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„Sexualisierung oder Vermännlichung“: Warum Frauen so schwer an die Macht kommen

Frauen Macht
Foto: CC0 / Pixabay / DanaTentis

Frauen schrecken vor Macht zurück, sagt die Business-Coachin Vera Steinhäuser. Der Grund: Machtvolle Frauen würden im Gegensatz zu Männern mit Macht viel negativer wahrgenommen.

Frauen in Machtpositionen sind immer noch selten – weil sie sich vor Macht scheuen, wie Vera Steinhäuser im Interview mit der Welt erklärt. Der Business-Coachin zufolge liegt dies daran, dass Frauen Macht aufgrund stereotyper Vorstellungen negativ assoziieren. Zudem würden Frauen in Machtpositionen sowohl von Männern als auch von Frauen negativer wahrgenommen – und „Vermännlichung“ sowie Sexualisierung erfahren. 

Was bedeutet Macht für Frauen?

Macht wird laut Steinhäuser unterschiedlich interpretiert. Männer und Frauen würden Macht unterschiedlich verstehen. Als „Extrembeispiel der männlichen Interpretation“ nennt sie ein machiavellistisches Verständnis. Nach der Theorie des Machiavellismus ist jedes Mittel erlaubt, um politische Macht zu erlangen – auch wenn es sich über gängige Moralvorstellungen hinwegsetzt.

Der Business-Expertin zufolge werde Macht von vielen Frauen als etwas Negatives wahrgenommen. Doch Steinhäuser plädiert für einen anderen Machtbegriff: Macht sei „ein Tool, um etwas Gutes zu gestalten„. Sie sei ein „ermöglichendes Element“, das nichts Negatives hätte, so die Coachin weiter. 

Weibliche Macht zwischen „Sexualisierung“ und „Vermännlichung“

Dass Frauen vor Macht zurückschrecken, lässt sich laut Vera Steinhäuser auf stereotype Denkweisen und eine unterschiedliche Sozialisierung von Jungen und Mädchen zurückführen: Frauen in Machtpositionen würden sowohl von Männern als auch von anderen Frauen negativ assoziiert werden. So würden machtvolle Frauen als ehrgeizige, verbissene Personen wahrgenommen, machtvolle Männer hingegen als charismatisch.

Dies hängt der Coachin zufolge mit den unterschiedlichen Attributen zusammen, die bereits Kindern aufgrund ihres Geschlechts zugeschrieben werden. Während Mädchen mit Lob auf ihre Lieblichkeit, Nettigkeit und Anpassungsfähigkeit aufwachsen, würden Jungen zu kompetetiven Verhalten erzogen werden. 

Weibliche Macht wird laut Steinhäuser daher „oft androgyn dargestellt“. Neben einer „Vermännlichung“ würden Frauen in Machtpositionen aber auch Sexualisierung erfahren. Bereits die antike Geschichtsschreibung habe machtvolle Frauen als manipulativ und verführerisch beschrieben. 

Wie Frauen an Macht kommen

Sowieso sei die heutige Machtverteilung historisch gewachsen. Steinhäuser erklärt, dass die Entwicklung hin zum Privateigentum der Beginn geschlechterspezifischer Rollen gewesen sei: Frauen sollten nun zu Hause bleiben, um sich um das Hab und Gut sowie die Kinder zu kümmern, während Männer einer Beschäftigung außer Haus nachgingen. 

Theorien zufolge könnte das sogenannte „Maternal Gatekeeping“ ein Versuch von Frauen sein, in der auch heute noch mit beruflicher Benachteiligung einhergehenden Rolle als Mutter Macht zu ergreifen. Dabei handelt es sich um ein Verhalten, durch das eine Mutter die gesamte Kindererziehung „an sich reißt“, so Steinhäuser. Die Expertin sieht es allerdings kritisch, dass Frauen „Maternal Gatekeeping“ vorgeworfen werde, wenn Studien gezeigt hätten, dass Männer ihre Leistung im Haushalt manchmal bewusst manipulierten, um bestimmte Aufgaben nicht mehr erledigen zu müssen. 

Wenn Frauen sich für Karriere entscheiden, rät die Coachin ihnen dazu, nicht immer gefallen zu wollen. Frauen sollten sich bewusst machen, dass es manchmal Entscheidungen bedürfe, die Gegenwind auslösen werden, wenn sie ihr volles berufliches Potential ausschöpfen möchten. Gleichzeitig verweist Steinhäuser auf die Notwendigkeit struktureller Veränderungen, die den Zugang zu Macht auch nicht-privilegierten Frauen ermöglichen.

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