Öko-Test geht nach China: OKOer

Foto: Öko-Test

Möglichst Öko zu sein ist ein rein deutsches Steckenpferd? Keineswegs! Auch die Chinesen haben die Schnauze voll von Giften und Umweltzerstörung – und wollen sich informieren, wie es besser geht.

Dazu startete vor kurzem die neue chinesische Verbraucherplattform OKOer in Kooperation mit dem Öko-Test Verlag. Die Tests für OKOer werden allesamt in Deutschland durchgeführt, die Produkte hingegen durchweg in China anonym eingekauft. Auffällig sind laut Öko-Test die enormen Preisunterschiede: Chinesische Verbraucher zahlen demnach durchschnittlich mehr als doppelt so viel wie die deutschen – erstaunlich für ein Land, das wir als Billig-Nation wahrnehmen.

Erster Test von OKOer: Muttermilchersatz-Produkte internationaler Hersteller. Die sind bei Chinesen besonders beliebt, seit vor Jahren Babys an gepanschten chinesischen Produkten gestorben sind. Der Test ergab, dass die Produkte in China wesentlich stärker mit Schadstoffen belastet sind als vergleichbare Produkte in Deutschland.

OKOer: Warum China einen Öko-Test braucht

OKOer: Öko-Test a la China
OKOer: Öko-Test a la China (Foto: Öko-Test)

Öko-Test wurde vor über 30 Jahren gegründet, im April 1985. Zu dieser Zeit nahm die grüne Bewegung an Fahrt auf, und sie hatte auch allen Grund dazu: Konzerne kippten ihren Giftmüll illegal in die Natur, Fabrikschlote rauchten, Atomkraftgegner zu sein wurde noch in die Nähe von Terrorismus gestellt und selbst Muttermilch war mit den leichtfertig versprühten Pestiziden belastet.

Wirft man einen Blick nach China, zeigt sich ein ähnliches Bild (siehe etwa diese BBC-Story). Weil Nachhaltigkeit und Umweltschutz sich dem Wirtschaftswachstum unterordnen müssen, ergeben sich ähnliche Folgen wie bei uns, angefangen vom Fischsterben bis hin etwa zur notwendigen Befruchtung von Blüten durch Menschen – weil im Smog keine Bienen mehr da sind. Seine Grenze wird das erst dann finden, wenn die Verbraucher beim Konsum mehr Transparenz erhalten und ihr politischer Wunsch auch wahrgenommen wird.

Das 25-köpfige Team von OKOer wird in Peking von Luo Changping geleitet. Luo Changping erhielt 2013 als erster Chinese den International Award des Korruptionsbekämpfungs-NGOs Transparency International. Er gilt als einer der bekanntesten Journalisten in China, nachdem er im Jahr 2012 einen hohen chinesischen Beamten der Korruption überführte, was zu einer Haftstrafe von 25 Jahren führte.

Zur chinesischen Plattform OKOer: www.okoer.com

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Interessant auch: In diesem Video erklärt Jürgen Stellpflug, Chefredakteur und Geschäftsführer des deutschen Magazins, wie man im Hause Öko-Test arbeitet und wie man für OKOer nach China ging:

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(1) Kommentar

  1. …das Bienensterben in China hat meines Wissens nach andere, viel tiefgreifendere Gründe. Mal abgesehen davon, dass Smog, Pestizide und Co. nicht förderlich für die Insektengruppe sind.
    Wie im Film „More than Honey“ sehr eingängig illustriert und erläutert, haben die Chinesen Sperlinge buchstäblich ausgerottet, weil sie ihre Ernten reduzierten. Daraufhin gab es enorme Insektenplagen auf den Feldern. Diese wiederum bekämpfte man mit Tonnen von Chemikalien und vernichtete so auch sämtliche Bienenarten. Mir ist nicht bekannt, ob sich diese mittlerweile irgendwie erholen konnten, aber Fakt ist, dass die chinesischen Obstplantagen noch immer per Hand bestäubt werden müssen.

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