Nachhaltigkeit geht, wenn man will

15. Jahreskonferenz des Rats für Nachhaltige Entwicklung
Foto: © Rat für Nachhaltige Entwicklung

Die Vorträge der 15. Jahreskonferenz des Rats für Nachhaltige Entwicklung drehten sich um Lebensmittelverschwendung, Vermüllung der Meere, effiziente Kreislaufwirtschaft – und zeigten, was wir schaffen können, wenn wir nur wollen.

15. Jahreskonferenz des Rats für Nachhaltige Entwicklung
Jahreskonferenz des Rats für Nachhaltige Entwicklung (Foto: © Rat für Nachhaltige Entwicklung) (David Ausserhofer, Peter Himsel, © Rat für Nachhaltige Entwicklung)

Unter dem Motto „Politische Innovationen für Nachhaltigkeit“ diskutierten am 3. Juni in Berlin rund 1.200 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, wie wir in Zeiten politischer Konflikte und verknappender Ressourcen nachhaltiger agieren können. Kurzvorträge stellten Probleme und Lösungen dar und gaben Impulse für eine nachhaltige Entwicklung – einige fanden wir besonders interessant.

Warum wir Lebensmittel verschwenden

Prof. Dr. Petra Teitscheid von der FH Münster schilderte eindrücklich, in welchem Ausmaß wir Lebensmittel verlieren und vernichten. Demnach landen jährlich 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Müll, ein Pro-Kopf-Verlust von 80 kg pro Jahr. Die Ursachen sind vielfältig, zu den Hauptgründen gehört der Umstand, dass der Mensch eher ungeplant einkauft und spontan Dinge haben will. Supermärkte erfüllen diese Bedürfnisse – mit frischem Gemüse auch noch am Samstagnachmittag. So entsteht Verschwendung. Auf Utopia geben wir hier 10 Tipps für weniger Essen im Müll.

Wie Städte zu Smart Citys werden

Prognosen zufolge werden im Jahr 2050 über 6,3 Milliarden Menschen in Städten leben. Die zunehmende Urbanisierung stellt uns vor drängende, neue Herausforderungen und ruft nach technisch basierten Veränderungen und Innovationen im urbanen Raum. Wie hier das Konzept einer „Smart City“ wirken kann, erklärte Prof. Dr. Ina Schieferdecker vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS). Starke Beiträge zu den Städten der Zukunft finden Sie hier.

Warum der ökologische Landbau kämpft

Einerseits boomt die Bio-Branche. Andererseits ist der Marktanteil noch immer gering, auch stiegen in den letzten Jahren nicht wenige Betriebe aus der ökologischen Produktion aus: zwischen 2003 bis 2010 etwa 1,4 Prozent pro Jahr. Klingt nach wenig, gibt aber doch zu bedenken – immerhin war die Umstellung auf öko schwierig und die Betriebe stellen aktiv auf konventionelles Wirtschaften zurück. Die Gründe dafür liegen laut Prof. Dr. Hiltrud Nieberg vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft vorranging in komplizierten Ökorichtlinien, unzureichenden Vermarktungsmöglichkeiten und fehlender Wirtschaftlichkeit. Kurz: Bio verkauft sich immer noch nicht gut genug, um sich zu lohnen.

Wie man Elektroschrott loswird

Die Kanzlerin war auch da ...
Die Kanzlerin war auch da … (Foto: © Rat für Nachhaltige Entwicklung) (David Ausserhofer, Peter Himsel, © Rat für Nachhaltige Entwicklung)

Wer bei uns Elektrogeräte loswerden werden, muss mühsam eine Stelle finden, wo die Rückgabe möglich ist (gute Hilfe: die eSchrott-App). In den USA kann damit sogar noch Geld verdienen: Das US-amerikanische Start-up ecoATM hat eine Art Bankautomat für das Elektrorecycling entwickelt. Man legt einfach das alte Gerät in den Automaten, der den Wert des Altgeräts über Schnittstellentest und kamerabasierte Evaluation ermittelt. Danach gibt’s Geld in Form eines Wertgutscheins. Coole Idee!

Wie Kreislaufwirtschaft aussehen kann

Etwa die Hälfte der Berliner Müllfahrzeug-Flotte tankt seit 2013 Kraftstoff aus Berliner Bioabfällen. Das spart jährlich rund 2,5 Millionen Liter Dieselkraftstoff und ist ein interessantes Beispiel für Kreislaufwirtschaft: Bio-Abfälle werden mit Kraftstoffen transportiert, die aus Bio-Abfällen entstanden. Perfekt ist das Beispiel noch nicht, weil ja nur ein Teil der Fahrzeuge einen Teil der Abfälle verwendet. Und doch zeigt es, was heute schon möglich ist – und künftig vermehrt umgesetzt werden kann.

EcoCrowd gewinnt Werkstatt N Publikumspreis

EcoCrowd gewann außerdem den Werkstatt N Publikumspreis des Rats für Nachhaltige Entwicklung. Die Crowdfunding-Plattform ermöglicht die Finanzierung nachhaltiger Projekte und vermittelt Investoren für z.B. eine Biogasanlage in Nigeria oder für ein Plastikrecycling in Ghana. Im Beitrag Crowdfunding: Kapital ohne Banken lesen Sie mehr über die allgemeinen Hintergründe von Crowdfunding, spezialisierte Systeme stellt der Beitrag Grüne Crowdfunding-Plattformen vor.

EcoCrowd gewinnt Werkstatt N Publikumspreis
EcoCrowd gewinnt Werkstatt N Publikumspreis (Foto: © Rat für Nachhaltige Entwicklung) (David Ausserhofer, Peter Himsel, © Rat für Nachhaltige Entwicklung)

Und wie nachhaltig war die Veranstaltung?

Zunehmend reagieren die Teilnehmer auf solchen Veranstaltungen gereizt, wenn zwar viel über nachhaltige Ideen visioniert, dafür aber wenig auch vor Ort getan wird. Die 15. Jahreskonferenz des Rats für Nachhaltige Entwicklung muss sich diesen Vorwurf nicht gefallen lassen und bedachte soziale und ökologische Aspekte auch beim Veranstaltungsmanagement. So gab es während der Veranstaltung ausschließlich Leitungs- statt Flaschenwasser, die Anreise erfolgte mit dem Veranstaltungsticket Umwelt Plus der Deutschen Bahn und der Strom kam zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Geht doch!

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