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Diesmal nicht Klimawandel: Was das extreme Winterwetter auslöst

Diesmal nicht Klimawandel: Was das extreme Winterwetter auslöst
Foto: Sven Hoppe/dpa/dpa-tmn, Screenshot: ARD/ Tagesschau24

Glatteis und Schnee haben gestern zu Problemen auf den Straßen, Schienen und im Flugraum geführt. Einem Wetterexperten zufolge gab es vergleichbares Winterwetter zuletzt 1987. Er erklärt wie die „in der Ausprägung extreme“ Wetterlage zu Stande kommt.

Seit Mittwoch wüten Glatteis und Schnee in weiten Teilen Deutschlands. An Flughäfen wurden Flüge gestrichen, die Bahn hob bei Fernzügen die Zugbindung auf – Utopia berichtete.

Medienberichten zufolge gab es in der Nacht zum Donnerstag auf mehreren Autobahnen kilometerlange Staus, Fahrer:innen mussten teils mit Decken und heißen Getränken versorgt werden. Auch für Donnerstag hat der Deutsche Wetterdienst gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) von der Eifel bis Thüringen „anhaltende und teils kräftige Schneefälle“ und „erhebliche Verkehrsbehinderungen und Schneebruchgefahr“ angekündigt.

Wie kommt so ein Winterwetter zustande? ARD-Wetterexperte Tim Staeger spricht gegenüber dem Fernsehsender tagesschau24 von einer außergewöhnlichen Wetterlage, die es seit Jahrzehnten so nicht gegeben hat. Auf den Klimawandel sei sie aber nicht zurückzuführen.

„Extremes“ Winterwetter: Wie komm es zustande?

Die vergangenen Winter waren eher schneearm – trotzdem ist die Wetterlage, welche wir derzeit erleben, nicht typisch. Staeger bezeichnet sie als „ungewöhnlich“ und „in der Ausprägung ziemlich extrem“. Ähnliche Wetterlagen habe es zuletzt 1987 gegeben. „Aber die Witterung ist von Jahr zu Jahr großen Schwankungen unterworfen, somit ist das auch eine Spielart unseres Winterwetters“, erklärt der Experte. „Es lässt sich nicht direkt mit Klimawandeltrends verknüpfen.“

Die Wetterlage entstehe dadurch, dass zwei Luftmassen aufeinanderprallen: polare Kaltluft aus dem Norden und warme feuchte Luft vom Mittelmeer. Wie Staeger erklärt, ist die Warmluft leichter und gleitet auf die Kaltluft auf. Dabei könne sich in der oberen Kaltluft Schnee bilden, der in der wärmeren Luftschicht taut und anschließend wieder gefriert oder als unterkühlte Regentropfen auf dem Boden aufkommt. Dies führe zu Eiskörnern oder Blitzeis.

Das Aufeinandertreffen der Luftmassen könne Stunden andauern, wobei große Mengen an Niederschlag entstehen und entsprechend dicke „Eispanzer“ zu wachsen drohen. Diese würden nicht nur auf Straßen entstehen, sondern könnten auch auf Pflanzen, Laternen oder anderen kalten Oberflächen auftreten. Der Experte warnt unter anderem vor Schnee- und Eisbruch an Bäumen – zu dem Risiko trägt auch erwarteter Neuschnee bei.

Experte rät: Zuhause bleiben

Experte Staeger empfahl am Mittwoch Menschen in betroffenen Regionen, zuhause zu bleiben, statt das Auto zu nutzen. Wer unbedingt fahren muss, der solle vorher volltanken und warme Decken mitnehmen. Auch von Besorgungen zu Fuß riet er ab. „Möglicherweise kann man mit alten Strümpfen an den Schuhen auch über Glatteis gehen“, so der Experte – aber sicherer sei es, dies zu vermeiden.

Staegers Rat ist auch heute noch relevant, denn auch am Donnerstag soll es kräftig schneien – im Saarland und in Nordbayern kann laut DWD weiterhin Glatteis auftreten.

Verwendete Quellen: DWD, Tagesschau, dpa

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