Lidl verkauft künftig nur noch zertifizierte Bananen

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Die Supermarkt-Kette Lidl verkauft von nun an nur noch grüne Bananen – zertifiziert mit dem Fairtrade- oder dem Rainforest Alliance-Siegel. 

Wenn Lidl es bisher in die Schlagzeilen schaffte, dann eher für die massive Kritik seitens Umweltschützern und Gewerkschaftern. So sei Lidl durch seine aggressive Preispolitik mit schuld daran, dass deutsche Bauern viel zu geringe Preise für ihre Waren verlangen können. Und auch den eigenen Leuten ging es bei Lidl in der Vergangenheit nicht gut – so deckte etwa ARD letztes Jahr auf, dass das Unternehmen sich große Mühe gab, die Gründung von Betriebsräten zu verhindern.

Bald grüne Bananen bei Lidl

Doch nun versucht sich Lidl schon seit einiger Zeit besser zu positionieren – bei der Discounter-Kette findet sich seit schon seit Jahren Fairtrade-Kaffee und -Schokolade sowie nachhaltigeres Obst und Saft. Nun wurde zudem bekannt gegeben, dass künftig ausschließlich Bananen mit Fairtrade- oder Rainforest Alliance-Siegel verkauft werden sollen.

Bis zum Jahresende soll die Lieferung auf Bananen von zertifizierten Plantagen komplett umgestellt sein. Laut Huffington Post sollen die nachhaltigen Früchte bereits in einigen Wochen in deutschen Filialen zu kaufen sein, bis zum Jahresende werden sie dann auch von britischen Lidl-Supermärkten ins Sortiment aufgenommen.

Kritik an Rainforest Alliance

So richtig die Richtung, die Lidl hier einschlägt auch ist: es ginge noch besser. Das Rainforest Alliance-Siegel wurde in der Vergangenheit immer wieder hart kritisiert. Der Organisation wird unter anderem vorgeworfen, die Standards der Zertifizierung seien nicht streng genug. Im Gegensatz zu Bio-Zertifizierungen etwa erlaubt sie „definierte Agrochemikalien“, d.h. chemische Pestizide. Rainforest Alliance garantiert den Bauern zudem weder Mindestabnahmepreise noch eine Vorfinanzierung. Die Standards der Rainforest Alliance verlangen die Bezahlung nach nationalen Mindestlöhnen – meist sind diese jedoch nicht existenzsichernd.

Öko-Test erklärte das Siegel in dem Testbericht „Fairer Handel“ von 2012 als nicht ausreichend: Sowohl die Siegel Rainforest Alliance Certified als auch UTZ Certified machen demnach „zwar Vorgaben für soziale und ökologische Kriterien, die zum Teil über gesetzliche Mindestanforderungen hinausgehen. Sie garantieren aber keine Mindestpreise und die Vorfinanzierung ist nicht Teil der Vergabebedingungen.“

Klar ist: Besser als keine Zertifizierung ist das Siegel der Rainforest Alliance auf jeden Fall. Lidl macht also mit der Zertifizierung der Bananen einen wichtigen Schritt hin zu mehr Umwelt- und Sozialverträglichkeit in der Produktion. Trotzdem darf man hoffen, dass Lidl vermehrt auf das Fairtrade-Siegel für seine Bananen setzt – noch besser wäre eine Bio-Zertifizierung obendrauf.

Nachtrag: Starke Kritik an der Früchte-Zertifizierung durch Rainforest Alliance übte im Mai 2016 die Oxfam-Studie „Süße Früchte, bittere Wahrheit„. Rainforest Alliance wies die Vorwürfe zum Teil zurück, siehe Stellungnahme.

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(5) Kommentare

  1. Schön, dass der Druck der Bio-Branche nunmehr wohl in den Köpfen der Billigheimer
    angekommen ist.
    Ich kaufe aber nach wie vor lieber im Bioladen.
    Als „Otto-Moralverbraucher“ möchte ich im nachhinein nicht hören, dass LIDL wieder in einem Skandal verwickelt ist; und sei es nur das Rattengift im Laden ausgelegt wurde. von den Arbeitsbedingungen der Angestellten ganz zu schweigen.

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