Effektiver Altruismus: So kannst du besser helfen

effektiver altruismus
Foto: CC0 / Pixabay / geralt

Effektiver Altruismus bedeutet, die eigenen Ressourcen möglichst effektiv für gute Zwecke einzusetzen. Wir erklären dir das Konzept der Bewegung und wie du selbst besser helfen kannst.

Das folgende Gedankenspiel erzählen effektive Altruist:innen so oder so ähnlich gerne, um den Kerngedanken ihrer Bewegung zu erklären. Es stammt ursprünglich von dem australischen Philosoph Peter Singer, so das Nachhaltigkeitsportal reset.org: Stell dir vor, du bist in Businessklamotten unterwegs. Vielleicht bist du auch in Eile. Auf einmal siehst du, wie ein Kind in einem Teich zu ertrinken droht. Ziemlich sicher wirst du deine Klamotten und deine Eile vergessen und versuchen, das Kind zu retten. Peter Singer fragte daraufhin, warum wir nicht jeden Tag aufs Neue Einschränkungen in Kauf nehmen, um irgendwo auf der Welt Menschenleben zu retten. Offenbar berühren uns Dinge, die in der Ferne geschehen, nicht so sehr.

Für die effektiven Altruist:innen ist jedes Menschenleben gleich viel wert – laut reset.org für manche auch jedes tierische Leben. Die Kernidee des effektiven Altruismus ist, mit möglichst wenig Mitteln möglichst viel Gutes zu bewirken. Effektive Altruist:innen fragen sich beispielsweise: Wie kann ich mit 100 Euro möglichst viele Menschenleben retten, Menschen aus der Armut befreien oder Tiere vor Leid bewahren?

Den effektiven Altruismus als Bewegung gibt es erst seit einigen Jahren. Dem Spiegel zufolge praktizieren weltweit einige 1.000 Menschen effektiven Altruismus, insbesondere in Großbritannien. Aber auch in Deutschland gibt es schon über 30 Ortsgruppen.

Schon gewusst? Altruismus bedeutet, zu helfen ohne sich davon einen Vorteil zu versprechen. 

Wie funktioniert effektiver Altruismus?

Beim effektiven Altruismus geht es vor allem darum, möglichst effektiv Geld zu spenden.
Beim effektiven Altruismus geht es vor allem darum, möglichst effektiv Geld zu spenden.
(Foto: CC0 / Pixabay / geralt)

Der effektive Altruismus stellt vier Fragen:

  • Was macht eine gute, gerechte Welt aus?
  • Was sind die drängendsten Probleme unserer Zeit?
  • Was sind die wirkungsvollsten Maßnahmen dagegen?
  • Was kann ich selbst tun?

Laut effektiveraltruismus.de heißt die Antwort auf die letzte Frage hierzulande meistens Geld spenden – denn viele Menschen haben genug Geld, um davon etwas abzugeben. Und Organisationen können mit dem Geld meist wesentlich wirkungsvollere Maßnahmen umsetzen als du es selbst direkt könntest. In der Praxis geht es beim effektiven Altruismus deshalb vor allem um die Frage, wie man am sinnvollsten Geld spenden kann.

Weltweit gibt es verschiedene Initiativen, die bewerten, wie effektiv Hilfsorganisationen arbeiten. Das Ergebnis dieser Analysen findet sich beispielsweise bei effektiv-spenden.org. Über die Plattform kannst du an NGOs spenden, bei denen dein Geld den größten Nutzen hervorruft. Im Bezug auf Entwicklungshilfe geht es beispielsweise um die Frage, wie viele Menschenleben du durch deine Spende retten kannst. Beim Klimaschutz dagegen ist entscheidend, wie viele Tonnen CO2 sich durch deine Spende einsparen lassen. Insgesamt fließen vier Kriterien in die Bewertung ein:

  • ein möglichst gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis
  • nachgewiesene Wirksamkeit
  • Kapazitäten, um auch noch zusätzliche Spenden effektiv verwerten zu können
  • Transparenz

Effektiv-spenden.org zufolge sind manche Organisationen in ihrem Bereich 100 mal effektiver als andere.

