Obstbrei in Tüten: Pestizide, zu viel Zucker und gefährliche Verpackungen

Obstbrei in Tüten
Bild © mmphoto / Fotolia.com

Ökotest hat sich den Inhalt von 16 sogenannten „Obstquetschen“ mal genauer angesehen. Das Urteil sollte Eltern zu denken geben.

Die bunten Obstbrei-Tüten sind vor allem bei Kindern sehr beliebt, und Eltern greifen zu, weil „ohne Zuckerzusatz“ und „Bio“ draufsteht. Umso erschreckender ist das Ergebnis: Nur eine einzige Tüte schaffte es auf ein „gut“ (Probios 100% Polpa die Frutta“) , alle anderen konnten nicht oder nur eingeschränkt empfohlen werden. Unter den untersuchten Tüten waren auch Bio-Produkte – doch das hieß noch lange nicht, dass die besser abschnitten.

Pestizidrückstände in Tüten-Obstbrei

Unterscheiden lassen sich Obstbreie mit und ohne Altersbeschränkung. Der Grund: Für solche mit Altersempfehlung (etwa „für Kinder ab 1. Jahr“) gelten strengere Bedingungen. Die Produkte im Test, die eine Altersempfehlung ab sechs Monaten oder ab einem Jahr tragen, sind entsprechend tatsächlich pestizidfrei.

In sechs von acht Tüten ohne Altersempfehlung stecken hingegen Rückstände chemischer Pflanzenschutzmittel – die beiden Ausnahmen waren Bio-Produkte. Es gab aber auch Bio-Produkte, die hier enttäuschten, etwa „Poki Bio Pomme Banane“ von Daniela, in dem gleich drei Pestizidrückstände über Diätverordnung und dem Orientierungswert des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN) gefunden wurden.

Zu viel Zucker – trotz „ohne Zuckerzusatz“

Das süßestes Produkt im Test war „Odenwald Pocket Fruchtmus“ mit 17,7 Gramm Zucker. Das ist etwa genau so viel, wie in zwei Milchschnitten oder in einem 0,2-Liter-Glas Fanta steckt. 16 bis 18 Gramm Zucker waren keine Seltenheit – und das obwohl die Produkte „ohne Zuckerzusatz“ beworben wurden.

Viel Verpackung, wenig Inhalt: Der Inhalt einer Obstbrei-Tüte
Viel Verpackung, wenig Inhalt: Der Inhalt einer Obstbrei-Tüte (Foto: Utopia)

Zucker wird versteckt: Es gibt verschiedene Mittel, den natürlichen Zuckergehalt in die Höhe zu treiben, um das Obst noch süßer zu machen – und das ganz ohne zugesetzten Kristallzucker. Das geht zum Beispiel durch Apfelsaftkonzentrat, Traubensaftkonzentrat oder Fruchtsüße. Fünf Hersteller fügten dem getesteten Obst versteckte Zucker zu. Es waren sogar vier Hersteller dabei, die mit der Aussagen „Ohne Zuckerzusatz“ warben, obwohl sie andere süßende Zutaten wie Konzentrate oder Fruchtsüße zugefügt hatten.

So kommen die meisten Obstbreie auf 16 bis 18 Gramm Zucker pro 100 Gramm. Zum Vergleich: Nur Bananen (17,3g) und Trauben (15g) bringen es auf ähnlich viel Zuckergehalt, Äpfel (10,3), Birnen (10,2), Wassermelone (8,3g) liegen deutlich darunter und sind daher die bessere Wahl, auch weil Kauen auch für die Sprechfertigkeit wichtig ist.

Gefahren bei der Verpackung

Alle Verpackungen, die Ökotest (Jahrbuch 2016) untersuchte, enthielten Aluminium und/oder Weichmacher wie PVC/PVDC oder chlorierte Verbindungen. Dazu Ökotest: „Solange die Verpackung nicht erheblich beschädigt wird, kommt der Brei nicht in Kontakt mit dem Aluminium – was sich in unserem Test bestätigt hat.“ Die Aluminiumgehalte von bis zu zwei Milligramm pro Kilogramm erklärt sich Ökotest durch ein natürliches Vorkommen des Metalls im Obst.

Auch in Sachen Deklaration (fehlende Altersempfehlungen, fehlende Warnhinweise und die irreführende Werbung „ohne Zuckerzusatz“) und Verpackung fiel jedes zweite Produkt durch. Ein Problem: Einige der Obstbrei-Tüten hatten einen zu kleinen Verschluss, der von Kindern leicht verschluckt werden kann. Zudem birgt die Mischung aus Säure und Zucker eine erhöhte Kariesgefahr – vor allem für Milchzähne. Das schreiben einige Hersteller auch kleingedruckt auf die Packung und raten dazu, den Obstbrei per Esslöffel zu servieren – aber die meisten Kinder werden es wahrscheinlich eben doch aus der Flasche nuckeln.

