafgefangene eingesetzt worden. In den 80er Jahren gab es Berichte über Kinderarbeit und Hungerlöhne bei den Lieferanten, 2012 wurde bekannt, dass Ikea in Frankreich seine Mitarbeiter systematisch bespitzeln lässt. 2014 kritisierte der ARD-Markencheck, dass Ikea in einer weißrussischen Fabrik produzieren lässt, wo Mitarbeiter nachweislich ausgebeutet werden. Auch aus diesen Gründen suchen Konsumenten immer wieder bewusst nach Alternativen zu Ikea.

Hej! Ikea übernimmt Verantwortung

Immerhin: Schon seit einigen Jahren gehört verantwortungsvolles Wirtschaften offiziell zur Unternehmensphilosophie von Ikea. Davon zeugt insbesondere der ambitionierte Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens: Das Möbelhaus will z.B. bis 2020 all seine Gebäude zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen und ist auf einem guten Weg dorthin.

Die Pressspan-Möbel von Ikea haben den Ruf, gesundheitsgefährdendes Formaldehyd auszudünsten. Auch hier hat Ikea nachgebessert: Ende 2013 hat Ökotest 20 Möbel getestet und nur bei zehn Produkten Ausdünstungen in geringen, wenig bedenklichen Mengen festgestellt.

Baumwolle und Holz versucht Ikea „nachhaltiger“ zu beziehen und hat mit dem „IWAY“ einen eigenen Forstwirtschaftsstandard entwickelt, den alle Lieferanten einhalten müssen. Etwa 37 Prozent des verwendeten Holzes sind inzwischen mit dem Nachhaltigkeitssiegel FSC ausgezeichnet, ca. 4 Prozent sind recycelt.

Auf Holzwegen

Auch wenn laut Ikea inzwischen 99 Prozent des verwendeten Holzes dem eigenen Forstwirtschaftsstandard entsprechen, muss sich das Unternehmen immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, mit Hölzern aus illegalem Raubbau zu produzieren. Selbst das zertifizierte Holz steht in der Kritik: das ARD-Magazin Plus-Minus beschuldigte Ikea 2011, mit seiner FSC-zertifizierten Tochterfirma Sweedwood an der Abholzung eines der letzten europäischen Urwälder in Rumänien beteiligt zu sein. 2014 verlor Sweedwood zeitweilig die FSC-Zertifizierung für Waldgebiete in der russischen Teilrepublik Karelien, weil dort „schwerwiegende Verstöße“ gegen die FSC-Kritierien festgestellt wurden.

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(Urwald)-Holz aus illegalem Raubbau – ein häufiger Vorwurf gegen Ikea. (Foto: Colourbox.de)

Ikearisierung: vom Erbstück zum Wegwerfartikel

Der Sozialwissenschaftler Harald Welzer erwähnt in seinem Buch „Selbst denken“ eine schöne Anekdote, die er öfter auf Vorträgen erzählt: Ein älteres Ehepaar entschließt sich nach sorgfältiger Qualitätsprüfung, einen Ikea-Schrank zu kaufen, weil sie ihn ja später mal ihren Enkeln vererben könnten. Aufgrund dieser absurden Vorstellung beginnt das Publikum für gewöhnlich zu lachen.

Die meisten Möbel werden heute an den Sperrmüll weitergegeben, nicht an die nächste Generation. „Was Ikea und andere Billig-Möbelhäuser geschafft haben, ist die Verwandlung von langlebigen in kurzlebige Konsumgüter“, schreibt Welzer. Früher hat man oft lange gespart, um sich ein größeres Möbelstück zu leisten, hat es in einem anständigen Möbelhaus gekauft oder sogar vom Schreiner anfertigen lassen. Heute sind Schränke, Betten und Regale „Mitnahme- und Wegwerfartikel“.

Der Konsum an Möbeln in den westlichen Gesellschaften wächst vor allem deshalb alle zehn Jahre um 150 Prozent. Das sorgt nicht nur für Möbel-Müllberge, sondern verschwendet auch wertvolle Ressourcen. Herstellung und Entsorgung sind dabei gleichermaßen energieaufwändig: Auch das Recycling neu gekaufter und bald wieder entsorgter Möbel und Haushaltsgegenstände, das Ikea inzwischen im großen Stil praktiziert, verbraucht Energie.