Beispiele für effektiven Altruismus

Die Schulbildung in einigen afrikanischen Ländern lässt sich vor allem durch Investitionen in die Gesundheit der Kinder verbessern.
Die Schulbildung in einigen afrikanischen Ländern lässt sich vor allem durch Investitionen in die Gesundheit der Kinder verbessern.
(Foto: CC0 / Pixabay / PublicDomainPictures)

Diese Beispiele verdeutlichen das Prinzip des effektiven Altruismus:

  • Du möchtest 100 Euro spenden, um Schulbildung in Kenia zu verbessern. Naheliegend wäre zum Beispiel, einem Kind mit den 100 Euro die Schulgebühren zu zahlen. Laut effektiveraltruismus.de ist es jedoch wesentlich effektiver, von dem Geld Kinder gegen Würmer zu behandeln. Denn in Kenia und anderen afrikanischen Ländern verpassen viele Kinder aufgrund von Krankheiten wie der durch Parasiten ausgelösten Bilharziose den Unterricht oder können sich nicht konzentrieren.
  • Wenn du als junger Mensch Gutes tun möchtest, engagierst du dich vielleicht ehrenamtlich. Das ist jedoch nicht unbedingt der effektivste Weg, Gutes zu bewirken. Wie der Spiegel beschreibt, sind effektive Altruist:innen der Ansicht, dass man als junger Mensch meistens am besten alle Ressourcen in die eigene Karriere stecken sollte. Denn dann verdient man später mehr Geld und kann dementsprechend mehr spenden.
  • Häufig lässt sich aus deiner Spende in Entwicklungsländern mehr machen als hierzulande. Beispielsweise kannst du mit dem Geld, das in Deutschland für einen Blindenhund benötigt würde, zahlreiche Augenoperationen in Afrika bezahlen.

Kritik am effektiven Altruismus

Obdachlosen hierzulande zu helfen ist nicht im Sinne des effektiven Altruismus, so Kritiker:innen.
Obdachlosen hierzulande zu helfen ist nicht im Sinne des effektiven Altruismus, so Kritiker:innen.
(Foto: CC0 / Pixabay / ptrabattoni)

Der effektive Altruismus beruht auf nüchternen wissenschaftlichen Analysen und scheint auf den ersten Blick der ideale Weg zu sein, um nachhaltig und effizient Gutes zu bewirken. Es gibt aber auch viel Kritik an dem Konzept.

  • Nicht alle Wirkungen lassen sich immer genau beziffern. Insbesondere langfristige Folgen von Maßnahmen sind oft nicht klar. Ebenso wenig gibt es das eine Bild der idealen Welt, die durch den effektiven Altruismus erreicht werden soll. Und was die drängendsten Probleme unserer Zeit sind, ist auch nicht unbedingt unstrittig. 
  • Wie oben beschrieben, lässt sich Geld oft besonders wirksam an Projekte in Entwicklungsländern spenden. Obdachlose in Deutschland zu unterstützen lohnt sich dagegen weniger, da die Lebenshaltungskosten viel höher sind. Ebenso wenig dürften Kultur, Sport und ähnliches Förderung erfahren, da sie in erster Linie der Unterhaltung dienen und selten Leben retten oder Menschen aus der Armut führen. Laut reset.org sind die Ansichten von effektiven Altruist:innen in dieser Sache unterschiedlich. Einige sagen, dass erst alle Menschen von Armut befreit werden müssen, bevor irgendetwas anderes bezahlt wird. Andere sehen den effektiven Altruismus als einen wichtigen, aber nicht den einzigen Weg zu einer besseren Welt.
  • Laut reset.org werfen einige Kritiker:innen dem effektiven Altruismus vor, eher Symptome (wie Armut in Entwicklungsländern) als Ursachen (wie die Organisation der Weltwirtschaft) zu bekämpfen. 
  • In der Zeitschrift ZEIT Campus kommt noch eine weitere Frage auf: Heiligt der Zweck die Mittel? Dürfte man beispielsweise in einem Konzern wie Monsanto oder an der Wall Street arbeiten, wenn man dafür einen großen Teil des Einkommens effektiv spendet? Die effektiven Altruist:innen sagen, dass andernfalls eine andere Person, die nicht spendet, den Job machen würde. Man könnte dies jedoch wieder als ein Zeichen dafür sehen, dass der effektive Altruismus nicht die grundsätzlichen Systeme wie die kapitalistische Weltwirtschaft infrage stellt.

