Fordert der Klimawandel bald Tausende Hitzetote in Deutschland?

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Forscher gehen davon aus, dass es wegen des Klimawandels künftig vermehrt Hitzewellen geben wird – und dass diese Entwicklung tausende Hitzetote fordern könnte.

Der Sommer ist heiß: An 72 von 118 Plätzen, an denen der Deutsche Wetterdienst (DWD) Temperaturen misst, brach der Juli bereits Hitzerekorde. Für die einen ist das Sommerfeeling pur, für die anderen unerträgliche Qual. Forscher gehen davon aus, dass wegen des Klimawandels sowohl die Zahl der Hitzewellen als auch die Temperaturen während dieser Perioden zunehmen werden. Doch welche Auswirkungen hat diese Hitze eigentlich auf unsere Gesundheit?

Dieser Frage ging eine Studie (PDF) des DWD für das Umweltbundesamt (UBA) nach. Es zeigte sich, dass Hitze nicht nur unangenehm ist, sondern schädlich für unsere Gesundheit. Die zunehmend längeren und intensiveren Hitzeperioden belasten unser Herz-Kreislauf-System. Dies führt zu mehr gesundheitlichen Beschwerden, und die können sogar lebensbedrohlich ausfallen.

Ungesundes Wechselbad von Hitze und Kälte

Nicht nur die Hitze allein ist eine Gefahr, vor allem die Temperaturschwankungen machen vielen Menschen schwer zu schaffen. Und diese fallen im Zuge der globalen Erwärmung immer extremer aus. Besonders gefährlich sind laut UBA-Präsidentin Maria Krautzberger „Tage mit raschen Temperaturänderungen gegenüber dem Vortag oder starken Temperaturschwankungen am gleichen Tag“.

Die Studie des DWD ist Teil einer umfangreichen Analyse zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Mensch und Umwelt. Zunehmende Wetterschwankungen und -extreme mit Phänomenen wie Hitzewellen, Stürmen, extremer Trockenheit, starken Niederschlägen und damit verbundenen Überschwemmungen traten demnach in den letzten Jahren immer häufiger auf. Sie werden auch in Zukunft keine Seltenheit mehr sein.

Hitze ist tödlicher als Fluten und Stürme

Bei Ereignissen wie Stürmen oder Überschwemmungen entstehen oft Sachschäden in Milliardenhöhe, doch die Anzahl der Todesfälle hält sich meist in Grenzen. So starben bei dem zerstörerischen Orkan „Kyrill“ im Jahr 2007 in Deutschland 13 Menschen, beim Sturmtief Niklas im März und April dieses Jahres 9. Ähnlich sind die Zahlen auch für Hochwassertote: Bei den Jahrhundertfluten 2002 und 2013 kamen in Deutschland 21 (2002) beziehungsweise 14 (2013) Menschen ums Leben.

Schlimm genug, doch die Zahl der Hitzetoten liegt drastisch höher: Jährlich sterben etwa 500 Mal so viele Menschen an den Folgen der extremen Temperaturen als durch Hochwasser oder Orkane. Während der Hitzewelle 2003 („Jahrhundertsommer“) verstarben in Westeuropa insgesamt 40.000 Menschen mehr als für diesen Zeitraum üblich – ca. 7.000 Fälle entfielen dabei auf Deutschland. Damit war die Hitzewelle für knapp ein Prozent aller Todesfälle im Jahr 2003 in Deutschland ursächlich.

Hitzeperioden sind besonders dann gefährlich, wenn sie über einen sehr langen Zeitraum andauern. Die hohen Temperaturen führen zu einem Flüssigkeitsmangel und können typische hitzebedingte Notfälle – wie zum Beispiel Hitzschlag oder Sonnenstich – auslösen und chronische Krankheiten verschlimmern. Dies könnte „bis zum Ende des Jahrhunderts zu einer Vervielfachung der hitzebedingten Sterblichkeit“ führen, so Paul Becker, Vizepräsident des DWD.

Wer gesund ist, hat wenig zu befürchten

Zur Entwarnung sei gesagt: Gesunde Erwachsene müssen keine Angst haben. Allerdings gibt es auch Menschen, denen die Hitze gefährlich werden kann. Dazu gehören ältere und pflegebedürftige Menschen und Kleinkinder, Kranke alle Art, aber auch Sportler sowie Menschen, die den ganzen Tag im Freien arbeiten müssen.

Großstädter leben gefährlicher, weil es dort heißer wird als auf dem Land. Auch wer Drogen, Kaffee und Alkohol konsumiert oder bestimmte Medikamente (z.B. Blutdrucksenker, Beruhigungsmittel oder entwässernde Medikamente) nehmen muss, ist vermehrt Gefahren ausgesetzt.

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