Klimaschutz: Warum es fatal sein kann, andere zu unterschätzen

We are the change: 6 Dinge, die du für den Klimaschutz tun kannst
Foto: CC0 / Unsplash / Lewis Parsons

Deutsche sind großzügiger als sie es von ihren Mitmenschen denken. Die Studie von Bonner Wissenschaftler:innen und der Zeit schlüsselt auf, wie viel wir bereit sind, fürs Klima zu geben und warum es schlecht ist, andere zu unterschätzen.

Bonner Forscher:innen vom briq-Institut haben in Abstimmung mit der Zeit eine deutschlandweite, repräsentative Studie bezüglich der Bereitschaft zum Klimaschutz durchgeführt. Deren Ergebnisse sind im „briq policy monitor“ Nummern 3 bis 6 zusammengefasst.

Der grundlegende Versuchsaufbau: Die Wissenschaftler:innen boten Menschen 198 Euro an, die sie „fürs Klima spenden“ konnten – zu einem beliebigen Teil. Das heißt, dass sie auch alles behalten können, wenn sie das möchten. Der genaue Betrag wurde gewählt, weil so viel nötig sei, um den durchschnittlichen Pro-Kopf CO₂-Ausstoß im Jahr auszugleichen. Der Empfänger war dabei die von den Forscher:innen als etabliert eingestufte Non-Profit-Organisation atmosfair. 

Manche spenden alles, andere gar nichts

Die Ergebnisse der Studie fasste die Zeit wie folgt zusammen:

„Sollten Sie selbst so beschaffen sein wie der Durchschnittsdeutsche, dann werden Sie Ihre Mitmenschen jetzt unterschätzen und sie für raffgieriger halten, als sie tatsächlich sind. Und wenn das so ist, werden Sie selbst weniger zum Wohle des Klimas unternehmen, als Sie es täten, wenn Sie ein realistisches Bild von den anderen hätten – die ja Bürger sind wie Sie.“

Gut zehn Prozent der befragten Menschen nahmen den vollen Betrag dankend an und behielten ihn für sich. Doch mehr als 15 Prozent spendeten das ganze Geld. 

Tatsächlich gaben mehr als 70 Prozent der Proband:innen an, aktiv zu versuchen, etwas fürs Klima zu tun. Doch dieselben Menschen schätzen den Anteil der aktiven Umweltschützer:innen in der Bevölkerung auf unter 60 Prozent. Das heißt, dass die Mehrheit die Bereitschaft zum finanziellen Engagement ihrer Mitmenschen als kleiner einschätzte als es in Wahrheit ist.

Wir unterschätzen den Einsatz anderer – und tun daraufhin selbst weniger

Auch Straßenkünstler:innen wissen: Wenn bereits etwas Kleingeld im Koffer liegt, motiviert das andere zur Spende.
Auch Straßenkünstler:innen wissen: Wenn bereits etwas Kleingeld im Koffer liegt, motiviert das andere zur Spende.
(Foto: CC0 / Pixabay / ejaugsburg)

Die Deutschen sind also zu mehr bereit als sie es anderen Deutschen zutrauen: Unter dem Strich, wenn man nur den allgemeinen Durchschnitt nimmt, verzichten die Deutschen auf die Hälfte des Geldes zum Wohle des Planeten.

Das ist schon mal nicht schlecht, aber die Ergebnisse würden noch besser ausfallen, wenn sich die Menschen gegenseitig weniger Egoismus und mehr Zusammenhalt in Sachen Klimaschutz zutrauen würden. Über zwei Drittel haben ihre Mitmenschen in der Hinsicht als weniger großzügig eingeschätzt, als sie es waren.

In einer ähnlichen briq-Studie wurden diese pessimistischen Fehlannahmen ausgeglichen, indem die Teilnehmer:innen über die tatsächliche Spendenbereitschaft ihrer Mitmenschen aufgeklärt wurden. Und so erhöhte sich die durchschnittliche Spendenbereitschaft insgesamt. Besonders bei Klimaskeptiker:innen, die mit einer geringen Kooperationsbereitschaft „starteten“, war dieser Effekt besonders ausgeprägt.

Fast die Hälfte traut der Wissenschaft nicht

Jede:r fünfte in Deutschland meint laut dem briq policy monitor, dass es am wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel Zweifel gäbe.

Fast 40 Prozent der Bürger:innen glauben, dass in der Wissenschaft immer noch ganz unterschiedliche Meinungen über den Ursprung der Erderwärmung kursieren, obwohl die allermeisten Veröffentlichungen die menschengemachte Erderwärmung bestätigen.

Sogar mehr als 40 Prozent der Bürger:innen brächten laut der Publikation der Klimaforschung gegenüber kein großes Vertrauen entgegen. Der Forscher Lasse Stötzer, der die Studie mitgestaltete, zeigt sich schockiert und glaubt, dieser mangelnde Glaube an die Forschung motiviere auch Leugner:innen des Klimawandels in ihrem Handeln. 

Ergebnisse der Studie auf einen Blick

Wüssten die Deutschen, wie sehr sich ihre Mitmenschen wirklich fürs Klima einsetzen, käme das dem Klima zugute.
Wüssten die Deutschen, wie sehr sich ihre Mitmenschen wirklich fürs Klima einsetzen, käme das dem Klima zugute.
(Foto: CC0 / Pixabay / Fotocitizen)

So schnitten deutsche Bürger:innen in der Studie ab: 

  • Zehn Prozent steckten das Geld für sich ein, aber
  • 15 Prozent spendeten das Geld gänzlich an das Klimaschutzprojekt. 
  • Menschen, die ohnehin zur Selbstlosigkeit neigen, gaben mehr als jene, die vom Altruismus nicht viel halten.
  • Frauen gaben mehr als Männer,
  • Eltern mehr als Kinderlose. 
  • Grünen-Wähler:innen gaben mit durchschnittlich 120 Euro besonders viel. 
  • AfD-Anhänger:innen dagegen gaben am wenigsten.
  • Reichere Menschen gaben nur etwas mehr als finanziell schwächer gestellte.

Die Zeit schreibt: „Die meisten sind trotz Krieg und steigender Energiepreise beispielsweise für eine höhere CO₂-Steuer – und für den massiven Ausbau erneuerbarer Energie sowieso. Dass die Klimawende sich sozial gerecht gestalten ließe, glauben ebenfalls über 50 Prozent. Dazu passt, dass ein Klima-Soli den meisten Leuten gefallen würde.“

Utopia meint:

Die Studienergebnisse lassen erahnen, dass eine bessere Kommunikation zum Thema Klimaschutz unserer Gesellschaft und dem Weltklima zugutekommen könnte. Wenn dir also nächstes Mal ein Gedanke à la „Ich kann die Welt ja auch nicht alleine retten“ kommt, dann rufe dir ins Gedächtnis, dass sich höchstwahrscheinlich mehr Menschen fürs Klima einsetzen, als du denkst. Und dass dein offener Umgang mit der Dringlichkeit dieses Themas sie wiederum motivieren kann, noch mehr zu tun.

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