„Dann zieht man halt einen Pullover an“: Schäuble kritisiert „verwöhnte Gesellschaft“

Schäuble: "Zieht man halt einen Pullover an"
Screenshot: Bild-TV

Steigende Inflation und Energiepreise belasten die Menschen in Deutschland. Der CDU-Politiker und ehemalige Finanzminister Wolfgang Schäuble kritisiert in einem Interview zu hohe Ansprüche an den Staat. Bei Kälte solle man einen oder auch zwei Pullover anziehen.

Der frühere Bundestagspräsident und Ex-Finanzminister Wolfgang Schäuble hat sich in einem Interview mit Bild-TV zu der Debatte um die europäischen Energiekrise geäußert. Mit Blick auf den anstehenden kalten Winter bereitete der CDU-Politiker die Menschen mit folgender Aussage vor: „Dann zieht man halt einen Pullover an. Und wenn man einen zweiten Pullover anzieht, dann geht’s auch.“ Weiter riet Schäuble man solle, für den Fall eines Stromausfalls, ein paar Kerzen, Streichhölzer und eine Taschenlampe im Haus haben.

Deutschland sei verwöhnte Gesellschaft

Über die Deutschen sagte der ehemalige Bundesfinanzminister, sie seien „eine verwöhnte Gesellschaft“. Er selbst gehöre auch dazu. Menschen sollten der Gefahr widerstehen, dass es immer weitergehe. „Die Deutschen werden sich wieder mehr anstrengen müssen“, appelliert Schäuble.

Zum Thema Entlastungen sagte der Christdemokrat: Der Staat solle nur denen helfen, die gerade wirklich Hilfe bräuchten. „Den anderen muss man auch mal sagen: Zur Not kannst Du dann eine Urlaubsreise mal nicht machen“, so der Politiker. Es sei nicht nachhaltig, wenn bei Menschen der Eindruck entstehe, dass der Staat alles kann.

Es mache ihm Sorge, dass Menschen in Deutschland lieber weniger arbeiten wollten. Das sei zwar schön, aber nicht unser „dringendstes Bedürfnis“. Seine Erfahrung sei: „Ein erfülltes Leben ist sicher keines, indem man nur Spaß hat.“

Schäuble war selbst Teil des Problems

Utopia meint: Schäuble deutet einen wichtigen Punkt an: Gerade in der Energiekrise lohnt es sich, ein paar eingeschliffene Gewohnheiten zu verändern, um so Strom und Kosten zu sparen – und dabei auch etwas fürs Klima zu tun. Allerdings war Schäuble lange Zeit in seinen Ämtern als Bundesminister unter den Kabinetten Angela Merkels (2005-2017) selbst Teil des Problems: nämlich Teil einer Regierungspartei, die die Energiewende verschlafen – und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wie russischem Gas – forciert hat. Außerdem kommen seine Aussagen auch angesichts der aktuellen Proteste in Ostdeutschland, bei denen mehrere Tausend Menschen gegen die belastenden Energiekosten demonstrieren, mehr als flapsig rüber.

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