Quatsch zum Quetschen

Nicht von Ökotest untersucht, aber trotzdem klar: Der Obstbrei in Tüten ist alles andere als umweltfreundlich. Egal, ob die Produkte bestimmungsgemäß unterwegs oder aber zuhause konsumiert werden, die Kunststoff-Verpackungen mit Plastikdeckel wandern unweigerlich in den Abfall. Gerade unterwegs nimmt man es mit den Mülltrennung dabei selten genau. Für ein paar Löffel püriertes Obst und Zucker wird so vollkommen unnötig jede Menge Plastikmüll erzeugt: Obstbrei in Tüten braucht niemand.

Utopia empfiehlt:

  • Machen Sie Obstbrei aus Bio-Obst einfach selbst – das ist frischer und Sie können selbst entscheiden, wie süß der Brei ist. Außerdem fällt dabei im Idealfall deutlich weniger Plastikmüll an. Für unterwegs kann man den Brei ganz einfach in Schraubgläser oder Edelstahl-Boxen füllen, so kommt er nicht mit potenziell schädlichem Kunststoff oder Aluminium in Kontakt.
  • Wenn Sie nun trotz allem noch unbedingt Plastik-Obstbrei füttern möchten, dann achten Sie zumindest auf die Altersempfehlung „ab sechs Monaten“ oder „ab einem Jahr“ – aufgrund strengerer Vorschriften sind hier meist weniger Pestizide enthalten. Schenken Sie Hinweisen wie „ohne Zuckerzusatz“ hingegen keinen Glauben: Zu süß sind die Tütchen fast alle.

Details zum Obstbrei-Test im Ökotest Jahrbuch 2016.

Dieser Artikel hat dir gefallen? Jetzt teilen oder Fan auf Facebook werden. Das wäre toll!

Schlagwörter:

(11) Kommentare

  1. @Kinderklimperkram
    Vielen Dank für diesen Tipp!! Meine Kinder lieben diese Dinger natürlich auch. Wir haben sie dabei, wenn es mal längere Wartezeiten gibt – als Süßigkeit zum Hinhalten sozusagen 😉 Aber besonders glücklich bin ich damit nicht. Vor Jahren hatte ich bei Waschbär.de mal wiederbefüllbare Quetschies gekauft. Sie schmecken aber eklig nach Silikon, lassen sich nicht richtig leeren (man muss sie auslöffeln) und sie sehen auch einfach anders aus 😉 Meine Tochter war nicht so überzeugt davon – und ich auch nicht.
    Diese Quetschies sehen ja aber wirklich genauso aus – auch mit schönem buntem Bild drauf. Ich werde mir die mal genauer ansehen!
    LG Liz

  2. Frisches Obst ist billiger und besser. Und auch Kinder lieben es, wenn sie es kennen. Alles immer frisch vom Markt oder Hof, ist immer am besten.
    Fertigprodukte sollte man meiden – der Gesundheit zu liebe.

  3. Ich finde es immer schade, wenn Eltern schreiben „ja, die Quetschen sind echt nicht gut, aber meine Kinder lieben die nun mal und wir haben sie immer dabei“. Da frage ich mich: wieso kaufen die Eltern die Quetschen dann immer wieder, anstatt sich eine Alternative (Banane?) einfallen zu lassen. Die Kinder werden die Alternative auch annehmen, wenn sie merken, es gibt die Quetschen einfach nicht mehr. Punkt. Und wenn man mag (so mach ich es), kann man den Kinder erklären, dass die Dinger nicht gut für die Bäume und Tiere draußen sind. Das verstehen sie auch. Das Umdenken fängt einfach bei den Eltern an. Meine Tochter isst die Dinger auch, wenn sie sie bei Besuch bekommt. Deswegen kaufe ich sie ihr aber noch lange nicht. :/

    Ich finde dieses Produkt einfach unnötig und eine echte Sauerei für die Umwelt.

  4. Sehe ich auch so. Gerade nach dem Kindersport essen meine jetzt immer gern eine Banane. Wenn ich sehe, was andere da so kriegen….bis hin zu Gummibärchen!! Leider muss ich zugeben, dass ich unterwegs auch schon ein paar mal diese Quetschies gekauft habe – ich gelobe Besserung!

  5. Liebe Utopisten, neben all den prominenten Buttons für sog. „Social Media“ (Twitter, Facebook und den ganzen Schrott) vermisse ich ehrlich gesagt einen Button, um einen Link per guter alter EMail zu teilen. Bin ich zu doof oder zu rückschrittlich?
    MfG,

    RS

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.