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Protest gegen ungerechte Löhne in Werkstätten für Menschen mit Behinderung

Protest gegen ungerechte Löhne in Werkstätten für Menschen mit Behinderung
Screenshot: YouTube SakulTalks

1,35 Euro die Stunde – das ist der Lohn von Mitarbeitenden in Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Lukas Krämer hat lange selbst in so einer Werkstatt gearbeitet und fordert nun mit dem Hashtag #Stelltunsein einen Mindestlohn für Menschen mit Behinderung.

9,60 Euro pro Stunde beträgt der aktuelle Mindestlohn in Deutschland – viele finden ihn immer noch zu niedrig und doch gilt dieser Betrag leider nicht für alle. Viele Menschen mit Behinderung bekommen davon gerade einmal einen Bruchteil.

Nachdem er jahrelang für niedrigsten Lohn in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung gearbeitet hatte, startete Lukas Krämer die Petition #Stelltunsein, mit der er einen Mindestlohn für Menschen mit Behinderung fordert. Fünf Jahre lang hatte Krämer für 1,35 Euro die Stunde Armaturen geprüft.

Mit YouTube auf die Missstände aufmerksam machen

Mittlerweile hat Lukas Krämer einen anderen Job. Er produziert Video-Inhalte für die Sozialen Netzwerke von Corinna Rüffer. Sie ist Sprecherin für Behindertenpolitik der Grünenfraktion im Bundestag. Außerdem produziert er Videos für seinen eigenen YouTube-Kanal mit dem Namen SakulTalks. Er arbeitet dabei mit Spracherkennungen und Google-Übersetzer. Denn Lukas Krämer erkrankte mit vier Jahren an einer Hirnhautentzündung, hat seitdem einen Sprachfehler und kann weder schreiben noch lesen.

Auf seinem YouTube-Kanal SakulTalks postet Lukas Krämer regelmäßig Videos - unter anderem über die Missstände in Werkstätten für Menschen mit Behinderung.
Auf seinem YouTube-Kanal SakulTalks postet Lukas Krämer regelmäßig Videos – unter anderem über die Missstände in Werkstätten für Menschen mit Behinderung. (Screenshot: YouTube SakulTalks)

Auf seinem YouTube-Kanal postet Lukas Krämer regelmäßig Videos – viele davon drehen sich um das Thema Bezahlung in Werkstätten für Menschen mit Behinderung. In seinem Video vom 2. November geht er auf eine aktuelle Diskussion im Bundestag ein. Die Ampel-Parteien möchten 12 Euro Mindestlohn einführen. Menschen mit Behinderung würden bei der Diskussion nicht berücksichtigt, so Krämer, denn diese gelten nicht als Arbeitnehmer:innen, sondern haben nur einen arbeitnehmerähnlichen Status.

315.680 Menschen arbeiten für sehr wenig Geld

Zu den Hauptaufgaben der Werkstätten für Menschen mit Behinderung gehört es, den Menschen bei einem (Wieder-)Einstieg in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu helfen. Jedoch schätzt die „Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen“, dass eine Eingliederung bei gerade einmal einem Prozent funktioniert.

Insgesamt arbeiten 315.680 Menschen in den 2.971 Werkstätten für Menschen mit Behinderung in Deutschland (Stand 17.06.2021). Das Durchschnittsgehalt dieser Menschen liegt bei einer Vollzeitbeschäftigung bei gerade einmal 220,28 Euro im Monat. Sie alle bekommen etwa so viel wie Lukas Krämer – nämlich circa 1,35 Euro die Stunde. Menschen mit Behinderung haben die Möglichkeit zusätzlich dazu eine finanzielle Unterstützung zu beantragen.

Auf die Missstände in den Werkstätten machte bisher nicht nur Lukas Krämer aufmerksam. Raul Krauthausen, bekannter Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit, spricht immer wieder in den Medien über das Thema.

Vor einem Jahr postete Krauthausen ein Video auf TikTok, in dem er die Werkstätten einem Faktencheck unterzog. Seine Erkenntnisse:

Fakt 1: Menschen verdienen dort nur ein Taschengeld.

Fakt 2: Viele Menschen, die dort arbeiten, schämen sich deshalb.

Fakt 3: Die Werkstätten müssen leider auch wirtschaftlich arbeiten und bezahlen darum ihre Mitarbeiter:innen schlecht.

Utopia meint: Einrichtungen wie Werkstätten für Menschen mit Behinderung möchten bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt helfen. Jedoch stimmt mit dem System etwas nicht, wenn diese Eingliederungen nicht gelingen und Menschen stattdessen jahrelang für einen unwürdigen Lohn arbeiten müssen. Ein fairer Lohn bildet die Grundlage für einen würdigen Lebensstandard. Jeder Mensch sollte das Recht auf eine angemessene Bezahlung haben. Einen eigenen Lebensunterhalt können sich Menschen mit Behinderung bei einem Lohn von 1,35 Euro die Stunde nicht finanzieren. Das geht dann wirklich nur mit finanzieller Unterstützung.

Neben einem höheren Lohn ist es auch dringend notwendig, dass Unternehmen auf dem „ersten“ Arbeitsmarkt inklusiver werden und Menschen mit Behinderung selbstverständlicher beschäftigen als es heute der Fall ist. Auch darauf zielt Lukas Krämers Petition #Stelltunsein ab.

Dies ist eine aktualisierte Version des Artikels. Wir wurden darauf hingewiesen, dass Menschen mit Behinderung finanzielle Unterstützung erhalten können und haben die Information in dieser Version des Artikels noch ergänzt.

Bitte lies unseren Hinweis zu Gesundheitsthemen.

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