Ikea-Alternativen: nachhaltige Möbelhäuser

Es entspricht nicht dem Zeitgeist und häufiges Umziehen gehört heute schon zu einem modernen Lebensstil; trotzdem: Möbel sollten keine Wegwerfprodukte sein! Wer diese Ansicht teilt, sollte sich mal in nachhaltigen Möbelhäusern oder auf deren Webseiten umsehen. Hier findet man Massivholzmöbel, die nur mit natürlichen Ölen und Wachsen behandelt werden, auch Leime und Kleber sind schadstofffrei. Polster und Textilien bestehen überwiegend aus natürlichen Materialien wie (Bio-)Baumwolle, Wolle oder Hanf.

Im Utopia-Produktguide finden Sie die besten nachhaltigen Möbelhäuser: Die besten nachhaltigen Möbelhäuser

Nachhaltige Materialien und hochwertige Verarbeitung verleiht Möbeln eine lange Haltbarkeit, die sie zu potentiellen Erbstücken macht. Diese Art der Herstellung verbraucht auch weniger Energie. Die Hölzer stammen meist aus nachhaltiger Forstwirtschaft – aus Deutschland oder benachbarten Ländern. Produziert wird nicht wie bei Ikea in China oder anderen Billigländern, sondern ebenfalls zum größten Teil in Deutschland. Kleine lokale Schreinereien wollen wir als Ikea-Alternative nicht vergessen; hier sollte man einfach mal nachfragen woher das Holz stammt.

Die Sache hat natürlich einen Haken: Mit den Niedrigpreisen von Ikea können verantwortungsvoll produzierte Möbel auf den ersten Blick nicht mithalten. Auf Dauer aber schon: Massivholz-Möbel halten locker zwei bis drei Generationen – sie sind eine Investition, die sich langfristig rechnet. Ein windiges Regal, das keine 50 Euro kostet und kaum einen Umzug unbeschadet überlebt, hat in einem nachhaltigen Denken keinen Platz.

Ikea-Alternative: Möbel gebraucht kaufen

Wem nachhaltige Möbelhäuser zu teuer sind, der findet im Gebrauchtkauf eine echte Alternative zu Ikea. Wir müssen weg von dem Gedanken, dass immer alles neu sein muss. Gebrauchte Möbel sind weder von minderwertigerer Qualität noch irgendwie eklig. Im Gegenteil: es sind die kleinen Gebrauchsspuren und die Patina der Zeit, die ihnen Charme geben. Und die lange Haltbarkeit von Massivholzmöbeln ist ein ideale Voraussetzung dafür, einen Gegenstand zu kaufen, den schon jemand anderes benutzt hat.

Ikea Alternative: Gebraucht kaufen
Günstig, stilvoll und nachhaltig: gebrauchte Möbel (Foto: pontchen / photocase.com)

Wer auf Gebraucht-Portalen kauft, sollte natürlich in der eigenen Gegend suchen; das spart Kosten und Energie beim Transport. Besonders für kleine Möbel oder andere Einrichtungsgegenstände sind die guten alten Flohmärkte eine weitere Möglichkeit zum Gebrauchtkauf.

Auf Zweitsinn.de bieten unabhängige Anbieter gebrauchte, restaurierte Möbel an. Auch hier gilt: Besser in der eigenen Umgebung suchen.

Für alle, die nicht auf Ikea verzichten, aber dennoch etwas anders machen wollen: Auf Wikinea kann man gebrauchte Ikea-Möbel kaufen und zum Kauf anbieten. Möbel, für die der Besitzer keine Verwendung mehr hat, landen so nicht direkt auf dem Sperrmüll, sondern bekommen ein zweites Leben. Und gleichzeitig tritt kein weiteres neues Ikea-Möbelstück seinen Weg in den Konsum-Kreislauf an.

Im Utopia-Produktguide finden Sie die besten Portale für den Gebrauchtkauf: Die besten Online-Portale für den Gebrauchtkauf

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