Tipp: In den FAQs von effektiveraltruismus.de stellt sich die Bewegung diesen und weiteren Kritikpunkten.

Effektiver Altruismus und Klimaschutz

Klimaschutz ist ein aktuelles Handlungsfeld des effektiven Altruismus.
Klimaschutz ist ein aktuelles Handlungsfeld des effektiven Altruismus.
(Foto: CC0 / Pixabay / distelAPPArath)

Bei effektiv-spenden.org findet sich die effektivsten Organisationen in den Bereichen Entwicklungshilfe, Klimaschutz und Tierschutz. Offenbar sind dies die Bereiche, in denen sich momentan besonders effektiv Gutes bewirken lässt.

Viele Menschen setzen ihr Geld für den Klimaschutz ein, indem sie ihre CO2-Emissionen kompensieren. Laut effektiv-spenden.org ließe sich das Geld jedoch besser investieren. Die dort empfohlenen Organisationen setzen die Spenden dafür ein, klimaneutrale Technologien sowie die Abscheidung von CO2 aus der Atmosphäre zu fördern und sich auf politischer Ebene für einen Systemwandel einzusetzen.

Hier lässt sich wieder fragen: Reicht das aus, um die Klimakrise zu bezwingen? Wohl kaum. Auf der anderen Seite ist es möglicherweise sinnvoll, erstmal die Kapazitäten dieser drei offenbar besonders effektiven Organisationen auszuschöpfen und die Unterstützung anschließend auf weitere Bereiche auszuweiten. 

Interessant ist, dass mit Carbon180 eine Initiative in der Auswahl steht, die ihre Wirkung eigentlich erst noch zeigen muss. Die Organisation unterstützt Wege, der Atmosphäre CO2 zu entziehen. Bisher stecken die meisten Verfahren noch in der Forschungs- und Erprobungsphase. Es bleibt unklar, wie sicher sein kann, dass dank Carbon180 in der Zukunft tatsächlich viele Tonnen CO2 aus der Atmosphäre gezogen werden. Und ob dies noch rechtzeitig geschieht, um das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten.

Effektiver Altruismus: Das kannst du tun

Beim effektiven Altruismus geht es vor allem um effektives Spenden. Du kannst dich jedoch auch auf anderen Wegen effektiv und altruistisch engagieren, so effektiveraltruismus.de:

  • Du kannst für eine effektive NGO arbeiten, oder du engagierst dich direkt in der Bewegung des effektiven Altruismus.
  • In der Wissenschaft kannst du beispielsweise helfen, die vier oben genannten Fragen des effektiven Altruismus noch besser beantworten zu können.
  • In einem politischen Amt hast du die Möglichkeit, effektiven Altruismus umzusetzen.

Ein Gedanke zum Schluss: Effektiven Altruismus kannst du sehr unterschiedlich radikal leben. Einige spenden die Hälfte ihres Einkommens und nehmen dafür Einschränkungen im Alltag in Kauf. Oder sie studieren statt ihrem Wunschfach ein Fach, das ein möglichst hohes Einkommen verspricht. Du kannst das auch so machen, musst aber nicht – insbesondere, wenn es dir nicht gut tut. Effektiver Altruismus bedeutet in einer gewissen Weise auch Selbstoptimierung und Perfektionismus. Das kann einen unter Druck setzen. Auf der anderen Seite ist das Gute am effektiven Altruismus, dass du schon mit vergleichsweise einfachen Mitteln viel Gutes bewirken kannst.

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