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Migrantische Menschen unerwünscht? Berliner Strandbad mit Vorwürfen konfrontiert

Foto: Pexels / Carsten

Das Strandbad Grünau in Berlin steht in der Kritik. Es soll Gäste am Einlass nach ihrem Wohnort fragen, manchen wird der Zutritt Berichten zufolge verwehrt. Auch migrantische Familien seien betroffen.

Das Strandbad Grünau im Osten Berlins sieht sich derzeit mit Vorwürfen konfrontiert. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, werden dort Badegäste nach ihrem Wohnort gefragt – teilweise würden dafür Personalausweise kontrolliert. Ein Vorgehen, das eigentlich nur Polizei- und Ordnungsbeamt:innen obliegt. Offenbar werden Besucher:innen nach Postleitzahl aussortiert.

Laut Tagesspiegel mehren sich deshalb Beschwerden von Besucher:innen. Sie sollen bei der Einlasskontrolle abgewiesen worden sein, heißt es. Von Willkür ist die Rede. Auch auf Google finden sich negative Bewertungen des Bads. „Uns wurde der Zutritt verweigert, da wir nicht in der Nähe wohnen“ ist dort unter anderem zu lesen.

„Offensichtlich mittelbare Diskriminierung“

Wie die Berliner Zeitung berichtet, ist der Senatsverwaltung für Justiz, Vielfalt und Antidiskriminierung das Vorgehen bekannt. Pressesprecher Martin Kröger erklärte der Zeitung, dass sich Beschwerden migrantischer Familien häuften. Auch sie seien von der Praxis des Strandbads betroffen. Da es jedoch einen privaten Betreiber habe, gelte dort das Berliner Antidiskriminierungsgesetz Kröger zufolge nicht. Die Senatsverwaltung hoffe stattdessen darauf, dass die betroffenen migrantischen Personen gegen das Vorgehen des Bads klagen werden. Der Sprecher nennt dieses eine „offensichtlich mittelbare Diskriminierung“, die durch keinen sachlichen Grund gerechtfertigt sei.

Rechtlich gesehen darf das Strandbad Grünau, das zum städtischen Bäderbetrieb Berlins gehört, so handeln – eben weil es an einen Privatunternehmer verpachtet ist. Der habe eine Anfrage des Tagesspiegel bislang unbeantwortet gelassen. „Der Pächter übt das Hausrecht für das von ihm gepachtete Objekt aus und erlässt auch seine eigene Hausordnung“, teilten die Berliner Bäder-Betriebe mit.

Auf der Website des Strandbads finden sich zunächst keine Hinweise auf eine Einlasskontrolle, wie sie die Badegäste schildern. In der Hausordnung heißt es wie üblich nur: „Das Badpersonal ist befugt, auf Grund der örtlichen Bedingungen jederzeit ergänzende Regelungen für die Nutzung unserer Anlagen festzulegen und anzuwenden. Den Aufforderungen und Anweisungen des Personals ist jederzeit Folge zu leisten.“

„Wir schauen dann, welches Klientel sich aufhält“

Bereits im vergangenen Jahr fiel das Strandbad mit Einlasskontrollen auf. Andre Beyer, Geschäftsführer des Bades, argumentierte damals mit Einschränkungen durch die Corona-Pandemie. „Wir sehen uns als regionales Unternehmen, unser Ansatz ist, etwas für die Region zu tun. Deshalb möchten wir, dass erst einmal unsere Leute, die hier in der Gegend wohnen, eingelassen werden“, so Beyer gegenüber der Berliner Zeitung.

Die B.Z. sprach mit einem Mitarbeiter des Bads. Dieser erklärte, dass nicht „immer“ nach der Postleitzahl gefragt werden würde. „Meistens ab ca. 400 Personen. Wir schauen dann, welches Klientel sich aufhält“, wird er zitiert. Besucher:innen, die angeblich abgewiesen wurden, berichten jedoch, dass das Bad „augenscheinlich nicht voll“ gewesen sei, wie der Tagesspiegel schreibt. Dies ist auch in diversen Google-Rezensionen zu lesen. Dort heißt es: „Die Auswahl der Badegäste erfolgt durch Ausweiskontrolle, aber nur, wenn die Security vermutet, dass die Badegäste einen Migrationshintergrund haben. Mit dieser fragwürdigen Methoden der Kontrolle will man sich Badegäste aus Neukölln fernhalten. Ich wurde nicht nach dem Ausweis gefragt.“

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